Kulturtrip nach Hamburg

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Die Füchsin war über das vergangene Wochenende für einen Kurztrip in Hamburg. Meine Mutter hatte mir Karten für „Liebe stirbt nie – Phantom 2“ geschenkt und die galt es nun gemeinsam einzulösen. Trotz bitterer Kälte hatten wir einen schönen Entspannungsurlaub, bei dem beide noch was gelernt haben.

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Spiegel im Hotelzimmer

Am ersten Tag war das Wetter noch gut und ein kleiner Shoppingtrip im Umkreis des Jungfernstiegs durfte bei zwei Mädels nicht ausbleiben. Drei Dinge haben wir dabei nicht beachtet: 1. war es Samstag und „überfüllt“ war als Beschreibung für die Einkaufspassagen noch untertrieben. 2. wurde allem Anschein nach das neue Jahr nach Chinesischem Kalender begrüßt und 3. sollte man, wenn man vorhat, an einer Krimiführung durch St.Pauli teilzunehmen, darauf achten, um wie viel Uhr diese Führung losgeht. Wir haben die Zeitangabe auf dem Ticket mit dem Preis vertauscht und kamen dadurch zwei Stunden zu spät… zu unserem großen Glück fing gerade in diesem Moment, und das war sogar verspätet, eine „Kieztour“ an, mit einer Tourleiterin, die zwar einige Witze einstudiert aber auch eine Menge Ahnung hatte. Sie ist im Norddorf von St.Pauli aufgewachsen und kennt den Stadtteil wie ihre Hosentasche. Einst war dort das größte Irrenhaus Europas, am Ende der „Großen Freiheit“ steht eine katholische Kirche mit einem Schild, das sagt: „Es gibt nichts, womit Jesus nicht fertig wird“ und genau gegenüber befindet sich der Kaiserkeller, in dem schon alles an Rockbands aufgetreten ist, was irgendwie Rang und Namen hat. Mitunter eben die Beatles in ihrer Anfangszeit, denen die Straßenecke Große Freiheit – Reeperbahn gewidmet ist. Wenn man sich mit/in den dort aufgestellten Beatlesfiguren fotografieren lassen will, sollte man sich so herum drehen, dass der Fotograf hinter dem Schlagzeug steht, und die Beatles somit leider seitenverkehrt sind. Wenn man es so macht, hat man aber Susi’s Showbar und die Große Freiheit hinter sich…und nicht den Lidl auf der anderen Straßenseite.

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Es ist Paul…nur falsch herum

Wir sahen unterwegs Olivia Jones und zwei ihrer ebenfalls transexuellen Mitarbeiterinnen. Die Führung hätte mich auch noch interessiert, aber alles auf einmal geht nicht. Wir kennen nun jedenfalls ein paar Geheimtipps, Fakten und Mythen über die vermeintlich sündigste Meile Deutschlands mit all ihren Einrichtungen. Kann ich nur jedem weiterempfehlen.

Sonntags machten Regen und Wind die Kälte fast unerträglich. Zeit für eine Stadtrundfahrt mit den überdachten Doppeldeckerbussen. Informativ, gemütlich und ebenso bemüht lustig, aber das sei den Moderatoren mal verziehen. Besser als staubtrocken. Vom Rathaus an den tanzenden Türmen vorbei, Michel, Reeperbahn, Fischmarkt, Landungsbrücken, Speicherstadt, Hafen, Bahnhof, Binnen- und Außenalster, von Jahrmarktbuden bis zu Luxusvillen sah man in gut zwei Stunden alle Seiten der Metropole, ausgenommen der Wohnviertel außenrum. Nach diesem Trip führte ich meine Mutter zum ersten Mal in ihrem Leben in ein Hard Rock Café (da gefiel es ihr aus ihrer Sicht überraschend gut) und sie mich danach durch den Tunnel unter der Elbe hindurch. Da fand auf den Stahlstreben das Fotoshooting einer Tanzschule oder so etwas statt. Sah nicht ganz ungefährlich aus.

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Gitarre von Eddie Van Halen

Am Abend dann unser Hauptprogrammpunkt: Das Musical „Liebe stirb nie – Phatom 2“ im Operrettenhaus. Ich habe den ersten Teil nie im Original auf der Bühne gesehen, nur den Film, später als neu geschriebene aber längst nicht so gute Musicalversion und noch ein paar Songs des Originals, die mein Chor auf die Bühne gebracht hatte. Was mich bei der gestrigen Show am meisten enttäuscht hat, war, dass es wegen irgendwelcher rechtlichen Sachen keine CDs zu kaufen gab. Gibt Andrew die nicht für Stage frei? Was läuft hier schief? Muss ich sie wohl bestellen. Weitere Mankos waren eine verwirrende Nummerierung der Sitzplätze und dass einige der Lieder nicht besonders einprägsam waren. Sie wurden als Lückenfüller anstelle von gesprochenem Text benutzt. Von mir aus hätte es mehr Wort ohne musikalische Begleitung sein dürfen.

Der Rest war top. Dass Opern überdramatisch sind, das liegt in der ungeschriebenen Definition ihres Genres. Ich werde euch auch nicht verraten, was ganz am Ende passiert, nur dass nicht alle Hauptcharaktere überleben. Der Weg dorthin ist farbenfroh, opulent, voller Überraschungen (trotz an sich recht klassischer Handlung), ein Mix aus Ernst und total überdrehten Showeinlagen und wirklich nix für kleine Kinder, auch wenn eines auf der Bühne stand. Die Sänger sind alles Ausnahmetalente, aber sonst hat man bei solchen Produktionen ja auch keine Chance. Von den Liedern her wurden einige Themen des ersten Teils wiederholt, was aber zu guten Kunstgriffen gemacht wurde. Den ein oder anderen Singsang fand ich, wie bereits gesagt, unnötig, stattdessen hätte man mehr wirkliche Klassiker schreiben können. Zu solch einem wird vielleicht das letzte Lied, das Christine singt. Echt beeindruckt hat mich der Teil, bei dem das Phantom Christines kleinem Sohn den Park auf Coney Island zeigt. Aus dem getragenen Musicalsound wird mit einem Schlag eine Rockoper. E-Gitarren, Upbeat und viel Bass und so. Das ganze Feeling und der Sound haben mich bei diesem Song nur denken lassen: Verdammt, das würde ich gerne gleich nochmal hören und sehen! Von den Kostümen und Kulissen fange ich gar nicht erst an. Beneidenswert, was dieser Verein für Möglichkeiten hat. Und immer wieder war das Publikum mit in die Handlung eingebunden, nämlich bei allen Show-in-der-Show-Momenten. Die ganze Welt ist eben eine Bühne.

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Restaurantempfehlung: ALEX am Jungfernstieg

Wir kämpften uns nach der Vorstellung durch den kalten Wind zurück zum Hotel, tranken noch einen Kaffee in der Lobby und fuhren heute Morgen recht früh zurück. Der Alltag geht weiter. Nun würde ich aber gerne mal wissen, was eure Lieblingsecken in dieser Stadt sind und warum. Interessante Hamburg-Erlebnisse parat? Oder Musicals gesehen, die jeder mal besucht haben sollte?

Love Never Dies (Phantom der Oper 2) als Doppel-CD

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