„Natürlich gehen wir mal aufs Coachella!“

Zwei Schreiberlinginnen unter sich. Christiana und Karla. Sie sitzen an diesem wolkenverhangenen Maimorgen in einem Café in der Mannheimer Kunststraße und sprechen über die Gehälter freier Redakteure, Recherchearbeiten und die harte Arbeit, die hinter jedem kleinen, kaum beachteten Text steckt.

janice sthlm
2014 in Stockholm am Hafen. Festivalatmosphäre ohne Festival.

Stundenlang muss man sich vorbereiten, bevor man überhaupt zu dem Event darf, über das man berichtet, wenn man sich nicht blamieren will. Das ist nur eine Regel in der Welt des Kulturjournalismus.
Christiana war vor Kurzen bei der Premiere von „Mannheim – der Film“ als Reporterin gewesen. Sie und Karla haben sich vor zwei Jahren oder so in der Redaktion der Unizeitung kennengelernt. Viel loses Geschreibe über gemischte Themen, in der Hoffnung, dass es interessierte Studenten lesen. Eine akzeptable Referenz auf der Suche nach ‚echten‘ Jobs. Und der beste Ort, um das Handwerkszeug zu lernen.

Viele Monate später schleppt Christiana Karla mit zum Mannheimer Morgen. Hochschulredaktion. Jeden Mittwoch eine komplette Seite auf der Rückseite der Zeitung für Studententhemen. Die Stimmung im Büro ist cool, aber da sitzen nur Mädchen. Karla ist die einzige, die auf die Popakademie geht. Alle anderen kommen von der Uni und die meisten studieren Germanistik, Anglistik oder Medien und Kommunikationswissenschaft. Daher kennt Karla noch einige von ihnen.
Gleich am ersten Tag begegnen sie im Eingangsfoyer Heino. Stilecht, mit Sonnenbrille. Er grüßt und steigt dann in einen schwarzen Mercedes (oder war es ein BMW?) aus Stuttgart. Ein Mädchen aus der Redaktion fragt Karla gerade: „Wie bist du darauf gekommen, an der Popakademie zu studieren?“ und weil genau in dem Augenblick Heino vorbeiläuft, antwortet Karla schmunzelnd: „Deshalb.“
Hinter dieser doofen Antwort steckt mehr, als die meisten vermuten.
Karla wird im MaMo einige Zeit der ‚Ersatz‘ für Christiana, die aus Zeitgründen gehen musste. Doch dieselben Probleme plagen Karla, und sie merkt, dass sie allgemein lieber schreibt, wie der Schnabel ihr gewachsen ist, statt eine feste Anzahl von Wörtern und Formulierungsregeln zu befolgen. Auch das mit der korrekten Recherche ist schwieriger als man denkt. Sie stellt fest, dass der typische Tagesjournalismus nichts für sie ist – auch wenn die Sitzungen immer Spaß gemacht haben und sie selbst in der kurzen Zeit viel Hilfreiches erfahren und viele tolle Leute kennen gelernt hat.

it girl
Bin ich nicht das geborene American It-Girl?  #bloggerlife4ever<3

Heute haben die beiden Unifreundinnen es endlich geschafft, sich mal wieder zu sehen. Christiana spielt schon länger mit dem Gedanken, auch mal für ein Online Musikmagazin zu schreiben. Sie hat Karla schon vor einiger Zeit um Rat gefragt, wie man das am besten angeht. Größter Tipp: so formlos wie möglich.
Bei den großen Magazinen oder den Printformaten ist das etwas anderes, doch Seiten wie die, auf denen Karla geschrieben hat, leben vom freundlichen, unkomplizierten Miteinander. Da wird sich geduzt und über Facebook kommuniziert. Es geht um die Musik, um die Leidenschaft.

Leider ist das manchmal auch das einzige, was man davon hat.
Die großen Promo- und Produktionsfirmen denken, man sei unwichtig und erreiche zu wenige Leser. Dabei ist ein interessanter Artikel viel schneller angeklickt und geteilt, als dass sich jemand wegen nur einem Text, der ihn interessiert, sofort und regelmäßig eine Printausgabe kauft. Das Netz ist die Gegenwart und Zukunft. Leider raffen das zu wenige, die für die Akkreditierungen zuständig sind.
Klar, theoretisch kann dann jeder kommen und sich als Journalist ausgeben. Aber Moment mal… so soll es doch auch sein. Meinungsfreiheit. Grundgesetz. Und Christiana ist keine Unbekannte im Geschäft. Sie schreibt schon lange für die Rheinpfalz, dem Äquivalent zum MaMo in Ludwigshafen. Und eben für den MaMo und die Unizeitung, die bAStA. Wenn jemand gute, lesenswerte Festivalberichte bereitstellen kann, dann ja wohl sie. Also drücken wir ihr die Daumen.

Sie fragt Karla auch, wie man an Interviews mit Bands kommt. Spezifischer mit welchen, die auf dem Maifeld Derby spielen.
Leider gibt es dafür kein Pauschalrezept. Vieles läuft darüber, dass man Personen schon kennt. Oder eben für ein Magazin schreibt und im Mailverteiler Angebote für Interviews landen. Ansonsten hilft nur eine gut formulierte Mail, die kurz und knapp aber deutlich die Vorteile aufzeigt, die ein Künstler oder ein Veranstalter davon hat, wenn genau von dieser Person für dieses Medium ein Bericht verfasst wird. Oder versuchen, Fotos zu machen, das ist auch gut.

vito
Irgendwann haben J.B.O. mal mein Foto geteilt. So ziemlich das höchste, was man in dem Bereich erzielen kann xD

Doch bei all der Aufregung, die man verspürt, wenn man auf der Gästeliste steht und mit der Band sprechen darf: Am Ende des Tages ist es Arbeit. Zu oft eine sehr undankbare.
Von gewöhnlichen Reviews und Ankündigungen können sich die meisten Musiker kaum retten, da kommt nicht mal ein Danke. Auch Interviews sind Alltag für die Künstler, man darf keinen roten Teppich erwarten, wenn man mit Notizzettel und Diktiergerät angewatschelt kommt.
Und vor allem: meist ist so eine Presseakkreditierung ohne ‚Plus Eins‘. Man wird also in den meisten Fällen allein gehen müssen, außer jemand ist bereit, dafür zu zahlen, während du umsonst reinkommst. Aber dann ist es schwierig, dass ihr Plätze nebeneinander findet (bei festen Sitzplätzen). Oder du musst schon früher da sein, vor dem eigentlichen Einlass und ihr müsst getrennt anreisen. Ist der Interviewtermin nach der Show und es darf keine Begleitung mit, ist das ebenfalls ein abruptes Ende der Verabredung. Und wenn beim großen Szenefestival alle mit Bier in der Ecke stehen und mit einem lachenden und einem weinenden Auge ihre persönlichen Liebesprobleme ausleben, stehst du so dicht vor der Bühne wie du kannst und versuchst krampfhaft, dir die Songs zu merken, zu notieren oder was zu fotographieren und musst nüchtern bleiben. Denn wenn kein guter Bericht kommt, ist doof.

Über diese und ähnliche Themen reden Christiana und Karla also während sie Kaffee und extra dunklen Kakao trinken. Der Film über Mannheim ist übrigens von Musik dominiert und soll sehr gut sein. Viel Lokalkolorit, wie man sich fast denken könnte.
Auf dem Maifeld Derby wollen sich die beiden Pressefreundinnen wieder treffen. Ob mit oder ohne Akkreditierung wird sich zeigen.

DIGITAL CAMERA
Peace, my friends. Woodstock und so.

Beide lieben die USA. Vor allem Los Angeles. Da würden sie gerne mal hin. Und dann auf’s Coachella.
„Aufs Coachella würde ich so gerne mal. Oder zum SXSW…Aber das wird wohl so bald nix. Allein der Eintritt soll 400 Euro kosten.““
„Natürlich kommen wir da hin!“
„Das ist aber ein Festival der Schönen und Reichen.
„Das sind wir. Oder werden wir mal sein.“

Na dann. Viel Glück den beiden, oder?

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3 Kommentare zu „„Natürlich gehen wir mal aufs Coachella!“

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