Gitarren gibt’s leider nicht gratis. (Musikmesse 2016)

Musikmesse 2016, im Herzen von Frankfurt am Main. Jupiter Jones springen über die Bühne und endlich scheint mal die Sonne, fast einen ganzen Tag lang. Man sieht die Spitzen von ein paar Wolkenkratzern und viele, viele Menschen mit schwarzen Bandshirts zwischen Food Trucks herumlaufen. Fast wie bei einem Festival. Ein Freund von mir, den ich genau dort treffe, meint: „Warum lösen wir nicht eine Apocalypse aus, durch die die Musikmesse vom Rest der Welt abgespalten wird? Ich glaube, mit diesen Leuten kann man eine tolle Zivilisation gründen!“, oder so etwas in der Art.

europaallee

„In Frankfurt spielt die Musik“ nannten sie das Motto dieses Jahr und ließen sich daher eine besondere Premiere einfallen. Zum ersten mal fand parallel zur Ausstellung auf dem Messegelände das „musikmesse festival“ in der kompletten City statt. Zuerst dachte ich, dass jeder, der ein Ticket für die Messe hatte, automatisch alle Gigs in der Stadt ansehen konnte. Letztendlich bekam man nur ein Heftchen mit Gutscheinen, auf denen dann stand, was man noch als Aufpreis bezahlen musste. Macht aber Sinn, denn ein Tagesticket kostete gerade einmal 20€ und das Line-Up des Festivals war gar nicht so übel. Bändchen gab’s trotzdem, in einem schönen hellen Blau, das ziert jetzt mein Handgelenk.

Wir parkten etwas außerhalb, im Europaviertel, genossen die Aprilsonne und wanderten dem Navi folgend zu dem Eingang des Messebereichs, bei dem auch die Bahnstation liegt. Dass man dann erst einen Kilometer weit durch Gänge und über Fließbänder laufen muss, um zu den relevanten Hallen zu kommen und der Eingang, der uns zur Rock meets Pop-Halle geführt hätte, genau zwei Minuten von unserem Parkplatz lag, lief am Ende des Tages unter ‚dann weiß man’s halt für’s nächste Mal. Im wahrsten Sinne des Wortes dumm gelaufen..‘.

Ich war noch nie auf der Musikmesse in Frankfurt gewesen. Alles, was ich sah, sah ich zum ersten Mal. Wer erwartet hatte, tütenweise Goodies einzusacken, wurde enttäuscht. Gitarren gibt’s leider nicht gratis, und Gitarren waren wohl noch mit das Günstigste, das man hier erstehen konnte. Abgesehen von Büchern und Zubehör. Es gab eine Menge coole Sachen, ein paar davon möchte ich euch hier vorstellen.

viele gitarren
Zu Beginn mal Gitarren. Gitarren, Gitarren, Gitarren.
futuristische
Dieser Hersteller nennt sich OGRE. Nie zuvor gesehen. Meinungen?
nikki strings
Festellung des Tages: ‚Nikki Strings‘ klingt nach dem Namen eines Porno Stars…
david bowie
Davids größte Hits als Notenauszug
rammstein
Bowie? Ok, aber Rammstein?! So veredelt?? Ein Klaviernotenbuch

Besondere Highlights für alle Fans: Die Ausstellungsstücke. Man fand viele Instrumente von namhaften Künstlern, meist mit großer Platte und Bild danben, da der Hersteller stolz auf seinen Vertragspartner war.
Auch die Flügel im Classic meets Jazz-Bereich machten ordentlich was her. Um sie herum lauter Sakkoträger. Der Nachteil dieser Halle war die unerträgliche Geräuschkulisse, die entsteht, wenn auf hundert Klavieren gleichzeitig musiziert wird und nebenan Akkordeon. Wer hier einen ganzen Tag stehen und verkaufen wollte, dem viel Spaß.

motörhead

Klaviere

Schnell wurde klar, dass diese Veranstaltung sich vor allem an praktizierende Musiker richtete. Für bloße Musikfans gab es weniger zu tun und zu entdecken. In einer Galleria zum Beispiel fand ich einen kleinen Stand meiner Schule, der Popakademie, doch dieser diente vor allem der Beratung. Auch die beiden großen Bandcontests SPH und Emergenza hatten ihre Ecken eingerichtet, die GEMA präsentierte sich im gewohnt rot weißen Design, irgendwo war noch ein Radiosender… also ein paar Abweichungen gab es, doch die Instrumente (und die Technik) hatten Vorrang. Die B2B-Etage habe ich nicht betreten. Hier wurden vermutlich die nächsten großen Deals geschlossen. In irgendeinem Jahr werde ich mir auch noch die Vorträge dort anhören, doch dafür bräuchte ich mehr Zeit, den Status eines Fachbesuchers und für dieses Jahr wollte ich mich erst einmal nur umsehen.

becks stage
Victor Smolski, Gitarrenprofi auf der Bühne von Beck’s

Ganz cool gemacht war der Außenbereich. Der war von einem Festival kaum zu unterscheiden. Alle paar Meter kam einem andere Musik entgegen, es gab richtig außergewöhnliche Stände aber auch die typische Bude mit Bier, Currywurst und Pommes. Zwischendrin kleinere und größere Bühnen, von Getränkeherstellern gesponserte Acts, Menschen, die auf dem Boden sitzen und die Sonne genießen, so lang sie noch da war und so weiter und so fort. Hier liefen wir zum Beispiel zufällig in das Ende des Jupiter Jones-Konzert hinein. Und später spielte ein Gitarrenvirtuose auf der Beck’s Stage (gutes Wortspiel..). Ich hatte keine Ahnung, wer das ist, aber er war verdammt gut! Nachgelesen. Aha, Victor Smolski. Merke ich mir.
Ich habe auch schon wieder vergessen, wie die süße kleine Sängerin hieß, die auf einer weiteren Bühne stand. Angeblich hatte sie was mit DSDS zu tun und wurde mal ins Dschungelcamp geschickt. Sorry Leute, kein Plan.
An wen ich mich aber gut erinnern kann, ist Mike Terrana, der Drummer mit der lustigen Frisur. Er trommelte sich in einen kleinen Kasten gezwängt die Seele aus dem Leib. Wer aufmerksam durch die Hallen lief, traf immer wieder Minigigs, oder einfach Musiker, die spontan auf den Ausstellungsstücken jammten. Anfassen erlaubt, egal von wem.

center stage
Diese Gruppen spielten auf der größten Bühne, die ohne Aufpreis für Besucher zugänglich war

Die Eindrücke auf so einer Veranstaltung überschlagen sich. Bis man sich in den Hallen und Gängen zurecht gefunden hat, sind die Beine schon müde. Ausruhen geht dann höchstens in einem der schicken kleinen Messerestaurants. Wenn man hier saß und sich umsah, fiel auf, wie viele Besucher ihre Musikpräferenzen offen zur Schau stellten. Mein Highlight war ein Typ mit einem Korn-Shirt, Anzugjacke darüber, langen gewellten Haaren und säuberlich geflochtenen Ziegenbärtchen, der in sein Iphone quasselte und lauter Flyer in der Hand hielt. Durch und durch professionell.

jupiter jones
Jupiter Jones auf der Center Stage

Gerne hätte ich mehr Zeit gehabt, mir die verschiedenen Programmpunkte an allen vier Tagen anzusehen. Deswegen weiß ich schon, dass ich nächstes Jahr wieder an mindestens einem Tag vorbei kommen werde. Fürs erste sollte dieser Eindruck aber genügen. Ich weiß jetzt, dass die Messe ein Paradies für alle Musiker ist, die ihr neues Lieblingsinstrument entdecken wollen. Die ganze Veranstaltung war auch durchaus gut besucht, doch es war leer genug, um überall was sehen zu können.. sogar an einem Flipperautomaten von KISS konnten wir uns die Zeit vertreiben. Egal wie schlecht ich dabei war 😀

kiss flipper
„Kiss sind keine Band. Kiss sind eine Marke.“

Fazit: Coole Sache, kann ich jedem, der interessiert ist, weiter empfehlen. Für Musiker noch besser als für Fans, aber langweilig ist es für niemanden.

southside
Excuse my stupid face. Hauptsache es ist ein Fuchs.
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