Zutritt für Unbefugte verboten. – „Ähm, halloo!?!“

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Über dieses „ähm, hallo“, das meine beiden verrückten Vertrauten Nat und Dani damals so beeindruckend und dreist fanden, kann ich heute nur müde lachen. Es ging darum, dass sie meinten, wir würden gleich von einer Securitykraft davon abgehalten werden, durch eine Tür zu gehen. Dem war aber nicht so.

Was ich euch heute demonstrieren will: Die ganze Arbeit in der Musikszene ist, nach dem zu urteilen, was ich so um mich herum mitbekomme, vielleicht cool – aber alles andere als glamourös. Und ich tu das, was ich tu, oft aus einem ungewöhnlichen Grund: die Möglichkeit, ohne eine Miene zu verziehen durch Türen gehen zu können, die „Normalsterbliche“ nicht passieren dürfen.
Dabei befindet sich dahinter manchmal nur eine Putzkammer oder ein Altglascontainer. Aber das ist egal. Denn es geht ums Prinzip und manchmal befindet sich dahinter auch viel, viel mehr.

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Aufbau fürs Full Moon Festival in der halle02

Das vergangene Wochenende inklusive gestern und heute (Di) lässt sich unter dem Thema ‚Entertainmentbranchen-Life 4-ever‘ zusammenfassen. Das fing am Freitag an, als ich einen Kindergeburtstag für Erwachsene vorbereitet habe. Diese irrsinnige Aufgabe (nächstes Mal überlege ich mir was Leichteres….) war Teil meines Praktikums, das ich gerade in der halle02 in Heidelberg mache. Zusammen mit einem anderen Praktikanten stürmte ich also den Supermarkt und kaufte Plastikbecher mit Pferdchen und Fußbällen drauf, Luftballons, Maoam, Schokolade und Robby Bubble, den wir dann ironischerweise wieder mit Alkohol mixten. Genau wie die Capri Sonne Beutelchen. So ein bisschen erwachsen musste die Party dann doch bleiben.

„Schwupps, in den Bereich der Halle verschwunden, in den die Gäste nicht dürfen“

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„Kindergeburtstag“

Vielleicht hätte ich die Menschheit noch mehr mit der Geburtstagsidee zuspammen sollen, denn am Ende bestand die Party eigentlich nur aus einer Mädelsclique und zwei noch dazu kommenden Besuchern aus Hanover, die sie eher zum Vorglühen für das anschließende Full Moon Festival nutzten. Aber das war auf seine Weise wieder cool, denn wir freundeten uns sofort mit den Gästen an, spielten mit bei den Spielen, ließen sie selbst die Musik wählen und die, die da waren, staubten natürlich alles ab. Sie hatten ihren Spaß, wir hatten unseren Spaß. Und dann, nach der Gaudi, lief ich mit einem Müllsack und einem klebrigen Eimer quer durch die Halle. Nicht unbedingt ein glamouröser Anblick, wie gesagt. Aber ein kurzer Blick der Security und – schwupps, in den Bereich der Halle verschwunden, in den die Gäste nicht dürfen. Auf dem Weg zu den Müllcontainern. Aber das ist ja egal. Und ich durfte auch bleiben, und mit den anderen im Neonlicht und mit Bodypaint weiter tanzen. Ein schöner Ausklang für einen so langen Tag.

Am nächsten Morgen stieg ich in den Fernbus nach Leverkusen. Das finale Ziel hieß Köln.
Wunderschöne Stunden. Lange Fahrten geben mir das Gefühl von Freiheit.
Daran, dass ich inzwischen eigentlich in drei Bundesländern gleichzeitig lebe, habe ich mich auch schon gewöhnt. Es ist stressig und teuer, aber toll.
In Köln war ich schon häufiger gewesen (und habe mich mindestens so oft dort verfahren, verlaufen, Leute verloren, nen Punkt in Flensburg bekommen, you name it xD), aber so einen richtigen Touriabstecher in die Innenstadt hatte ich noch nicht gemacht.
Böööser Fehler.
Samstag Nachmittag, sonniger Herbsttag – nur zu eng und zu laut. Also weiter nach Vingst, in die WG der lieben Mara. In dieser WG sind alle Vegetarier (zuerst Zufall, später Absicht) und genau heute zog eine neue Mitbewohnerin ein. Sie war leider zu beschäftigt mit dem Möbelaufbau, sonst hätten wir sie gleich mitgeschleppt zur Partymonium. Mara stellte aber sofort fest: „Also ich glaube, das passt ganz gut mit dir“, meinte sie zu der Neuen und dann stellte diese uns Müsliriegel hin. Den genauen Ablauf weiß ich nicht mehr, aber wir hörten unsere Lieblingssongs, quatschten fast nur über Konzerte, über Musiker und unsere Erlebnisse mit eben diesen. Da gibt es vieles. Wie unzuverlässig diese Künstler doch sind, wie super freundlich und qualitativ hochwertig die Metalheads in Schweden, wie verbesserungsbedürftig bei manchen Bands der Merch-Sektor (und wir wollen natürlich abhelfen), oder wie naiv die Mitarbeiter der Lanxess Arena. Es gab viel zu früh Vodka Lemon (doch daran bin ich selbst Schuld) und dann hüpften wir bestens gelaunt los zu diesem Stadtfest, auf dem John Diva und die Rockets of Love auftreten sollten.

selfie     mara

Was ein Anblick. Vorne in der ersten Reihe bunt angezogene, voll ausgestattete und jeden Song mitsingende Mega-Glam-Fans. Dazwischen ein paar irritierte Kinder und hintendran die Mütter und Väter, die allerhöchstens amüsiert drein geschaut haben mussten.
Aber da habe ich gar nicht so genau drauf geachtet.
Celine: „Wir sind die einzigen wirklich Coolen hier!“ Wo sie Recht hat…
Ich habe eine Plek abgestaubt und mehrfach fast in Johns Mikro gesungen. Sehr geile Aktion, und auf dem Platz standen natürlich auch Festival-stilecht Dixiklos herum. Yeah!!

„Hier hatte ich mal keinen Dienst oder so“

Um halb 10 oder so waren wir alle wie auf einen Schlag weg. Denn in der Live Music Hall gibt es in der ersten Stunde Freibier! Die Location war etwas größer als sonst (war bisher nur in der Werkstatt (Köln) und der Matrix (Bochum) gewesen) und es waren ein paar mehr „normale“ Samstagabendgäste da. Die feierten schön mit und ich feierte es wieder mal, dass für eigentlich so kleine Events die Leute doch aus allen Ecken des Landes hergefahren kommen. Das ist eine unglaubliche Kernkraft, die da herrscht, stärker als Schwerkraft, die alle zusammen zieht.
Hier hatte ich mal keinen Dienst oder so. Ich war nicht Gast DJ wie Jim von Kissin‘ Dynamite, der mir freudig zeigte, dass sich noch ein weiterer Poppe-Jahrgangs-Kamerad von uns in die Hall verirrt hatte. Ich war keine Tänzerin wie die nach wie vor hammermäßigen Foxy Firecrackers, und auch keine Bardame oder sonst wie Veranstalterin (auch wenn ich mit dem Veranstalter noch was Wichtiges zu besprechen habe….). Aber innerhalb solcher Szenen kannst du irgendwann einfach mir nichts-dir nichts auf die Bühne spazieren, dort allen Hallo sagen und deine Jacke unter ein Podest legen, wo sie keinem auffällt und keinen stört. Und dann kannst du ungestört tanzen und gehen wohin du willst, kennst fast jeden und kannst mit jedem reden. Keiner kommt dir doof. So ein wunderbares Gefühl auf einer Party.

 

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Photo: Husky

Irgendwann wurde alles zu laut und die Luft zu stickig und ich hatte noch einen langen Weg vor mir, auf dem ich total übermüdet fast im Megges am Hauptbahnhof eingepennt wäre. Kurz bevor der Zug nach Leverkusen kam, lernte ich noch eine super nette Transe namens Annette kennen, die sich gleich mal von mir Styling Tipps geben ließ (dabei sah ich aus wie ne Kreuzug aus 85er Nikki, Axl und einem Fuchs). Im Zug pusteten ein paar Jungs mit Seifenblasen, da musste ich wieder an den Kindergeburtstag denken, und bevor ich im Bus nach Mannheim schlafen konnte, musste erst noch eine Zeit in Leverkusen damit verbracht werden, das Bayer-Gelände zu erkunden und Pokémon zu fangen. Eine gelungene Nacht würde ich sagen!

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Leverkusen in der Früh

Am Montag dann ging es gleich wieder morgens damit weiter, dass ich bei einem Firmenevent in der Halle Hostess spielte. In einem Laborkittel, mit dem ich auch mit Alice Cooper auf Tour gehen könnte an einer Straßenkreuzung zu stehen, ist auch nicht glamourös – aber das Gefühl, zu etwas Großem, Offiziellem und so Edlem dazu zu gehören und helfen zu können, macht das Ganze wieder bezahlt. Und abends kam der Capitoler Abend, bei dem neue Freundeskreismitglieder für das Haus gesucht wurden. Zu den Aufgaben von uns Servicekräften gehört unter anderem, Theken zu wischen und Klorollen auszuwechseln – doch meine Güte, so ist das halt. Dafür durfte ich Weltpremieren von Musicalnummern hören und Michael Herberger, der große Musikproduzenten aus Mannheim, machte eine kleine Verbeugung vor uns. Läuft bei uns.

Heute Abend erst, zu guter Letzt, kurz bevor ich diesen Text hier hochlade, hat der Fuchs das gemacht, wofür er eigentlich auf die Welt gesetzt wurde: Augen zu, Musik hören und dabei nebenbei einen Menschen glücklich machen.
Stimmt’s, Nick?
Kostenlos und fast bis zum Schluss, bis zu dem Moment, an dem nur noch das Team und die Hardcorefans da sind. Wenn ihr den Moment mal erlebt habt, seid ihr auf dem richtigen Weg.

Fazit: Nur weil ihr im Umfeld von Musikern und sonstigen bekannten Persönlichkeiten arbeitet, heißt es noch lange nicht, dass ihr selbst welche seid. Es heißt aber, dass ihr im schönsten und spannendsten Umfeld der Welt lebt. Ich würde es gegen nichts austauschen. Nevva evva in ma 1 life!

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