stinkefinger-glam-rock-bitches
Würde man uns vertrauen?

Eure Erfahrungen!

Vor nicht allzu langer Zeit haben sich zwei junge Damen unter einem meiner Bilder darüber unterhalten, wie das mit dem Metal-Aussehen so ist, wenn man sich am Arbeitsplatz befindet. Anpassen oder ‚man selbst‘ bleiben? Einem normalen Job nachgehn oder was suchen/haben, wo man so aussehn kann wie man möchte? Geht mir gerade so.“
Die Frage ist absolut berechtigt und hat auch mich schon mehrere Male beschäftigt. Beispielsweise jedes Mal dann, wenn meine Mutter auf Facebook eines meiner oder von anderen Leuten hochgeladenen Bilder sieht und mich fragt, ob das nicht schlecht wär, falls mal jemand, bei dem ich mich auf einen Job bewerben wolle, meine Onlinepräsenz durchsuchen würde.

Ihr konnte ich immer nur sagen: „Nein, Mami, das ist sogar gut! Einen Job, für den man bieder und seriös aussehen muss, will ich gar nicht. In dem Bereich, in dem ich arbeiten will, sind solche Bilder sogar besser, daran erkennen die, dass ich Ahnung habe.“ Stichwort: Authentizität!

black-and-white-standesamt
Wir können auch in Kleid und Anzug #hochzeit

Elke R., die die Frage auf meiner Seite gestellt hatte, hat zuerst Kommunikationsdesign studiert. In dem Bereich darf man ja wirklich alles, je kreativer desto besser vermutlich. Nun blickt sie der Realität ins Auge: „Aber da es schwer ist in dem Beruf [Kommunikationsdesign] nen gutbezahlten Job zu finden habe ich auch Bürojobs (beim Staat) in Betracht gezogen. Da sieht das wieder anders aus…

Sie hat Recht. Oder?
In der Knigge, die meine frühere Mitbewohnerin zuhause herumfliegen hatte, stehen tatsächlich so Sachen wie „die einzigen erlaubten Businessfarben bei Männern sind braun, blau und grau“, „schwarz ist nur eine Farbe für feierliche Anlässe“ und variiert werden darf dann höchstens bei Hemd, Krawatte oder den Socken (…von Jungfeld lässt grüßen..). Schuhe sauber, Hände schüttelt geht so und so,… bla bla bla.
Ich selbst habe in diesem Bereich bisher wenig negative Erfahrung. Im Capitol, wo ich meinem Nebenjob nachgehe, gibt es zwar Vorschriften bezüglich Hose, Hemd und Schuhen – wenn es aber um Haare, Schmuck, Tattoos oder sonstiges geht, gab es noch nie Probleme und potentiell bekommt jeder bunte Vogel dort eine Chance, zu arbeiten. Ist letztlich eben doch ein kreatives Haus, auch wenn wir ordentlich auftreten müssen.
In meinem ersten Uni-Fach (Medienwissenschaft) waren fast alle so stinknormal, dass es wehgetan hatte, optisch gesehen 😀 Jetzt auf der Popakademie ist es schon etwas bunter, aber weniger extrem als man denken könnte. Meine Praktika habe ich bisher auch alle im kreativen bzw. Veranstaltungsbereich gemacht und daher gilt nach wie vor die Regel, dass ich dort noch nie solche Probleme hatte. Ich habe allerdings auch „nur“ rote Haare, ein harmloses Tattoo am Bein und ab und an mal Festivalbändchen oder Bandshirts an. Das ist kein ‚Verstellen‘, ich bin einfach so normal. Trage keinen Iro, keine Regenbogenfarbenhaare, keine Piercings im ganzen Gesicht oder sonstige Körpermodifikationen, wenig Zeug mit Totenköpfen oder gar umgedrehten Kreuzen und sonstigen satanistischen Sachen.

tattoo-jesus
Tattoos und Co. heißt nicht gleich „unchristlich“.

Die Frage finde ich interessant und aktuell relevant, da gerade auffällige Tattoos, Tunnel im Ohr und ähnliches immer angesagter und dadurch auch ein stückweit normaler wird. Sollte das etwa heißen, unsere Gesellschaft wird unseriöser oder bewegen wir uns stattdessen in Richtung einer Offenheit, nicht nur gegenüber Hautfarbe, sondern auch Haarfarbe?
Ich habe die Frage in Facebook Gruppen gestellt, in denen sie Relevanz hat und bekam so viele Antworten, dass ich sie gar nicht alle hier auflisten kann. Da ich aber auch nicht parteiisch sein will und das Ergebnis verfälschen, werde ich einfach die Meinungen und Erfahrungen aufzählen, die am frühsten kamen und bei denen die Schreiber auch am frühsten zugestimmt haben, dass ich ihre Worte verwenden darf.

So sieht also der Querschnitt durch die schwarz-bunte Szene aus (was sich mal wieder bestätigt, ist die Vielzahl der sozialen Berufe in dieser):

Tattoos: ‚Könnten sie sich vorstellen, ihre Tätowierungen entfernen zu lassen?‘
Wortlos bin ich aufgestanden, und gegangen.
(Tobias H.)

Ich bin Heilerziehungspflegerin da hatte ich noch nie Schwierigkeiten. Es geht eher um Sicherheit und Hygiene dass bestimmte Schmuckstücke abgenommen werden sollen, wenn nicht, ist es Selbstverschulden falls etwas sein sollte. (Melanie B.)

Ich hätte ein Interesse daran, dass sie das Behandlungs- und Vertrauensverhältnis zum Patienten nicht beeinträchtigt. Bunte Haare. Ok. Meinetwegen regenbogenfarben. Aber stellt man sich selbst und seine Selbstverwirklichung damit nicht ein bisschen zu weit über die Bedürfnisse des Patienten?“ (Vera K.)

[keine Probleme], und ich bin in der Arbeit kurzärmelig unterwegs – nur beim Blutabnehmen werde ich öfter gefragt, ob ‚das denn nicht wehtut :P‘ “ (Christian K., bezüglich Tattoos)

Praktikum im Kindergarten: ich hab gerade mein Piercing bekommen und die Haare rot-lila gefärbt. Die Eltern und Kinder fanden es cool. Eine kleine Maus hat sogar geglaubt ich sei eine Fee und hat sich nicht getraut zu fragen, ob sie richtig liegt, deshalb musste der Papa fragen.
Die Erzieherinnen fanden es auch ziemlich cool und haben gelacht, weil wir genau eine Woche vorher ein Märchen über Feen gelesen haben
🙂 “ (Nicole M., eindeutig mein Lieblingskommentar 😀 )

Vorstellungsgespräch… Erste Frage: ‚Würden sie sich die Haare abschneiden?‘
Antwort: ‚Nein.‘
Gespräch beendet.
(Chris K.C.)

Bei uns interessiert das niemanden 😀“ (Gabriele L.)

Also ich hatte keine Probleme auf dem Arbeitsplatz (Altenpflege) mit blauen Haaren.. Die alten Leute finden das sogar toll.. 🙂 allerdings mit meinen Piercings.. das hatte die Chefin gestört.. (Jane L.)

Mache eine Ausbildung zur Oberflächenbeschichterin und in dem Betrieb hier ist das kein Problem. Im Gegenteil, unser oberster Chef von unserem Standort findet Tattoos & co. sogar cool. 🙂“ (Lucy K.)

Ich arbeite im Büro da ist eigentlich alles kein Thema, als ich vor kurzem mit lila Haaren ankam, kam nur: WOW, das ist mal ne Veränderung, aber Ihnen steht das. (Saskia B.)

Bis jetzt hatte ich keine Probleme 🙂 Die Kunden gucken zwar teilweise etwas komisch aber in meiner Branche (Druck) ist es schon fast normal… Gerade viele Mediengestalter sind doch ziemlich bunt unterwegs :D Mein Ex Chef meinte zu meiner Blumenranke damals nur ‚Wächst die noch weiter?‘ xD (Romina H.)

Ist halt immer ganz davon abhängig was man arbeitet. Als Bankkaufmann mit Kundenkontakt hat man’s natürlich schwerer als ein Handwerker. Eine Friseuse kann ja auch nicht mit ungewaschenen und ungekämmten Haaren auf Arbeit kommen. Mal extrem ausgedrückt. 😉“ (Mandy H.)

Hängt von den Kunden ab…. Sagen wir´s mal so: wenn kein Kundenkontakt besteht und es sich um eine ausschließliche Sachbearbeitertätigkeit im Innendienst handelt sollte das kein Problem sein….. Oder wenn es von Seite des Vorgesetzten okay ist, natürlich auch nicht!…. Ich selber würde Gesichtspiercings in bestimmten Situationen nicht tragen. Ganz einfach aus Gründen von Minderung meiner Wettbewerbschancen auf dem Vergabemarkt. Das ist so schon schwer genug ….. Im Angestelltenverhältnis wäre das egal, da wäre ich nicht für die Aquise zuständig (!) […] Am Haarschnitt und Tshirts kann man meinen persönlichen `R´nR -Lifestyle` zwar erkennen (wenn man Insider ist), ansonsten aber auch nicht unbedingt. Ist für mich aber okay.
(Katja W., unter meinem Bild)

Ich arbeite im öffentlichen Dienst (Schul- und Sportamt) hatte noch keine Probleme mit meinen bunten Haaren und den Tattoos 🙂“ (Annika W.)

Also ich darf meine Tattoos nicht zeigen, d.h immer lange Ärmel – will der Konzern einfach so.
Im täglichen Kundenkontakt hat man da schon sehr gemischte Reaktionen…
(Lina S.)

Ich arbeite im Seniorenheim und habe elumen Haare und alle finden das super ….selbst die Bewohner gerade die Demenz haben schauen interessiert….die haben so ein rot noch nicht gesehen…. Für einige bin ich schon Pumukel lol… In der Pflegschaft sind viele mit Tattoo und Piercings…. Wichtig ist doch was sie leisten … 🙂“ (Conny K.)

Ich arbeite im Verkauf, da darf ich sogar an der Hand tätowiert sein :D Unser Chef hat sogar ein Gesichtstattoo 😀“ (Vanessa M.)

Habe keine Piercings aber mehrere Tattoos. Beschwert hat sich noch niemand 😀 -> Marktforschungsinstitut“ (Leon R.)

Meine Chefin meinte damals ein Piercing noch und sie kündigt mich. (Nadine H.)

Wegen Tattoos kam bis jetzt noch nix, sind bislang aber auch nur an Stellen, die nicht direkt sichtbar sind. Nur wegen meiner langen Haare gabs ein paar Stichelein von meinem vorherigen Vorarbeiter. Da ich aber auf Arbeit immer einen Zopf habe, und ansonsten meine Arbeit ordentlich, zügig und zuverlässig erledige, kam vom Meister wegen der Haare nix, was meinen vorherigen Vorarbeiter doch etwas ärgert 😈😈“ (Remco W.)

Bei mir is es Gott sei dank egal. Arbeite als Chemikantin und da stört es keinen ob ich gefärbte Haare oder Tattoos habe. Gab höchstens mal interessierte Blicke wegen der Haarfarbe, aber sonst nix. (Natascha H.)

Hehe, inner Käserei musste ich Piercing und Tunnel raus nehmen, kann gar nicht verstehen warum. (Timo M.)

Krankenschwester und bisher keine negativen Erfahrungen gemacht. Arbeite in der häuslichen Intensivpflege und hab da auch eher positive Reaktionen von den Angehörigen (z.b. Katharina, das passt einfach zu dir). Mein Vorgesetzter wollte mir allerdings mal einen über Tunnel erzählen O.o kann er gerne machen, ich weiß selbst, dass ich nie wieder normale Ohrlöcher haben werde, außer ich lasse es schneiden und nähen ^^‘“ (Katha T.)

Ich arbeite als Kellnerin. Meine Chefs haben weder mit meinen Haaren noch mit meinem Unterlippenpiercing ein Problem. Mit ‚lustigen‘ Sprüchen von Gästen muss man rechnen, aber hab damit überhaupt kein Problem und gab bisher auch nie Beschwerden, da die meisten meinen dass wir alle immer sehr nett und freundlich mit ihnen umgehen. (Anja S.)

Bin im Außendienst tätig (IT-Trainer) und da sind Tattoos abzudecken. Also selbst im Sommer lange Ärmel 😀“ (Domenic A.)

‚Mach mal deine Haare zum Zopf, sonst verfangen die sich in der Maschine‘ ‚Hab kein Zopfgummi mit‘ ‚Ok (Toni T.)

14964032_1221857931199786_1657644337_o
Why so seriös?! Machen Anzüge wirklich vertrauenswürdiger? (pic by Olli Herman)

 

Advertisements