Instagram ist wie eine High School in den USA…

peace
#prom #dress #exchangestudents #meandthegirls

Wenn ich eine Sache in den USA, wo ich das 11. Schuljahr als Gastschülerin verbracht habe, lernen konnte, dann, dass jedes Klischee, das man in den High School Filmen und Serien sieht, wahr ist. JEDES!
Ja, ich war eine von denen, die es in der Schulzeit in die Ferne gezogen hat und die schon immer sehr selbstständig waren. Ganz einfach war das High School Jahr letztlich nicht, aber heute soll es um eine fast schon soziologisch fundierte Beobachtung gehen, auf die ich sehr stolz und gleichzeitig etwas schockiert darüber bin.

tennis team
#sports #tennis #blueridgetigers #bbqfun #bestteamever

Alltag in einer High School.

Es gibt die Cheerleader und die Basketballer, die Pfadfinder und die Marching Band. Ständig geht es darum, dass irgendwo der eigene Name mit Sternchen an der Wand steht. Es kommt in der Mensa zu Prügeleien (meistens zwischen eifersüchtigen Mädchen), alle fahren mit gelben Bussen an und an der Innenseite der Spinte hängen Bilder von Freunden. Jeder ist in einer AG und definiert sich darüber. Mädels werden ungewollt schwanger, glauben aber immer noch, dass Maria ihren Jesus jungfräulich bekommen hat. Es gibt den großen Prom, Homecoming, Schönheits- und Talentwettbewerbe, eine Theatergruppe, für jedes Projekt Castings, die absurdesten Schulfächer, in jedem Raum hängt eine US-Flagge, die Tests sind Multiple Choice, Schüler treffen sich nach dem Unterricht im Fitnessraum und Freitags abends beim Football Spiel rennen die Maskottchen herum. Nenne mir irgendein Klischee – und ich sage dir, dass es stimmt!

baseball
#baseball #greenville #homerun

Eine super Gelegenheit, euch mal ein paar uralte Bilder aus South Carolina, Amerika zu zeigen.

Nur was hat das jetzt mit Instagram zu tun?

Mir ist aufgefallen, dass nirgendwo so schnell Followerzahlen steigen und sinken wie bei Instagram. Typischerweise läuft es so: Man postet einmal ein Bild, das man schön findet, vielleicht weil eine Katze mit drauf ist. Dann setzt man natürlich ein paar Hashtags, die mit Katzen zu tun haben. Nach wenigen Sekunden folgen einem unzählige Profile, die sich nur mit süßen flauschigen Tieren beschäftigen. Weil sie denken, man liebe Katzen (oder ist eine..) und würde ihnen sofort zurück folgen. Nach spätestens ein paar Tagen, wenn dein nächstes Foto kommt, merken sie: Du bist Gitarristin! Das passt doch nicht mehr so ganz zum ihrem Feed, ein Gegenfollow können sie kaum noch erwarten und schon bist du wieder weg aus ihrer Aboliste.
So in etwa läuft das eigentlich bei jedem Thema, das im eigenen Leben einmal vorkommt und dann nie wieder.

photography
#beauty #whitedress #model #senioryear

Ähnlich war es in den USA. Wenn du dort ankommst und sagst, du bist Austauschschülerin aus Deutschland, dann kommen hunderte Fragen. Jeder interessiert sich plötzlich für dein Heimatland und Europa, findet dich toll und super exotisch. Es kommen mehr und weniger informierte oder logische Fragen. Wie: „Warst du schon mal auf dem Okotoberfest?“ oder „in Amsterdam / auf dem Eifellturm?“ „Habt ihr da auch Autos aus anderen Ländern?“, „Lebt Hitler noch?“, „Bist du mit dem Schiff gekommen?“ oder, immer noch mein Favorit: „Ist Deutschland ein Staat von Kanada??“
Ja, die Amis sind, was Geographie und andere Länder angeht, nicht so bewandert… Jedenfalls haben viele ihr Heimatland noch nie verlassen. Den Vergleich zu den Followern bei Instagram ziehe ich, weil das Interesse der anderen Schüler genauso schnell wie es gekommen ist, auch wieder verschwindet. Sie wissen, dass du eh nur für kurze Zeit da bist. Wozu also eine Freundschaft aufbauen? Entweder du passt perfekt zu ihnen (dann bleiben sie deine ‚Follower‘) oder sie haben keine Fragen mehr über Deutschland, merken, dass du auch nicht mehr darüber zu erzählen hast und wenden sich wieder ab.

car ride
#joyride #summer #girls

#richbitch #funtimes #blessed

Wem die Schüler aber immer hinterher laufen, das sind die eh schon beliebten Leute. Oder denen, die makellos aussehen. Es ist wirklich so…. wie auf der Fotoplattform. Entweder du bist schon Wer, dann suchen alle gezielt nach deinem Namen und wollen jeden Mist aus deinem Leben wissen. Vielleicht wollen sie sogar das selbe Klopapier wie du kaufen.
Oder du schaffst es, dich und dein Leben so gekonnt zu inszenieren, so perfekt durchzustylen und auf ein Image zuzuschneiden, dass sie dir dadurch in Massen nachlaufen. Du hast alles, du kannst alles, du kennst jeden und du warst überall dabei. Wenn du den Gang entlang kommst, weichen dir die schüchternen Kids nach links und rechts aus und sie beneiden dich für deine Schuhe und deine Handtasche. Dann hast du Insta / High School Fame.

Dann gibt es noch die Kreativen, die wirklich etwas zu bieten haben, deren Output aber rein optisch ist. Friseure, Designer, Make Up-Artists, Konditoren. Alles, was schön aussieht. Dazu habe ich kein genaues Äquivalent aus der Blue Ridge High School, aber es ist einfach alles etwas oberflächlicher und gehaltloser. Tatsache ist, dass sich gleich und gleich gerne gesellt. Nirgendwo sitzen die Menschen so streng nach Hobby und Talent oder sozialem Ansehen getrennt wie in einer Amerikanischen Mensa. Das hält dann auch. Genau wie ‚echte‘ Follower auf Instagram, die wirklich deine Interessen teilen.

pink black dream car
#cadillac #cargoals #bling

Werde ich jetzt beleidigt meinen Account löschen? Niemals! 🙂 Viel zu gerne scrolle ich sinnlos durch meinen Feed, spioniere Freunde und kleine Sternchen und stelle Fotos online, die mir gefallen. Mein Feed bleibt auch so natürlich ungleichmäßig wie er ist. Ich kann euch aber sagen, dass es dadurch – gerade als Band – nicht leicht ist, durch diese Social Media Plattform neue Fans zu gewinnen. Bereits treue Fans zu halten funktioniert gut. Die wollen Fotos aus dem Backstage und von euch zuhause sehen, auch wenn jedes einen anderen Filter und andere Sonneneinstrahlung hat und es darf sogar mal eins verpixelt sein. Alleine dadurch berühmt zu werden, wird aber nicht ohne Weiteres funktionieren. Da sei euch eher YouTube ans Herz gelegt, oder je nach Genre Soundcloud.
Blogger wie ich können den Instalook theoretisch perfektionieren. Allerdings müssen sie dann eben ihr gesamtes Leben (oder zumindest den Schein davon) anpassen. Ist mir persönlich dann doch zu künstlich.
Was ich noch jedem empfehlen kann, der nicht genau so schnell Follower verlieren wie sammeln will, denn das ist wirklich frustrierend: Benutzt nur Hashtags, die wirklich mit eurem Thema oder eurem Unternehmen zu tun haben. Ihr habt Geburtstag und postet #cake? Dann habt ihr zehn Sekunden später lauter Bäcker und Kochbuchschreiber, die euch folgen. Dabei seid ihr tourender Roadie, der sich vom Catering ernährt….. Das bringt irgendwie keinem was.

april 008
#sister #home #dogs

In den United States of America macht man sich außerdem schon beim ersten Sehen tausend Komplimente, doch nicht alle davon sind ernst gemeint.
Kommt einem auch irgendwie bekannt vor, oder?
„Awesome!“, „Great“, „Good Job“, „Beautiful <3“, klatschende Hände und erhobene Daumen. Ich sage nur: God bless Instagram.

Cheers! Eure Foxxy
(die hier eine Katze ist, weil Halloween war)

PS: Kaufen bringt auch nichts, selber Effekt :-*

kitty cosplay

 

The Experiment:

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8 Kommentare zu „Instagram ist wie eine High School in den USA…

  1. Oh ja.. dieses Instagram „Gefollow“ und „Entfollow“ nervt. Oder dieses aus Höflichkeit zurück liken. Ich werde auch trotzdem weiterhin fleissig privat und für den Blog posten. Ich glaub, ich hab dich auch da gefunden 🙂

    Liebe Grüße von Michelle :3

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  2. Ich verstehe Instagram noch immer nicht und folge jetzt Tipps einer nicht näher genannten Person 🙂 Dein Artikel ist da aber auch sehr hilfreich und den Vergleich mit der High School finde ich toll/witzig.
    PS.: mir gefällt die Füchsin im Katzenpelz 🙂

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  3. Ich kenne das… haha xD… In der Mensa einen schlechten oder keinen Platz zu haben, bedeutet auch, dass man den Rest des Jahres alleine ist xD… das ist so bescheuert… hier in Deutschland haben wir immer mit der ganzen Klasse in der Mensa gesessen…

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