Life on the road. Das Leben als Rockfan.

Tourende Musiker sind legendär. Hotelzimmer zerstören und so. Groupies abschleppen. Und Whiskey saufen bis der Arzt kommt. Jedenfalls war’s früher mal so. Heute schicke Nightliner. Und jeden Morgen eine andere, wunderschöne Stadt voll mit Menschen, die sehnsüchtig auf ihre Helden warten. Abenteuerliche Romantik pur.

Das vergangene Wochenede war auch für mich wieder so abenteuerlich. Es war Sleaze Fest (wer es nach all meinem Spam noch nicht mitbekommen hat) und eigentlich hatte ich eine super tolle Idee für den Blog. Mitte des Kissin‘ Dynamite Auftritts ging es mir aber plötzlich so mies, dass gar nichts mehr ging. Aus meiner leichten Erkältung wurde durch die lange Party und die anstrengende Reise, den Krach und das Bier eine handfeste Krankheit. Der arme Fuchs hatte plötzlich üble Kopfschmerzen und so einen rauen Hals, dass er kaum noch reden konnte. Der Plan war somit am A****h und ich war froh, dass ich es noch geschafft habe, ein bisschen auf der anschließenden Partymonium zu feiern. Mir war bis dahin aber längst aufgefallen, dass meine eigentliche Idee sich eh besser umsetzen ließ, wenn es taghell und Sommer wäre. Draußen irgendwo, bei besserem Licht als in der Matrix. Ich verrat’s euch mal noch nicht. Wird nachgeholt.
Und so reiste ich am nächsten Tag erschöpft nachhause während Bilder von der Party mein Handy fluteten. Da kam mir eine andere Idee: Jeder verfolgt immer die Musiker und wie sie mit ihrem Equipment auf Tour von Location zu Location fahren, wie sie backstage abhängen und sich danach einen hinter die Rübe kippen. Aber niemand interessiert sich dafür, wie die Fans das erleben. Wie sie stunden-, manchmal tagelange Reisen auf sich nehmen, die Nächte durchmachen, sich jedes mal in einer anderen Stadt zurecht finden müssen – und dann doch ihre Freunde vor Ort begrüßen, als sei es das Normalste der Welt.

paderborn

Wirklich treue Fans und wirklich gute Freunde nehmen alles in Kauf. Bei 2h Fahrt fängt da der Aufwand erst an, alles darunter ist ja grade um die Ecke. Das liegt vor allem daran, dass viele Bands nur an einer begrenzten Anzahl von Orten auftreten können. Und die großen Festivals finden generell immer nur an einem Ort statt. Da muss es dir dann egal sein, ob du aus Freiburg oder Flensburg kommst, Düsseldorf oder Dresden: wenn eine wichtige Party ansteht, dann bist du da!
Und dann fährt man am nächsten Tag heim und denkt entweder: „Mensch, war das geil, ich will gleich nochmal!“ oder „Ich bin so tot, warum mach ich das überhaupt?!“

Ein Wochenende, wie es sein sollte, in Bildern. Danke im Voraus an meine nichtsahnenden, unschuldigen Fotolieferanten. Ihr seid die Besten und wegen euch nehme ich solche Strapazen gerne jederzeit in Kauf :-*

rob ferienhaus

Ankunft vor dem Ferienhaus. Die sind, genau wie Pensionen, Hostels und Jugendherbergen, eine gute Alternative zu Hotels. Man kann zur Not auch noch wen mitnehmen, vorausgesetzt es gibt genug Betten und Sofas… Wer so lockere Vermieter hat wie wir letztes Wochenende, hat Glück. Die geben die Schlüssel einfach mal den davor wartenden Leuten…obwohl diese nicht mal diejenigen sind, die am Ende da schlafen, sondern nur Gäste der Vorglühparty. Naja, so ist das halt.

Als wir reinkamen, ging die Verwirrung weiter: das ganze Haus war leer, fast alle Türen standen uns offen. Welche dieser 20 Zimmer durften wir nun belegen? Das erste, in dem wir unser Zeug abstellten und anfingen zu feiern, war ausgerechnet das einzige, das von jemand anderem bewohnt war…was uns aber erst später auffiel. Das Gesicht von dem Kerl hätte ich gerne gesehen 😀 Wir haben ja nichts kaputt gemacht, sondern einfach nur zu Reckless Love ein bisschen getanzt und so. Trotzdem, stell dir vor, du kommst heim in dein Hotelzimmer und da macht wer anders gut gelaunt Party. Ich will’s nicht wirklich wissen…

robtodie                     poser spiegel

Nächste Aufgabe: fertig machen für die eigentliche Veranstaltung. In diesem Falle Sleaze Fest in der Matrix. Das heißt, dass das Bad auch mal von zwei Jungs belegt wird, die sich vorher stylen und schminken müssen. Mit Desperados, versteht sich. Cheers Jungs, ihr seht gut aus, wir können abreisen.

huhnDie letzte Etappe zur Venue wird gelaufen. Frische Luft tut gut, vor allem wenn man danach 12 Stunden lang mehr oder weniger in einem Steinhaus gefangen sein wird. Man kann zwar raus, zum Beispiel zum Rauchen oder um sich im Real nebenan zu versorgen, doch das ist umständlich und kalt. Wer so viel Glück hat wie wir, begegnet unterwegs einem freilaufenden Huhn und einem Hahn. Boah! Tiere!! In der freien Wildbahn! Sensation! .. Der Tag war gerettet.
Wie so ein Konzert oder Festival abläuft, muss ich nicht im Detail erklären. Kurz gesagt ist es immer abwechselnd Band – Umbaupause – Band – Umbaupause. Je nachdem wie groß das Festival ist und welche Bands euch überhaupt interessieren, müsst ihr nicht die ganze Zeit wie angewurzelt vor der Bühne stehen. Man läuft herum, unterhält sich, schaut mal an den Fanständen vorbei, wo die Musiker bereit stehen für Fotos und um Autogramme zu geben, Klamotten shoppen kann man auch, und eine Etage weiter oben gibt’s gemütliche Sofas. So in etwa sieht es überall aus.

bühne

Wäre es mir besser gegangen, hätte ich die anderen Musiker auch noch festgehalten und ein paar Schnappschüsse verlangt. So reichte die Kraft meiner Stimme nur für ein Foto mit dem Sänger von Bulletrain. Können wir nicht posen wie die Profis? xD

sebbeandme           sebbe

Achtung, der Fuchs begeht jetzt Hochverrat: Das Hightlight des Tages waren ToxicRose!
Ich werde nie aufhören, Kissin‘ Dynamite Fan zu sein, doch die habe ich schon so viele Male gesehen. ToxicRose waren neu. Und sie sind sleaziger als all die anderen Bands, die aufgetreten sind. Ihr Style ist der Wahnsinn und wird von vielen Fans beneidet, und die Halle war bei ihnen auch am vollsten. Hier könnt ihr sie bewundern, in ganzer Pracht, und ich sage Dankeschön an die Fotospender. Ich bin euch was schuldig. Nächster Kasten Bier geht auf meine Kosten 😉

singer tr                   trguitar

Den meisten Spaß jedoch, was das Mitsingen und Tanzen angeht, hatte ich bei The Cruel Intentions. Bei deren Auftritt ging es mir auch noch bedeutend besser. Lizzy Devine stand ebenfalls gerne für Groupiefotos bereit, wie man auf dem unteren Bild erkennen kann. Very cool, Nat.

lizzy

nat und lizzy

Im Anschluss an die Festivalsause, die von Kissin‘ Dynamite beendet wurde, öffnete die Matrix ihre Pforten für die Tagesgäste. Nun stürmten die ganzen Sleaze Fest Gäste den Rockpalast im obersten Stockwerk. Hier kann man nicht nur nachts um eins Pizza Margharita und Tee mit Honig bestellen, alte Konzerte auf Großbildleinwand verfolgen und sich ins gemütliche Bistro setzen, sondern auch zur typischen Partymonium-Musik feiern bis zum Morgengrauen. Auch wenn ich zu dem Zeitpunkt gar nicht mehr fit war, wollte ich mir den Trubel nicht entgehen lassen. Es war so viel Bewegung im Haus, dass die Diskokugel gefährlich schwankte. Hier konnte man nochmal sehen, von wo die Leute überall hergekommen waren, aber dass ihnen das egal war. Die einen schlafen halt bei Freunden, die nächsten im Laderaum ihres Vans und wieder andere scheißen da völlig drauf. Irgendwo wird man schon unterkommen. Rockstarleben. Wichtig ist nur, dass man seine Getränkekarte nicht verliert. Das passiert in der Matrix scheinbar häufig und ist ganz schön ärgerlich.

party
Spätestens bei „Kickstart My Heart“ muss jeder Beobachter von außen uns für irre gehalten haben. Moshpit des Todes, Crowdsurfing, lautes Jubeln, Schweiß, und alle schreien rum und liegen sich im Arm. Ich weiß auch nicht, was mit diesem Song ist, dass alle so durchdrehen…

kd2

 

schlafen

Noch ein persönlicher Tipp von mir: bildet Fahrgruppen oder fahrt mit dem Fernbus. Deutsche Bahn geht auch, die muss man dann aber lange im Voraus buchen und am besten mit diesen festen Fahrten als Sparpreise, sonst wird es echt teuer. Geht aber auch als Alternative, wenn man sich überlegt, die Nacht durchzumachen, auf eine Unterkunft zu verzichten und am nächsten Morgen gemütlich heimreisen will.

Ansonsten: passt auf, dass ihr euer Handy nicht verliert, habt zur Not immer eine Decke im Auto, nehmt nicht zu viel Geld mit zur Party aber auch nicht zu wenig, quasselt euren Taxifahrer nicht zu Tode ( ❤ ) und macht euch darauf gefasst, dass am nächsten Tag mehr oder vielleicht auch weniger Menschen mit euch im Haus aufwachen als geplant. Ibuprofen oder Aspirin dabei? Gut so, denn der Kopf wird noch lange dröhnen, selbst wenn es nur von den lauten Bässen kommt.

Ansonsten: schnell prüfen, wo die nächste Konzertreise hingeht. Denn frühe Planung hilft, dass später alles entspannter wird. Alternative: einfach improvisieren. Hat bisher immer irgendwie funktioniert.

Und jetzt hätte ich gern noch eure besten „on the road“ Erlebnisse. Nur keine falsche Bescheidenheit, haut sie raus!

 

 

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