3 Bands, 1 Alltag. Ein Gruppeninterview.

hairdryer 2015 karlathefox

Nachdem ich die Welt ein bisschen mit meinen „Rockstar Regeln“ schockiert, verwirrt und amüsiert habe (viele dachten wirklich, das sei ernst gemeint…), wollen wir euch heute einen Einblick in den Alltag echter Bands geben.
Vor einigen Wochen habe ich euch dazu aufgerufen, Bands vorzuschlagen, die noch nicht so mega bekannt sind, die ihr aber trotzdem gut findet und gerne unterstützen würdet. Ich wurde fast erschlagen mit Vorschlägen 😀 Was ich in dem Moment aber gut fand, denn so konnte ich mir drei ganz unterschiedliche Gruppen auswählen, die alle auf ihre Art interessant sind.

Zu Gast sind heute die Alternative / Hard Rock Band Me+My.System (oder Me And My System, Schreibweise variiert), die Female Fronted Power-Attacke Mother Black Cat und der Schweizer Glam-Nachwuchs Haïrdrÿer. Sie erzählen ganz offen aus ihrem Musiker-Alltag und wie sie sich so ihren Weg nach oben kämpfen, es geht um Connections, Gagen und natürlich den Spaß auf der Bühne oder den, wenn man seine eigenen Aufnahmen probehört.

mother black cat karlathefox

me+mysystem karlathefox

Das Gruppengespräch lief über WhatsApp. Es dauerte somit ein paar Tage, bis alle auf alle Fragen geantwortet hatten, doch allgemein kann ich euch diese neue Interviewform sehr empfehlen. Macht auf alle Fälle Spaß, ist angenehm informell, man muss sich nicht um Logistik und Akkreditierungen kümmern, ziemlich witziger Verlauf. Doch für euch habe ich mal nur die „echten“ Antworten aufgeschrieben, nicht die ganzen Orga-Nachrichten dazwischen 😉



Bla bla bla, große Begrüßung und Erklärung der Spielregeln…

Erste Frage: Auf was für Veranstaltungen spielen eure jeweilige Bands meistens?

Jörn (MBC): Mit Mother Black Cat sind wir auf den unterschiedlichsten Veranstaltungen unterwegs. In diesem April folgte beispielsweise auf einen recht intimen Clubgig ein Auftritt bei „Pop meets Classic“ auf einer gewaltigen Bühne vor 8.000 Leuten. Aber ob jetzt der Saal voll ist oder ob wir ein eher überschaubares Publikum haben, jeder Gig macht tierisch Spaß.

Anika (MBC): Außerdem lieben wir natürlich Gigs auf Festivals, weil das Publikum da besonders ausgelassen und die Atmo so außergewöhnlich ist! Da springt der Funke sofort über! 😉

Ferenc (M+M.S): Wir spielen überall wo mindestens eine Person steht und nach einer Zugabe schreit 😀 Zur Not spielen wir auch nur für uns, aber das wird auf Dauer langweilig. x’D Meistens sind es dann tatsächlich Clubgigs oder Festivals. Wir sehen das wie Jörn: Egal ob 1 Person oder 100… Hauptsache der Funke zündet.

Dave (Haïrdrÿer): Wir spielen dieses Jahr ca. 40 Shows in CH und Deutschland. Von kleinen Clubshows bis Open Airs ist alles dabei. Hauptsache spielen, Spaß haben und die Leute entertainen. 😀
Ah ja genau, Nutten und Koks hab ich vergessen (Schaf-Emoticon. Warum auch immer)

hairdryer 2016 karlathefox

Werdet ihr für die Shows, die ihr spielt bezahlt oder macht ihr auch viel umsonst?

Dave: Wir werden bezahlt, mal mehr, mal weniger.
Aber Showplanung, Feuerwerk usw. umsonst.

Jörn: Das verhält sich bei uns ähnlich wie bei Hairdryer. Wir gucken uns immer an, wie groß unser Aufwand ist – also Anreise, Stellung von Equipment etc. – und machen ein entsprechendes Angebot. Es gibt hier und da natürlich auch Events, die knapp bei Kasse aber ungemein sympathisch sind. Da gibt es dann schonmal ein Entgegenkommen. Wichtig ist für uns, dass wir nicht draufzahlen und ein bisschen was für das nächste Album zurücklegen können. Sowas ist nämlich richtig teuer.

Ferenc: Äh… was? Man kann mit Musik Geld verdienen? Man bekommt Geld für Shows??? Echt jetzt? Irgendetwas machen wir dann wohl falsch. x’D
Unserer Gagen halten sich in Grenzen. Wir gucken, dass wir mindestens +/-Null rauskommen. Wenn was übrig bleibt, wird es direkt versoffen… ich meinte, ins nächste Album gesteckt 😉

Jarek (MBC): *zuckt mit den Schultern*

Dave: Also mindestens 300,- müssen wir vorwärts machen. Außer Support Act für größere Bands, da machen wir eine Nullerrechnung oder im Notfall rückwärts.

Anika: Die Diskussion, was Musik kosten „darf“ und was Musiker im Vorfeld alles investieren müssen, gibt es ja wirklich täglich in sämtlichen Muckerforen. Aber wir haben tatsächlich sehr gute Erfahrungen mit fairen Veranstaltern gemacht.

Dave: Ich finde einfach, wenn man keinen Support Gig für einen großen Act macht, ist Drauflegen irgendwie daneben…

mbc backstage

Klar, danke für diese Aussagen, denn ich würde mich gerne ein bisschen dafür einsetzen können, dass auch kleinere Acts angemessen bezahlt werden 🙂
Wie oft probt ihr denn zusammen? Verbringt ihr viel gemeinsame Zeit?

Dave: In der Regel 2x wöchentliche Probe zwischen 3-5 Stunden. Dazu Gigs am Wochenende, also ja, wir verbringen viel Zeit zusammen.

Ferenc: Wir proben 2x die Woche und verbringen auch außerhalb der Proben Zeit zusammen. Viel Zeit muss auch für den Orga-Kram eingeplant werden: Social-Media, Interviews, Bemusterungen von Radiostationen, Aufnahmen, Videos etc. Da kommt schon einiges an gemeinsamer Zeit zusammen. Um so wichtiger, dass man sich versteht und eine funktionierende Band hat ohne Ego-Prinzen. Bei uns im Proberaum gilt: „Lass dein Ego draußen.“ Wir arbeiten gemeinsam an einer coolen Sache und sehen das Kollektiv. Und wenn es mal schwer wird und man nicht immer einer Meinung ist, gibt es immer noch Alkohol als Frustbewältigung xD

Anika: Für gewöhnlich proben wir einmal die Woche zu dritt, da wir ja 200km von unserem Drummer entfernt wohnen. ^^ Wir probieren dann neue Songideen aus, die wir im Anschluss für Jarek aufnehmen, damit er sich schon überlegen kann, wie er an den jeweiligen Song rangehen will. Ca. einmal im Monat treffen wir uns dann alle im Hamburger Proberaum und machen alles rund. Wenn ein Auftritt vor der Tür steht, wird natürlich auch das jeweilige Set gezockt.
Außerdem treffen wir uns gern zum Grillen, zur Cocktail-Happy-Hour, zum Achterbahnfahren und was uns sonst so einfällt. 😀
Für die weiteren Aufgaben sind die Verantwortlichkeiten in der Band verteilt, sodass diese Dinge „nebenbei“ laufen. (muskulöser Bizeps-Emoticon)

Jörn: Eine Konstellation wie unsere, bei der man so weit voneinander entfernt wohnt, geht natürlich nur, wenn man sowohl musikalisch als auch vom Sympathiefaktor her gut zueinander passt. Es ist aber auch cool, dass die gemeinsame Zeit dadurch sehr actionreich wird. Allerdings verbringen wir zusätzlich auf viel Zeit im bandeigenen WhatsApp-Chat.

Ferenc: Find ich cool, dass die Band funktioniert trotz der Entfernung… Ich kenne Bands, die funktionieren nicht richtig obwohl die (mehr oder weniger) nebeneinander wohnen \m/

Jörn: Ja, kenne ich leider auch aus eigener Erfahrung. Das kann sehr anstrengend werden, wenn in unterschiedliche Richtungen gearbeitet wird. Oder wenn im schlimmsten Fall einer das nur als Hobby sieht, ein anderer aber Größeres im Sinn hat. Die Chemie muss auf jeden Fall stimmen, sonst ist man zum Scheitern verurteilt.

Anika: xD „Die Chemie stimmt. Drei-Wetter-Band“

me+mysystem chandelier

Hat denn irgendwer von euch schon einen Manager / Booker / Label / …?

Dave: Seit neustem Management und Booking, jap. Vor allem für’s kommende Album für richtiges Promoting und Tour Planung.

Anika: Wir haben einen Promoter, einen Livetechniker und verhandeln gerade mit einer Bookingagentur. Das diesjährige Erscheinen unseres Debutalbums und die Konzerte, die wir spielen, bringen uns mehr und mehr wiederkehrende Kontakte ein. Jetzt suchen wir gerade ein passendes Management und das nächste Ziel wäre ein Labelvertrag. Das sind natürlich ziemlich enthusiastische Ziele, aber wer keine Ziele hat, kann sie auch nicht erreichen, oder? 😉 Ist jedenfalls alles gerade sehr aufregend.

Ferenc: Wir recorden und produzieren alles selbst. Auch die Videos sind alles Eigenproduktionen. Booking machen wir noch selber, wird sich aber demnächst ändern. Wir streben keinen Labelvertrag an, sondern bringen alles selber über einen Digitalvertrieb raus. Ich bin mir gar nicht so sicher, ob man ein Label unbedingt benötigt. Ein funktionierendes Booking ist natürlich Bombe! Kann hier einer meiner Kollegen etwas empfehlen?
[An dieser Stelle dürfen sich gerne Bookingagenturen melden 😉 ]

Und wie kamen diese Verbindungen jeweils zustande? Einfach ’ne Mail an eine Agentur geschrieben?

Dave: Eine Agentur hat sich vor kurzem bei uns gemeldet, seit Juli besteht nun die Zusammenarbeit. Das Booking macht für 10% Anteil an der Gage ein Bekannter von uns.

Jörn: Kontakte kommen ganz unterschiedlich zusammen, meist aber in Verbindung mit Gigs oder Radio-Airplay. Wenn man auf Tour ist, gibt es neben dem eigentlichen Auftritt ja meist viel Zeit, in der man sich mit den Veranstaltern, anderen Bands, Technikern oder mit dem Publikum unterhält. Manchmal kommt auf diesem Wege eine neue Zusammenarbeit zustande. Andererseits erhalten wir dann und wann auch Angebote per Mail von Musikverlägen oder ähnlichen. Da sind wir dann meist etwas skeptischer, aber wir setzen uns schon damit auseinander.

Ferenc: Kontakte entstehen meist durch Vitamin B. Irgendjemand kennt irgendwen, der „unsere Musik voll gut findent“. Schon kommt man ins Gespräch. Das harte Klinkenputzgeschäft bleibt aber auch nicht aus. Das ist letztendlich fast schon wichtiger als eine Probe: Leute anschreiben, Marketing und die Musik verbreiten, um eine große Zielgruppe zu erreichen und auch „die Richtigen“ zu treffen.

Warum sind Musiker regelmäßig bis um halb vier noch wach? [Die Frage kam eigentlich von Jörn als Vorschlag nachdem wir um diese Uhrzeit schrieben, aber ich fand sie gut und habe sie übernommen.]

Jörn: Im Moment weil ich mich über Facebook aufrege. Da gibt’s aber auch produktivere Gründe 😉 Der Beste ist, weil man nicht aufhören kann, die neusten Aufnahmen rauf und runter zu hören. Wenn man schon zwanzig Mal gesagt hat „Nur noch einmal, dann wir gepennt!“, aber dann stellt man sich vor, wie der Song wohl live wird. 😀

Dave: Weil wir Konzert haben, dann aufräumen, Party, nach Hause fahren, einräumen und dann jeder zu seiner Wohnung geht. Wenn’s dann erst halb vier ist, sind wir schnell gewesen. Kann auch mal fünf oder sechs sein ^^‘

Ihr Armen. Well then, here we go. Last one: Nenne einen Satz, den ein Musiker niemals sagen würde!

Dave: Ich stell mir den Wecker mal auf 06:30 Uhr. \m/

Anika: Nein danke, wir haben keinen Durst.

Jörn: Ich brauch keine Roadies, ich baue lieber selbst ab.

Ferenc: Okay…hmmm…wie wäre es mit: Ich denke, ich bin laut genug, kannst mich auch was leiser machen. Wichtig ist, dass der Bass gut zu hören ist. So…und jetzt gib mir noch ein Wasser, bevor wir schon wieder live spielen müssen.

xD \m/ Thank you. It’s a wrap.

Ferenc: Muchas Gracias!! Adios.


Macht euch einen Eindruck von den Bands in Action:

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