13 Rockstar Regeln! (diesmal ernst gemeint)

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich einen Beitrag mit „9 Rockstar Regeln“ geschrieben. Er war von vorne bis hinten ironisch bis gar sarkastisch gemeint, wirbelte jedoch eine Menge Staub auf, da sehr viele Menschen glaubten, ich hätte ihn ernst gemeint.

Um diesen Ärger wieder gut zu machen, habe ich mir überlegt, was ich wirklich an Tipps im Hinterkopf habe, die jungen Bands helfen könnten, weiter zu kommen. Wichtig zu wissen ist, dass das natürlich keine Wunder- und Allheilmittel sind. Ich bin ja selbst erst auf dem Level Anfänger-Fortgeschritten, da gibt es Leute, die auf weitaus mehr Erfahrung zurück greifen können. Aber meine Gedanken können euch vielleicht auf die richtige Fährte führen. Versuchen wir es mal 🙂

dokken-byh17

1. Investiert am Anfang in gutes Material
Auch wenn es schwer fällt, weil ihr nicht wisst, wann und ob das Geld je wieder in die Bandkasse zurück gespült wird – ihr solltet das aber wirklich ernst nehmen. Legt zusammen und investiert nicht nur in Instrumente, sondern vor allem auch in gute Fotos, mindestens ein anständiges Video und eine handvoll hochwertig aufgenommener Songs von euch. Das Material lässt euch von Anfang an professionell wirken und öffnet mehr Türen als zu sagen „der Ton kratzt, aber live sind wir total gut…“ Veranstalter und Co. haben genug Bands, die hohe Qualität abliefern und ihr fallt dann unter den Tisch.

2. „Investiert“ ebenso in ein Team
Hier steht das Investieren in Anführungszeichen, da man für gute Bandmitglieder und treue Freunde kein Geld ausgeben sollte. Gerade wenn ihr nicht so viele Scheine in der Tasche habt, ist es wichtig, in eurem Umfeld nach guten Technikern, Fotografen, Designern und so weiter zu suchen. Zu einem etwas späteren Zeitpunkt könnt und solltet ihr wirklich Geld ausgeben (oder besser Teile eurer Einnahmen abgeben) für einen geeigneten Manager, einen Promoter und so weiter. Keine. Mit Paint und WordArt. Gestalteten. Flyer!! Oder schlechte Logos. Just No.

hairdryer 2015 karlathefox
Beispiel für ein Bandfoto mit Haïrdrÿer.

3. Scheut euch nicht vorm Klinkenputzen
Wie bekommt man so ein Team, wenn man sie nicht alle in seiner Schulklasse hat? Klinkenputzen! Bedeutet: Anfrage stellen, anderen helfen und sie später um eine Gegenleistung bitten. Lebt nach dem Motto „tu Gutes und erzähle davon“ und immer höflich und respektvoll bleiben. Kennt eure Talente, benennt sie, aber seid euch immer bewusst, dass ihr was vom anderen wollt. Also nicht frech werden. Und versucht es wieder und wieder. Von vielen Firmen und „wichtigen Menschen“ bekommt man per Mail oft gar keine Antwort. Nicht entmutigen lassen, beim zehnten Versuch klappt es bestimmt und dann kommt was richtig Geiles bei raus.

4. Seid bahnbrechend
Also das soll nicht heißen, dass ihr euch betrinken und dann in den Zug kotzen sollt. Es heißt, dass immer die Künstler am erfolgreichsten waren, die etwas absolut Neues erschaffen haben. Die Musik und den Stil anderer nachzumachen kann am Anfang hilfreich sein (denn man kann euch einordnen und mit anderen kombinieren), aber über einen bestimmten Punkt kommt ihr damit nicht heraus. Von den Anfängen mit Robert Johnson und Frank Sinatra über Elvis, die Beatles, Dylan und die Stones, zu Abba, David Bowie, Black Sabbath, ja auch Nirvana oder Nena. Sie sind jedem Kind ein Begriff weil sie immer etwas gemacht haben, was es vorher nicht gab.

rip-ozzy
Mach etwas Verrücktes. Iss eine Fledermaus! 😛

5. Denkt euch eine Guerilla Strategie aus
Was’n dat?! Guerilla ist ein kleiner Aufstand mit wenigen Mitteln, der aber viel bewirkt. Aus dem Begriff leitet sich die Disziplin des Guerilla-Marketing ab. Ich will gar nicht zu viel erklären, sondern euch lieber ein paar Beispiele in Bildern zeigen. Die Klassiker bei Bands sind Sticker, gesprayte Tags und Straßenkonzerte. Nicht schlecht, aber bestimmt noch erweiterbar.

6. Setzt heutzutage ruhig auf Social Media
Ein weiterer Tipp in Sachen Marketing. Ja, wir sind alle Hippies und in der falschen Zeit geboren, Alternativ und können auch ohne Smartphone Spaß haben. Ist voll okay. Wenn ihr aber im Jahr 2017 (kommerziellen) Erfolg haben wollt, kommt ihr leider nicht drum herum. Kümmert euch darum, eine ideale Strategie für euch zu finden, gerne anhand von Leitfäden. Das Beste daran: die Basics sind kostenlos. Das Schlechteste daran: jeder nutzt es und jeder nutzt es gleich. Information Overload-Gefahr. Daher sind die Guerilla Aktionen nicht zu verachten, die bringen Leben in jeden Feed.

7. Seid euch klar darüber, wer was will
Am Anfang stürmen alle mit Begeisterung los. Wir sind jetzt eine Band! Wir werden Rockstars! Ein Jahr später merkt ihr, dass zwei von fünf es ernst meinen, der Rest geht zum Studieren in eine andere Stadt, einer heiratet. Das ist nicht schlimm, das darf ja jeder für sich entscheiden. Nur solltet ihr so früh und ehrlich wie möglich darüber reden. Wer aussteigt, sollte seiner Band die Chance geben, schnell einen Nachfolger zu suchen und wer von vorne herein nur mit dem halben Herzen dabei ist, hält ehrlicherweise nur seine Mitstreiter auf. Denkt darüber nach und fasst Entschlüsse.

8. Habt einen Plan B / einen Job
Auch die fest entschlossenen Megastars der Zukunft: habt besser noch was anderes in der Hinterhand. Eine abgeschlossene Lehre reicht vollkommen, hilft euch aber, später einen Job zu finden, wenn das mit dem Musikersein nix wird. Sichert euch außerdem das Einkommen für die nächste Gitarre oder einen anständigen Tourbus. #ErwachsenenGelaberEnde
Ganz ehrlich… die wenigsten werden vollkommen ohne Mitteleinsatz bekannt 😉

pepe-headbang
Immer 100% Einsatz geben? Ist gar nicht so einfach…

9. Kennt die Regeln des Business
Vertraut nicht jedem blind und wenn ihr Verträge abschließt, lest das Kleingedruckte, und zwar so lange, bis ihr es versteht. Labels und Konsorten erwarten heute, dass die Band (mithilfe von Social Media und gutem Material, siehe oben) eine gewisse Vorarbeit leistet. Sie können nicht zu viele Risiken eingehen und setzen daher auf Bands, die schon Erfahrung haben. In dem Stadium, oder wenn ihr da hin wollt, solltet ihr die Umgangsformen des Musikgeschäfts kennen. Holt euch Bücher, guckt Videos, lest andere Blogs, besucht Seminare oder fragt vertraute Profis. Wisst, was der Unterschied zwischen Booker und Label ist, zwischen Promoter und eurer Marketing/Produkt Management Abteilung. Lernt, woher A&Rs ihre Daten beziehen, wie viel Prozente Dienstleister in der Regel für ihre Leistungen verlangen können oder ob es für euch schon sinnvoll ist, eure Songs bei der Gema anzumelden. All so was lernen wir im Studium und es ist zu viel für diesen Beitrag, aber je nachdem, was bei euch gerade ansteht, solltet ihr euch vorher intensiv damit beschäftigen.

10. Aber auch nicht jedem gegenüber argwöhnisch sein
Manager und Plattenfirmen sind alles Geldhaie? Klar, sie wollen Gewinne machen, wie fast jeder Mensch / jedes Unternehmen auf diesem Planeten. Die meisten von ihnen haben aber doch eine gewisse Leidenschaft für Musik, sind und waren selbst Fans von Künstlern und deswegen wollen sie euch nicht alle nur vernichten. Steuert am besten immer eine Win-Win-Situation an.

11. Kennt die Szeneplayer persönlich
Achtung, schwieriger Punkt. Ab einer gewissen Bekanntheit merken Menschen, wenn ihr nur mit ihnen zu tun haben wollt, um Erfolg abzugreifen. Ich rede auch nicht davon, dass ihr mit Madonna schlafen sollt xD Gerade im Underground bis Mittelfeldbereich gibt es jedoch viele nette Veranstalter, größere Bands, kleine Labels und so weiter, deren Mitglieder ihr gerne auf Partys bei einem Bier persönlich kennen lernen könnt. Warme Akquise (jemand um eine Zusammenarbeit bitten, den man bereits kennt), ist meist einfacher als einen Unbekannten anzurufen oder anzuschreiben. Manch ein Deal wird auch nocht am Abend bei einem Prosit abgemacht.

peachy-alexkl
Credits zu Alexkl und MadMoiselle Peachy

12. Umgebt euch mit hübschen Mädels
Wieder ein streitbarer Punkt, weil man mir Frauenfeindlichkeit vorwerfen kann. Ihr sollt sie ja aber nicht als Nutten ins Zimmer holen, das Koks von ihrem Po schnupfen und sie dann verkaufen oder ihnen jede getrunkene Cola vom Lohn abziehen 😛 Eine intelligente Geschäftsfrau oder die eigene Freundin freuen sich aber auch mal, wenn sie für euer nächstes Albumcover Model sein darf oder ihr sie als Backgrountänzer / -Vocals auf die Bühne holt. Solche Aktionen hängen auch immer von eurem Genre ab (im Black Metal-Bereich bin ich schockiert über den „Einsatz“ von Frauen). Im Rock-Bereich kann das durchaus lustig sein und kommt den Damen meist nicht als Beleidigung sondern als Ehre vor. Sie wollen doch alle sagen „I’m with the band!“ 😉

13. Träumt immer vom Doppelten von dem, was ihr habt
Mein letzter Tipp klingt etwas verwirrend. Ist aber eine ganz simple Feststellung, die ich selbst gemacht habe. Es heißt ja in manchen Ratgebern, man solle ruhig größenwahnsinnig sein. Wo anders heißt es wieder, man solle von sich und der Welt nicht zu viel erwarten, sonst ist man nur enttäuscht und überanstrengt. Ich denke, mit dem Doppelten ist man ganz gut bedient. Also wenn ihr beim letzten Konzert 200 Menschen im Saal hattet, arbeitet auf die 400 hin und gebt nicht auf, bis ihr sie erreicht habt. Dasselbe gilt für Albumverkäufe, Liveauftritte generell, Likes, whatever. Just doubletap it ❤

A photo by Aranxa Esteve. unsplash.com/photos/pOXHU0UEDcg

Das war’s für heute. Irgendwann versuche ich auf jeden Fall, noch bessere Ratschläge zu geben, die auf noch mehr Erfahrung und Wissen basieren.
Bis dahin wünsche ich viel Spaß mit dem Ausprobieren der oben genannten Punkte.
Vorab eins noch: Jammt erst mal ne Runde. Was besseres könnt ihr als Band einfach nicht tun.

 

Advertisements

2 Kommentare zu „13 Rockstar Regeln! (diesmal ernst gemeint)

  1. Hübsche Mädels?
    Ernsthaft!?

    Wir lassen den Sexismuskram außen vor, dann bleibt immer noch eines der ältesten und abgedroschensten Klischees übrig. Langweilig und konservativ wie ein Parteitag der CDU und ebenso innovativ.

    Interessante Dinge entstehen oftmals an den Reibungspunkten. Ein Bassist im Bikini (Ja ja, ist ein eher mäßiges Beispiel.) erzeugt womöglich viel mehr Aufmerksamkeit als die x-te Bikinitante. Gerade Rock, Punk und Metal stehen doch fürs Aufbrechen von Konventionen, also immer her mit den neuen, anderen Ideen.
    Provinzbands, die sich mit schönen Frauen umgeben, wirken schnell wie armselige Luftpumpen.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s