Würdest du gern Journalist werden?

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Vor ein paar Wochen nahm mich meine ehemalige Kommilitonin von der Uni und gute Freundin Christiana Stern (schreibt im Übrigen für die Rheinpfalz) mit zur Sitzung der Hochschulredaktion des Mannheimer Morgens. Letzten Montag war ich dann erst das zweite Mal in der Sitzung (wollte vorher wissen, wie das mit dem Studium so läuft und genug Zeit für angeblich so streng bewertete erste Klausur haben) und hatte, während ich da so saß, ein paar fast schon philosophische Gedanken über den ganzen Journalistenkram.

Nach dem Abi hatte ich zuerst angefangen, Medien- und Kommunikationswissenschaft zu studieren. Ich war eigentlich nur auf der Suche nach Praxiserfahrung neben dem Studium und vielleicht dem ein oder anderen verdienten Euro, da traf ich bereits am ersten Tag der ‚Erstiwoche‘ rein zufällig auf eine nette Dame namens Melina 😉 Sie war (und ist, aber wo anders als damals) Redakteurin eines Online-Musikmagazins. Im Nachhinein war das wohl der Trigger, der mich nach ein paar Abenteuern und einer durchaus lustigen Konstellation an die Poppe brachte, aber das ist nochmal eine ganz eigene Geschichte… Anyway, wenn ihr’s auch probieren wollt, mit dem Zeilenschreiben, fangt mit genau sowas an. Ihr könnt ja nicht gleich Kolumnen bei der Süddeutschen leiten, aber so online Mags freuen sich meistens über engagierte Zugänge. Gibt halt keinen Cent dafür. Lohnen tut es sich trotzdem. Allein das Wort Akkreditierung dürfte euch gefallen. Das heißt nämlich, dass ihr, damit ihr über etwas berichten oder Fotos davon machen könnt, so einiges kostenlos bekommt. Teure Veranstaltungstickets adè?! Nicht ganz. Erstens haben besonders tolle Events auch besonders viele Anfragen und die Promoteams suchen sich deshalb genau raus, wem sie die Genehmigung geben. In den besten Fällen gibt es ein +1, das heißt, ihr könnt noch eine Begleitung mitnehmen. Andererseits bleibt so ein Artikel immer noch harte Arbeit. Während der Show also draußen vor der Tür mit Freunden eine rauchen und sich festquatschen ist nicht. Ihr solltet dann schon alles mitbekommen, euch mal Notizen machen oder andere Gäste fragen, wie es ihnen gefällt. Das gilt in meinem Fall für die Konzerte, aber genauso für eine Filmpremiere, Fashionshow oder ein Firmenevent.

Christiana habe ich bei den Sitzungen der bAStA kennen gelernt. Das ist die Unizeitung in Mannheim, komplett von Studenten geschrieben und organisiert. So was müsste es eigentlich in jeder größeren Hochschule geben und ist der wahrlich perfekte Einstieg ins Schreibertum. Meistens gibt es nämlich keine Aufnahmebedingungen, außer, dass ihr einfach auftacht. Da lernt ihr dann auch, dass es um mehr geht, als nur Wörter aneinander reihen. Es gibt Deadlines, Zeichenzahlen, Richtlinien für die Fotos, solchen Blödsinn wie das Gendern und Genderinnen oder Probleme mit Menschen, die nicht gerne interviewt werden. Praxiserfahrung ist Trumpf. Ihr werdet über viele Dinge stolpern, die ihr nicht erwartet.

Was aber ganz wichtig ist, und das ist auch das erste, was in jedem Buch zum Thema steht: Macht lieber kein reines Journalistik-Studium. Als Nebenfach, einzelner Kurs oder Weiterbildung sicher zu empfehlen, wollen die Arbeitgeber doch lieber jemanden, der von einem bestimmten Feld, über das er später größtenteils schreibt, wirklich Ahnung hat – denn nichts ist unangenehmer als lehrerhafte Leserkommentare, die redaktionellen Inhalt berichtigen. Ich selbst zum Beispiel bin die einzige aus der Hochschulredaktion, die nicht (mehr) an der Schloss-Uni studiert. Das heißt, ich muss mich nie groß mit jemandem um Themen prügeln, sondern hab so meinen ganz eigenen Bereich. Das ist schon ziemlich cool. Als ich das erste Mal in der Sitzung war, fragte mich übrigens jemand nach meinen Gründen, warum ich an die Poppe gewechselt habe. Da kommt genau in dem Moment Heino an uns vorbei gelaufen. Ich habe nicht „deswegen“ gesagt, aber schmunzeln musste ich schon. Kompliment bei dieser Gelegenheit an Heino, die Bild und alle sonstigen Involvierten 😀

Was zwar jeder wissen sollte, aber keiner wissen will, ist, dass du heute kaum noch allein vom Journalismus leben kannst. Selbst wenn du jede Woche den Aufmacher auf der Hochschulseite schreiben solltest, kannst du keine Miete von bezahlen (ich glaube, es sind 50 Euro für den Hauptartikel mit Foto). Wie es bei einem fest angestellten Redakteur aussieht, kann ich euch leider nicht sagen. Vorteil ist aber, dass man auch hier, also im MaMo, einfach vorbeikommen und mitmachen kann. Neben ein paar zusätzlichen Euros habt ihr hier noch einen Namen hinter euch stehen, der die Aufmerksamkeit der Organisatoren erregt. Akkreditierungen zu bekommen wird also leichter. Ich mache das ganze eh mehr als Mittel zum Zweck. Ich will ja keine Journalistin werden, sondern nutze das aus. Man trifft alle möglichen interessanten Menschen, man kann sie viele Dinge fragen und man bekommt fast alles mit, was so passiert. Nach jeder Redaktionssitzung, schon bei der bAStA, bin ich viel informierter über das, was so abgeht in der Umgebung. Gerade in Sachen Politik ist es eine sehr relaxte Methode, denn ich weigere mich oft, diese Abschnitte in Zeitungen zu lesen und habe auch selbst kein Abo oder so. Du verpasst eigentlich gar nichts mehr und die Leute, die mit dir arbeiten, sind meistens ziemlich cool. Für Networker die auch ständig up to date sein müssen wie uns Musikbizidioten ist das pures Gold.

Eine Falle, in die ich oft fast gestolpert wäre und die letztlich auch eine Motivation für diesen Blog war: Wenn ihr in einem bestimmten Ressort seid, muss immer, immer, immer ein Bezug zu diesem Überthema da sein. Ich kann im MaMo also nix vorschlagen, wo die Verbindung zum Studentenleben fehlt, egal wie spannend es sein mag. Und bei Kalle-Rock.de werde ich nie über Taylor Swift schreiben dürfen, wohingegen das hier gut vorkommen kann, wenn sie sich wieder gegen die Streamingdienste der Welt wendet.

Zu guter Letzt möchte ich euch gerne darüber aufklären, was für einen Sinn das Bild hat, das ich über diesen Artikel gesetzt habe… ist ja nicht ganz so offensichtlich:

  1. Wollte irgendetwas aus dem Gebäude des MaMos haben, ohne Betriebsgeheimnisse zu lüften. Es herrscht zwar Pressefreiheit, aber man will es sich ja nicht gleich zu Beginn verscherzen… also brauchte ich etwas möglichst Banales, was aber unbedingt aus dem Inneren des Hauses stammt.
  2. Kleiner Trick zur Aufmerksamkeitsgenerierung. Der Mensch fühlt sich magisch von Themen unter der Gürtellinie angezogen. Das darf man bei Überschriften etc. gerne ausnutzen (je nach Redaktion!).
  3. Gleichzeitig ein Beispiel dafür, wie man es nicht macht: Wer selbst Bilder für seine Artikel macht oder aussucht, sollte unbedingt drauf achten, dass die auch zu 100% passend sind.
  4. Es kann nie schaden, jemanden auf den Gebrauch von Klobürsten hinzuweisen 🙂
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