Vlog (für Bands) – So macht’s Sinn

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Kein langes um den heißen Brei Herumgerede.
Ihr wollt eure Fans „mit auf Tour“ nehmen, neue finden, alte binden? Ein Vlog (Videoblog) war da schon immer eine gute Idee. Allerdings solltet ihr dabei ein paar Dinge beachten und euch Fehler ersparen.

  • Stellt euch vorher die Frage: seid ihr selbstbewusst und interessant genug? So ein Vlog wird nur beliebt, wenn die Zuschauer was zu lachen und/oder zu staunen haben. Sex sells funktioniert natürlich auch.. aber dann seid ihr vielleicht auf der falschen Plattform :p Am besten lasst ihr euren Klassenclown der Band am meisten vor die Cam.
  • Nächste Frage: habt ihr professionelles Equipment und Skills?
    Klingt nervig und teuer, ist es auch. Ein klassischer Videoblog, gerade wenn er neue Fans begeistern soll, muss so professionell durchgestylet und gut geschnitten sein, wie die Werke anderer Youtuber, Künstler, Filmemacher. Alles andere werden sich nur eure engsten Freunde gerne ansehen, auch wenn es inhaltlich Bombe ist. Die Anforderungen sind hier übrigens mit den Jahren gestiegen. Schnittprogramme müssen aber nicht von Adobe sein, auf dem Markt gibt es viele günstigere Alternativen.
  • Regelmäßigkeit! Nicht 2-3 mal was machen und dann 2 Jahre lang gar nichts mehr. Dann guckt nämlich keiner mehr nach.
  • Die Mischung aus Planung und Spontanität macht es. Je sympathischer und natürlicher ihr als Küntler sein wollt, desto mehr ungeplante Backstage und Tourbus-Aufnahmen könnt ihr machen. Bei einem seriösen oder geheimnisvollen Image ist Planung das A und O. Hier würde ich auch kein Snapchat oder ähnliches empfehlen.
  • Wenn ihr Reichweite in Facebook wollt: ladet eure Videos dort nochmal extra hoch und postet sie so, nicht als YouTube-Link. Dadurch sieht es zwar auf den ersten Blick aus als hättet ihr weniger Klickzahlen – insgesamt erreicht ihr aber mehr Leute. Und es ist leichter und cooler teilbar!! snapchat
  • Eine Mischung aus Bewegung und Ruhe, Nähe und Ferne ist ebenfalls zu empfehlen. Klar könnt ihr während der Show eine Kamera positionieren und dann Ausschnitte vom Gig hochladen. Dann müsst ihr euch aber mindestens noch einmal ruhig vor die Linse setzen und euren Fans etwas erzählen. Nur Liveaufnahmen lassen nicht tief genug blicken.
  • Backstage! Tourbus! Hotel! Soundcheck! Meet & Greet! Öffnet Türen, die sonst verschlossen bleiben. Aber nur ausschnittweise, sonst wird’s öde und für euch ziemlich anstrengend.
  • Daher: bitte nicht jeden Tag auf Tour alle paar Minuten mit Snapchat oder Instagram-Storys dieselben Selfies, Straßen-entlang-filmen und sag-mal-hallo-Aufnahmen machen. Irgendwann schaut es sich keiner mehr an.
  • Gerade hier eignet sich am besten exklusives Material. Zeigt den Fans doch mal euer Zimmer, in dem ihr schlafen werdet. Oder, wie ihr euch für die Bühne schminkt und stylet. Essen und Bier geht auch immer, dann aber bitte nur wirklich schöne Bilder. Ein bisschen neidisch machen ist erlaubt, aber nicht protzen oder sich für zu wichtig nehmen.
  • Der letzte Punkt ist besonders wichtig. Wenn ihr nicht Beyonce und Jay-Z seid, dann tut auch nicht so! Tut auch nicht so, wenn ihr wirklich die beiden seid. Fühlt euch nicht wie die größten Stars nur weil ihr eure erste Clubtour gebucht habt. Ihr dürft euch freuen, aber bitte bleibt nahbar und selbstironisch. Dann wollen die Leute auch mit euch wirklich chatten und euch sehen, und kommentieren nicht nur mit „Nice!“, „Amazing“, „awww… <3“ und „will auch!“.
  • Ähnliches Thema: erzählt auch von Hürden und Problemen. Nichts feiern eure Fans mehr ab als eine (glimpflich verlaufene!) Autopanne, wenn ihr euch verfahren habt oder ein ekelhaftes Hotelzimmer. Sie leiden mit euch, helfen vielleicht aus, erzählen es als Anekdote weiter.
  • Werbung: wenn ihr ein Endorsement oder sonstigen Deal habt: ideal! Ihr könnt eure Instrumente vorstellen oder unauffällig die Kleidermarke tragen, für die ihr Testimonial seid. Rechtliche Grauzone, aber nirgendwo ist Schleichwerbung unauffälliger als auf Handyvideos xD insta story
  • Wie oben kurz angedeutet machen Snapchat, Instagram Storys und im Zweifelsfalle die Messenger Systeme von WhatsApp und Facebook nur Sinn, wenn ihr eine Band seid, die sich mit den Fans auf Augenhöhe sieht. Allein schon, weil sonst vielleicht ungewollte Dinge zutage kommen. Beispiel: Ihr tragt Warpaint und macht voll einen auf gefährlich… und dann ist im Hintergrund eurer kleinen Story ein Bandmitglied zu sehen, ungeschminkt und am Joghurt essen. Imageverlust vorprogrammiert.
  • Nicht auf jeder Aufnahme Masken und Filter verwenden! Lustig aber auf Dauer zu kindisch und meist auch inhaltslos. Es geht ja darum, eure Welt zu zeigen, nicht eure verzerrten Nasen.
  • Zurück zu YouTube: auch wenn es stressig ist, lasst euch mit dem Bearbeiten und Hochladen nicht zu viel Zeit! Je aktueller eure Aufnahmen, mit desto mehr Begeisterung klicken die Fans darauf. Dienstag nach einem Festivalwochenende zum Beispiel dürfte die Freude am größten sein.
  • Gerade wenn ihr ein aufwendigeres Video gemacht habt, auf das ihr selbst ein bisschen stolz seid, dann kündigt es überall an. Schickt es euren besten Freunden und größten Fans auch privat per WhatsApp oder über Messenger. Von so was sind die Leute weniger schnell genervt als von Werbung für Tourneen, Merch und Releases.
  • Insta oder Snapchat? Ich kenne viele Leute, gerade im Influencer Bereich, die bei beiden 30x täglich was posten und auf beiden Kanälen zum verwechseln ähnlichen Content nutzen. Finde ich Schwachsinn, weil dann kommt schnell der Gedanke „Hab ich schon alles gesehen“ auf. Entscheidet euch für einen der Kanäle und nutzt den anderen nur für besonders wichtiges oder ganz privates Zeug, nicht als tägliche Begleitung.
  • Seid leicht auffindbar! Habt auf allen Kanälen ein Profil mit eurem Bandnamen und Logo. Nur so findet euch jeder ohne Mühe und Zweifel.
  • Neues Album etc. anteasern erlaubt. Aber bitte nur manchmal oder dezent. KEINE Dauerwerbesendung!
  • Noch ein paar witzige Ideen für den Content:
    • Spielt Spielchen. Der Klassiker ist „Wenn ich du wäre…“. Quizduell, Schere-Stein-Papier? Wahrheit oder Pflicht? Kann zwischendurch sehr lustig sein.
    • Stellt eure Crew vor, gebt auch ihnen Raum, sich und euch zu promoten.
    • Dreht den Spieß um und interviewt eure Fans. Zeigt sie auch in Clips, indem ihr zum Beispiel die ersten Reihen in den Shows abfilmt. Der „Da bin ja ich!“-Effekt ist unbezahlbar.
    • Erzählt euren Fans ein paar Geheimnisse. Je absurder desto besser.
    • Kündigt ganz wage ein paar Bandpläne für die Zukunft an.
    • Wenn ihr Off-Days oder Wartezeit habt, warum nicht mal alle mit in die Stadt nehmen, in der ihr gerade seid? Oder die wunderschöne Natur des Open Airs zeigen?
    • Tiere! Niedliche kleine Tiere! Wenn ihr welche findet, ergreift die verdammte Chance 😉 Zur Not tut’s auch ne Kuh auf ner Wiese.
    • Trauen sich Mami oder Omi vor die Cam? Familienmitglieder, die sich über ihre erfolgreichen Sprösslinge freuen sind immer zuckersüß.
    • Was tut ihr so im Tourbus? Der eine liest, der andere lernt für die Prüfung, der nächste nervt den Fahrer? Ist allein schon eine gute Idee, weil man auf den langen Fahrten sonst nicht viel zu tun hat.
    • Gebt selbst Tipps für andere Bands, wie sie das erreichen, was ihre gerade tut.
    • Gebt generell die Möglichkeit, euch Fragen zu stellen und beantwortet am besten jede einzelne davon.
    • Gehört ihr tatsächlich schon der sehr erfolgreichen und berühmten Fraktion an, dürft ihr natürlich ein bisschen mehr prahlen und eher mal den Cocktail und die Limousine filmen als das Katerfrühstück am nächsten Morgen. In dem Falle werdet ihr aber diesen Blog vermutlich nicht lesen :p
  • Noch eine grundsätzliche Regel: Bei YouTube gute Keywords oder Überschriften und Thumbnails verwenden. Diese Plattform ist die beste, um neue Fans zu finden. Die 24h Apps sind eher geeignet, um bereits treue Seelen wirklich fest zu binden. Weil man euch dort seltener per Zufall findet.

Wer richtig gute Beispiele für Vlogs von Bands kennt, ist herzlich eingeladen, sie mit uns allen zu teilen.

Viel Spaß, ich freu mich auf eure Clips ❤

sister

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8 Kommentare zu „Vlog (für Bands) – So macht’s Sinn

  1. Hast du Snapchat oder durch Instastories geklickt? Ich glaub, da wird viel gezeigt, vor allem von so genannten Influencern, wofür sie Geld bekommen, was in dem Moment aber nicht auf dem Bildschirm zu sehen ist. Vielleich erwähnen sie es dann wo anders, um sich abzusichern.
    Ich meine hier aber vor allem Endorsement Sachen. Viele Gitarristen zum Beispiel bekommen ihre Modelle gestellt. Wenn sie damit vor einer Cam sitzen, ist das automatisch Schleichwerbung? Fußballer bekommen ihre Autos von ihrem Verein oder Sponsor. Müssen sie ein „achtung Werbung“-Schild an ihre Scheibe kleben, wenn sie in der Stadt parken? Nein.
    Vielleicht muss ich ja auch unter meine Blogposts schreiben „bitte nicht alles so bierernst und mit Absicht auf illegale Machenschaften verstehen.“

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    1. Ich bin in gefühlt 97 Bloggergruppen und kenne das Thema zur Genüge. Ich studiere Marketing, vorher Medienwissenschaften und schreibe meine aktuelle Studienarbeit über Instagram. Ich weiß exakt, dass Schleichwerbung per se verboten ist, habe es selbst noch nie gemacht und würde auch nie. Ich schreibe hier aber genau so, wie ich privat nach 5 Bier auf einer Party reden würde und da benutzt man dieses Wort halt so, auch wenn das Produkt nicht explizit beworben sondern z.B. einfach nur benutzt wird.
      Dann habe ich das vielleicht doof formuliert. Deswegen ja das „unauffällig“. Die Sachen einfach im Bild haben… ohne sich jetzt direkt hinzstellen und die Leute anzuschreien „Kauft es! Kauft es!“ Aber es ist doch einfach so, dass wenn ein Rapper zum Beispiel einen Deal mit Nike hat, dann trägt er auf seinen Bildern Nike Schuhe, erwähnt sie nicht direkt und dann ist es auch keine Werbung. Wenn er sie anpreist, ist es wieder was anderes, aber welcher Musiker auf dieser Welt macht das schon? Same thing mit den Instrumenten. Die sind doch selbst stolz, wenn sie so einen Deal haben und werden ihn selbst tausendfach explizit erwähnen. Aber wenn man damit einfach eine Jamsession abfilmt und sich drüber freut, ist das widerum keine Werbung.
      Ich werde das jetzt trotzdem nicht umformulieren, sondern so stehen lassen, wie es ist. Was die Musiker draus machen, ist ihre Sache. Wenn jemand wirklich 1 Mio. Euro von Apple bekommt, das IPhone in Worten bewirbt und das filmt und nicht drauf hinweist, dass er das Telefon von der Firma gestellt bekommen hat plus Werbedeal…. das macht doch eh keiner. Da wäre doch jeder stolz wie Oskar 🙂

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      1. Ich könnte ja alle Kommentare verbergen und die Passage ändern. Aber ich lasse es jetzt hier stehen. Hoffe, dass die Musiker und sonstige Leute selbst intelligent genug sind, den Smiley zu erkennen und sich genau darüber zu informieren, wo Werbung anfängt und wo man etwas einfach nur benutzt weil man es nun mal hat.

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  2. Sehr geehrter Herr Dobschat, ich weiß nicht genau, ob Sie das hier nochmal angezeigt bekommen oder suchen. Aber offensichtlich habe ich es mir anders überlegt und die Kommentare gelöscht. Zuerst wollte ich nur meine löschen, weil ich gar keine Lust habe, mich so vehement irgendwo zu verteidigen, doch dann hätte der Rest sinnlos ausgesehen ^^
    Solche Diskussionen machen die Stimmung im Netz kaputt und ich will so was bloß nicht auf meinem Blog.
    Wenn du mich und andere warnen und schützen willst, hätte ich mich über eine nette private Nachricht gefreut nach dem Motto „sei da lieber vorsichtig“ und ich hätte gesagt „ok, ich überarbeite die Passage“. Aber wenn man erst eine klugscheißerische Grammatikkorrektur erhält und dann eine Formulierung als wäre man böse und doof… Da geht doch jeder in die Defensive.

    Jetzt nochmal Klartext: liebe Bands, seid nicht dumm. Lasst euch nicht von Firmen dafür bezahlen, dass ihr ihre Produkte anpreist aber ohne zu sagen, dass es Werbung ist.
    Wenn ihr aber auf eurer Homepage eh stehen habt „gesponsert von Ibanez“ oder so, dann spielt mit eurer Gitarre vor der Handycam und freut euch drüber. Schlagt und piekst euch backstage mit den Drumsticks ubd haltet diesen Spaß für eure Fans fest. Das ist keine Werbung. und wenn ihr ein Shirt von Ed Hardy  (absichtlich beklopptes Beispiel ^^) geschenkt bekommt, tragt es auf dem Gig ohne euch „Dauerwerbesendung“ auf die Stirn zu schreiben 😉

    Für mehr Spontanität, Echtheit, Mehrwert und Spaß im Online Marketing. Danke

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  3. Natürlich kann man Kommentare löschen und dann eine eigene Zusammenfassung bringen, die sinnentstellend ist. Kann man machen, ist halt kacke. Wenn man sich dann noch beschwert, so was würde „die Stimmung im Netz kaputt machen“, dann wird es aber wirklich lächerlich.

    Tatsache ist nun mal: Du verwendest den Begriff Schleichwerbung und beschreibst ein konkretes Beispiel von verbotener Schleichwerbung in deinem Beitrag als Empfehlung. Du hättest den sachlichen Hinweis darauf nehmen und es korrigieren können oder aber du stellst dich hin, löscht die Kommentare und versucht mir hier ans Bein zu pinkeln, auch indem du einen Witz bzgl. des im Deutschen nun einfach mal falschen „Sinn machen“ als „klugscheißerische Grammatikkorrektur“ bezeichnest und behauptest, ich hätte dich als böse und doof hingestellt.

    Wie gesagt, das kannst du alles machen, ist ja dein Weblog, aber ob es unbedingt die richtige Art und Weise ist, sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren, wenn du gleichzeitig anderen Menschen erklären möchtest, wie diese sich in der Öffentlichkeit präsentieren sollten? Denke ich eher nicht, aber hey, musst du wissen.

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    1. Tut mir leid und Inhaltlich hast du auch Recht. Ich fand nur echt die Formulierung und das mit der Korrektur kam ziemlich kaltschnäuzig und besserwisserisch rüber.
      Ich glaube ich schreibe mal einen Beitrag, in dem ich meine komplette Meinung zum Thema schreibe. Ich finde man sollte sich nämlich nicht jeden Spaß und normale Dinge vom Gesetz nehmen lassen. Dann darf auch kein Minderjähriger mehr Alk trinken und keiner mehr Graffiti sprayen (nur als doofe Beispiele)
      Ich erklär bei Gelegenheit mal wie ich das meine und wenn ich jetzt irgendwann rechtliche Probleme bekomme, ist das mein Bier ^^
      Grammatik kann ich zwar auch, aber wie gesagt, ich schreibe hier, wie ich rede. Ich nehm mich nicht so ernst.

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