„Ich in Gelb“. Ein Buch, das Blogger (nicht) lesen sollten

Pressefoto Marilyn Manson (https://elclubdelrock.com/2015/01/05/efemerides-rock-un-dia-como-hoy-05-de-enero/)

marilyn-manson

Könntet ihr euch eine Freakshow ansehen?

Ich meine nicht die Freakshow, die jeden Tag bei euch vor der Tür stattfindet.

Oder. Vielleicht auch doch.

Ich habe ein Buch gefunden. Wollte, weil mich dieses ganze Universum so interessiert, vielleicht mal eine Studienarbeit über die Blogosphere schreiben. Und halt einfach Bescheid wissen, wie andere sie sehen.
Also habe ich mir ein Buch bestellt. Gebraucht, vom Preis kaum der Rede wert. Aber das Buch selbst schien vieler Reden wert zu sein. Es heißt „Ich in Gelb„, ist geschrieben von Olga Flor (von der ich zuvor nie ein Wort gehört hatte) und angeblich ist es die Geschichte der jüngsten Fashion Bloggerin der Szene.
Erste Alarmglocke: Da gibt’s doch schon das mit Anouk on the Brink… aber das ist ja autobiographisch. Das hier ist fiktiv.

Mein erster Eindruck: Du darfst dieses Buch nicht lesen, wenn du müde bist. Dann verstehst du gar nichts. Auch dann nicht, wenn du Axolotl Roadkill geliebt hast und Faust freiwillig gelesen und Shakespeare in die Haut geritzt hast. So wie bei mir.

ich in gelb lesen
Sehen Farben für uns alle gleich aus? Eine Frage aus dem Buch.

Für unsere Sonnenschein Coachella Mädchen: Lasst die Finger von.
Nicht nur scheint Alice, die Protagonistin, die sich das Alias nextGirl gibt, hin und wieder gegen genau dieses Milieu Stiche zu verteilen..
… das Buch hat auch nicht das Geringste mit dem zu tun, was in dieser Zeit ein Blog ist.

Vielleicht vor fast zehn Jahren noch, als das nichts weiter als Internettagebücher waren. Vielleicht wurden sie von wem gelesen, vielleicht aber auch nicht. Hat niemand gejuckt. Man war nur selbst stolz auf das, was man schrieb.

„Ich in Gelb“ ist eine Freakshow.

Eine, wie Marilyn und Nikki sie lieben würden. Habt ihr „The Long Hard Road Out Of Hell“ gelesen? Oder „This Is Gonna Hurt„?

Der einzige Grund, warum ich nach einem Abend, an dem ich eigentlich zu müde für diese Art von Sätzen war, weiter gelesen habe war der, dass man es bei Tageslicht und vollem Bewusstsein schon eher verstand. Mich interessierte auch brennend, wie dieser Wurm beschrieben wurde. Der ist fast die Hauptperson in diesem „Roman“, der kaum einer ist.

Japan.#Leica #noctilux #nikkisixxphotography #streetphotography

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Und ich habe noch nie eine so einfühlsame Passage über eine Darmspiegelung gelesen wie in diesem Buch. Eine Darmspiegelung bei einem Model, das selbst nicht weiß, ob sie nun magersüchtig ist oder sein will oder gar sein muss. Sie hat im Verlauf der rückwärts erzählten Story (wie Blogbeiträge, die nach unten rutschen) ohnehin die bizarrste Form angenommen, die ein Mensch annehmen kann. Sie nennen sie „das Menschtierhybrid“.

Bin ich irgendwie auch.

Weil ich behaupte, ein Fuchs zu sein.
Um Werwolfmenschen geht’s in „Ich in Gelb“ auch kurz. Menschen, die sehr selten sind und immer negativ auffallen werden. Wirklich arme Hunde, möchte man meinen.
Doch heute? Da will jeder Hundohren und Schnauzen haben und Fell überall, weil es cool ist. Nach kurzer Zeit verschwindet der Eindruck ja eh wieder.

ich in gelb freakshow
Sähe ich wirklich so aus, wäre ich sehr hässlich. Würde die Gesellschaft sagen.

Die Kritiker sagen, es geht um den Ausdruck der Wunderwelt, in der wir leben. Die fängt bei den einfachsten, primitivsten und für uns ekelhaftesten Tierformen an, wie Quallen, Würmer und Korallen; und enden tut die Wunderwelt gerade bei uns Menschen, die im Netz und auf Bildern sein können, wer oder was sie wollen. Photoshop kann das, was der Wurm mit dem Model macht in 1,8 Sekunden. Wette ich. Man muss halt nur wissen wie.

nextGirl heißt Alice. Wie Alice im Wunderland.
Mir fällt Alice Cooper ein. Der hätte das Buch, zumindest seinen Geist, auch gefeiert. Aber im Klappentext steht was von Modebloggerin.
Bilder gibt’s schon. Mit Treppen, Türen und Cafés haben die aber nichts zu tun. Ich glaube, man sieht nextGirl bis zum Ende nicht, das Model auch nicht und auch nicht ein einziges Outfit, das sie einem vorschlägt. Sie erwähnt Hüte und Bademoden und, dass wenn nichts mehr geht, man immer noch einkaufen und entspannen kann. Oder, dass man auf Partys am besten seine neusten Zusammenstellungen präsentieren kann. Doch mit keinem Wort wird erwähnt, wie diese aussehen.

Das Buch ist nichts für Lippglosslover. Ich kann aber auch nicht sagen, für wen es ist. Es ist eine einzige Abstraktion von… von was eigentlich? Kleine Seitenhiebe auf unsere Popkultur inklusive. Wenn man sie denn findet. Mich stört nur, dass alle Leser und die eigentlich zwei Schreiber des Blogs die gleiche Sprache sprechen. Alle sind sie gleich philosophisch und lassen das auch demonstrativ raushängen.

Message: Schönheit, aber auch Sinn und Zweck einer Sache liegen im Auge des Betrachters.

Fertig gelesen habe ich es noch nicht.
Gelb ist jedenfalls das neue Schwarz. Aber es ist bitter und schwierig.

We’re all mad here.

minion
Ich, einfach unverbesserlich? Oder bin das auch Ich in Gelb? Banana!

 

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