Ein Gastbeitrag vom Kalle – über die Flut an Bands, Releases und VIP Packages

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Einen wunderschönen Herbstdonnerstag liebe Leute. Heute soll es um zu hohe Preise und ein zu großes Angebot in der Musikwelt gehen.

Spiele ich heute mit dem Feuer, weil ich gerade eigentlich tagtäglich genau solche News über neue Bands, Tourneen, Alben und Deluxe Editionen verfasse und in die Welt raushaue und dann so einen Text publiziere? Nö, ich denke nicht 😀 Zum einen, weil das, was hier unten steht gar nicht von mir ist und zum anderen ist einfach was Wahres dran, doch dafür können die jeweils einzelnen Absender nicht viel. Die finden das ja eher doof, dass sie so viel Konkurrenz haben.

Ich bin mir nicht sicher, wie ausführlich dieses kleine Vorwort werden soll. Mal abgesehen davon, dass ich manchmal meinen Mailaccount hasse weil er von Promo-Meldungen überspült wird, kenne ich natürlich auch die andere Seite. Ich hock ja wenn gerade Vorlesungszeit ist jeden Tag in einem Raum und lerne, wie man sein (Musik)Projekt richtig organisiert und vermarktet. Eben auch mit ein paar „Tricks“. Und ich spüre am eigenen Leib, dass das Geld in der Branche oft knapp ist (also nicht bei den Superstars, aber darunter…) und diese Tipps daher nötig sind, damit jeder überlebt. Ich wurde ehrlich gestanden noch nie für etwas bezahlt, das mit Musik zu tun hat.  Manchmal will ich das auch gar nicht, denn das meiste läuft mit sogenannten „Barterdeals“ oder weil man halt befreundet ist und die Mukke des anderen geil findet. Aber manchmal denkt man sich schon ‚Was tu ich hier eigentlich?’…

Ja, ich könnte viel hierzu sagen.. zum Beispiel, dass einfach die Möglichkeit für jedermann, sein Zeug ins Netz zu stellen, für die Flut (teilweise qualitativ mittelmäßiger) Releases sorgt. Es erinnert mich auch daran, dass ich mal nen Text unter dem Motto „Musiker und Blogger haben das gleiche Problem – niemand will für ihre Leistung zahlen – bietet man das selbe und nennt sich nur anders, wird es aber bezahlt“ oder so schreiben wollte. Aber das verschieben wir dann auf wann anders. Heute gibt es die Metalbranche aus Sicht eines Fans und aus Überzeugung ehrenamtlichen Journalisten.

Bühne frei (mit Bannern, Effekten und Aftershowparty) für Kalle und seine Gedanken, die einige von euch teilen dürften….

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Kann es eigentlich irgendwann zu viel geben?

Immer wieder lese ich News über neue Videos, neue Alben, neue Touren… irgendwas passiert jeden Tag in der Welt der Musik. Ich bin selbst sehr eingeschränkt auf dem Rock und Metalbereich, bekomme dennoch aus anderen Ecken immer wieder Dinge mit und frage mich langsam wirklich: Wird es nicht Alles ein wenig viel?

Es gibt in national und international unfassbar viele Musiker. Viele von diesen Leuten sind total talentiert, andere gehören absolut verboten. Die künstlerische Freiheit, gerade in der Musik, lässt eine Menge zu. Doch wo ist da eine Grenze? Das ist gar nicht so mein Gedanke, denn Kreativität sollte man seinen freien Lauf lassen. Für viele Musiker ist der Traum, davon einmal leben zu können. Vielen ist aber gar nicht bewusst, dass dieser Traum mehr als nur ein paar Mal im Monat auf der Bühne stehen bedeutet. Hinter der Musik und hinter einer Band, die aktuell erfolgreich sein will, steckt eine enorme Maschinerie, die einen langsam den Eindruck erwecken lässt.: Musik ist mehr als nur Leidenschaft.

Natürlich ist der Gedanke, mit Musik Geld und somit seinen Lebensunterhalt zu verdienen schön. Instrumente, Reisen usw. wollen bezahlt werden, daher sollten Auftritte auch immer ein Minimum an Geld abwerfen, sofern es die Möglichkeiten hergeben. Aber die Frage ist… woher soll das Geld kommen, wenn die Fans an jeder Ecke und Kante gerade das Geld lassen. Der normale Konzertbesucher geht ein Mal im Monat auf ein Konzert. Er leistet sich eine Karte, trinkt ein paar Bier und kauft eventuell ein Shirt. Der leidenschaftliche Fan kauft sich die Alben, kauft sich anderen Merchandise, kauft sich mehrere Konzertkarten, reist extrem viel der Band hinterher usw. Viele geben ganze Gehälter für eine Band aus. Dies allerdings bei einer Band, die bereits einen großen Namen hat, selten Shows spielt und Summen aufruft für einen Auftritt, von denen andere zwei Jahre leben könnten. Was bleibt dann als Geld für die kleinen Bands übrig? Die Veranstalter wollen verdienen, die Agenturen, alle die irgendwo mit einer großen und erfolgreichen Band zu tun haben, wollen ein Stück vom Kuchen. Und am Ende bleibt am wenigsten gar bei der Band selbst. Das Thema ist auch nicht unbekannt.

Wo sollen die Fans jetzt noch das Geld dann hernehmen, um die kleinen zu unterstützen? Viele Bands nutzen Crowdfounding. Eine tolle Idee ist diese Methode in jedem Fall und oftmals sehr erfolgreich. Aber auch hier ist eine enorme Menge an Aktionen im Umlauf. Für welche entscheidet man sich und gibt sein Geld dafür? Es ist einfach nicht mehr möglich, wenn man sich häufig mit der Musik beschäftigt, einen Überblick zu behalten. Es kommen viele Alben in einer Woche auf den Markt. Man möchte als Fan am liebsten alles in seiner Sammlung haben. Das Angebot ist da und es wird immer absurder. Wo früher eine einzige Vinylplatte, Kassette oder CD gereicht hat, müssen heute große Boxen her, die mehr oder weniger aufwändig gestaltet sind, damit der Kunde zufrieden ist? Ist wirklich der Kunde dafür zuständig, dass solche Artikel überhand nehmen? Oder ist es einfach das Ausschlachten der Musik? [Anmerkung von Foxxy: in Deutschland kommt das in die Charts, was in der ersten Woche am meisten Geld abwirft. Große Boxen und bunte Vinyl = teuer 😉 ] Kleine Bands probieren sich mit selbstentworfenen Shirts auf Konzerten ihre Anreise zu finanzieren. Fast jeder in der Musikbranche hat so seine Berechtigung… aber ist das ein Argument für enorme Bereicherung?

Die Musik gerät mehr und mehr fast in den Hintergrund. Die digitale Welt hat den Musikmarkt klar beeinflusst. Das Comeback der Vinyl, was zuerst als Strohfeuer gedacht war, hat sich etabliert und immer mehr lassen die schwarze Scheibe aufleben. Aber warum muss von einem Album es gleich sechs verschiedene Farben der Vinyl geben? Reicht nicht einfach Schwarz oder evtl. noch eine zweite passende Farbe zur Band? Müssen es, übertrieben gesagt, 20 Shirtmotive sein? Natürlich sind Geschmäcker unterschiedlich und die Nachfrage enorm. Reichen aber nicht auch nur 3 Motive? Die Shirtpreise auf Konzerte schwanken enorm. Dort kostet ein Shirt 10 Euro, woanders gar 40 und mehr. Das steht in keiner Relation zu dem, was die Produktion kostet. Klar.. es wird eine Menge durch den Merchandise finanziert. Eine Tour kostet, eine Albumproduktion kostet. Doch muss man jedes Jahr ein neues Album raus bringen? Wenn man kreativ ist und genug Material hat… von mir aus gerne. Aber wenn das jede Band macht und immer wieder so viel Material auf den Markt gespühlt wird – geht da nicht eine Menge einfach verloren?

Man kann nicht das Internet komplett durchsuchen und alles mitbekommen. Vieles geht einfach komplett unter. Die Flut an Mails die man bekommen würde, wenn man sich bei jeder guten Band im Newsletter anmelden würde, jede Promofirma, jedes Label. Euer Mailfach wäre nach einem Tag einfach nur voll. Wenn man auf Facebook jede Bandseite geliked und abonniert hat… dazu noch zahlreiche andere Seiten, die News usw. bringen in seinem Newsfeed drin hat… behält man dann noch den Überblick? Ist die Flut an Informationen nicht schlicht zu groß, um sie selbst noch zu verarbeiten?

Wer sich nicht meldet geht verloren und einen Status wie die Bands aus den 80ern zu erhalten, das ist schlicht nicht mehr möglich. Man kann zwar groß werden und schnell erfolgreich sein. Man kann die großen Festivals bespielen. Doch wie schafft man es, sich zu etablieren? Man muss immer mehr liefern und liefern. Man kann sich heutzutage kaum noch Ruhe gönnen um einfach mal abzuschalten. Egal ob als Musiker oder als Fan. Man ist immer unter Strom, immer auf Achse. Es gibt mittlerweile soviele Konzerte und Festivals, die man gerne besuchen möchte. In manch Region passiert über Monate gar nichts. In großen Städten kann man sich an einem Tag zwischen 4 Konzerten nicht entscheiden. Man hat aber gar nicht die finanziellen Mittel, um sich jedes Konzert im Vorfeld leisten zu können. Die Ticketpreise sind in den letzten Jahren enorm gestiegen. Manch Showproduktion und Band rechtfertigt ihre Preise auch, andere sind dafür eine große Enttäuschung. Das weiß man selten vorher. Konzerte sind eine wichtige Basis für Musiker und Fans. Doch ganz ehrlich, müssen VIP Packages sein?

Was rechtfertigt einen Musiker sich bezahlen zu lassen, das ein Fan – der sein Geld für Konzertkarten, Reisekosten, Merchandise usw. hingibt, ihn treffen darf. Meist werden für solch VIP Packages enorme Summen aufgerufen. Es gibt die Fans, die das auch bezahlen und es ist immer ein tolles Erlebnis, ein Idol zu treffen. Doch die Bands oder die Marketingmaschine dahinter scheinen zu vergessen, warum diese Bands so erfolgreich geworden sind. Durch ihre Musik, die die Leute berührt und die Fans erworben haben. Eine Band / Musiker ist heutzutage nicht immer mehr so einfach für einen kurzen Plausch oder Foto zu haben. Sie kommen an der Location an, machen ihren Soundcheck, wollen dann ihre Vorbereitungsruhe haben, ab und an kommen wir daher und machen Interviews, sie spielen ihre Show und oftmals ist dann Ruhe. Das betrifft nur einen kleinen Teil von Bands, allerdings gerade solche, die mittlerweile einfach hier und da aus meiner Sicht den Boden verloren haben.

Es ist zu viel des Guten in manchen Punkten. Man sollte sich vielleicht mal wieder auf das Wesentliche konzentrieren. Musik soll Spaß machen, ein Konzert soll ein Erlebnis sein. Man möchte ein gutes Preisleistungsverhältnis und ist für eine gute Show bereit auch etwas mehr zu zahlen. Das hinter einer Albumproduktion und Touren eine Menge Menschen stehen, die damit ebenfalls verdienen möchten und überleben wollen, kenne ich Vieles aus erster Hand. Man sollte nur nicht den Fokus verlieren und die Musik ihre Leidenschaft verlieren lassen. Gebt kleinen Bands eine große Chance und große Bands sollten hier und da mal wieder auf den Boden kommen. Ohne die Fans, die ihre Musik lieben, würde keine Band nur eine Sekunde heutzutage überleben. Aber kann man in der Menge und Masse überhaupt überleben? Sind wir nicht langsam einfach nur erschlagen, von dem was uns geboten wird? Fordern wir wirklich so viel? Ich kann es mir nicht vorstellen.

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Us at the Waldbühne Berlin

Mir persönlich reicht für ein Konzert von 20 Euro Eintritt eine Bühne mit Bandbanner, eine gute Lichtshow, guter Sound und gut gelaunte Musiker, die Spaß an ihrer Musik haben. Ein Shirt kostet 10 Euro, das Bier 2,50 Euro. Perfekter Abend. Eine Show ab 40 Euro muss schon mehr bieten. Da kommt dann schon der ein oder andere Showeffekt mit zum Einsatz und eine gewisse Qualität wird erwartet. Ab 60 Euro für ein Ticket muss die Band schon sehr namhaft sein und diesen Preis durch einen gewissen Status und vor allem Aufwand rechtfertigen. Da darf mir dann nicht nur ein Banner hängen oder nur eine Box auf der Bühne stehen. Alles ab 100 Euro zählt für mich als übertrieben oder muss wirklich eine Rechtfertigung haben. AC/DC als Beispiel waren die 100 Euro Eintritt fast wert, nimmt man die Kosten für eine Produktion im Stadion zusammen. Miete, Transport, Arbeiter, Security usw. usw. das summiert sich und muss irgendwie rein geholt werden. Das ist nachvollziehbar. Allerdings ein Shirtpreis von 40 Euro nicht. Bei der Masse an Fans, hätte ein Preis von 15 Euro für ein Shirt locker gereicht.

Eine Sache kommt noch dazu. Nur noch wenige Bands leisten sich gute Musikvideos. Früher gab es TV Kanäle, wo solch aufwendige Produktionen gezeigt wurden. Heute läuft es fast nur noch über Youtube oder Facebookvideos. Hier leistet man sich die weit günstigeren Lyric Videos. Längst haben die sich etabliert. Eine schöne Methode die Musik nahe zu bringen und manch Clip ist aufwendig gestaltet. Doch ist das jetzt die Alternative, weil den Bands das Geld fehlt? Viele große Bands greifen auf Lyric Videos zurück, kleinere Bands produzieren mit Handycam und Schnittprogrammen aus dem Internet ihr Proberaummusikvideo. Manchmal hab ich bei der Menge an Clips gar keine Lust mehr, mir alle anzuschauen. Da warte ich doch lieber auf die Konzerte und sehe die Band dazu, oder auf das Album und höre die Songs. Ich schaue mir nur selten Lyricvideos wirklich an. Allerdings wird vermehrt auf solch Klickzahlen geachtet. Wer viele Klicks hat, der muss ja viele Fans haben usw. Ist das wirklich so? Aus meiner Sicht nicht. Aufgrund der sozialen Medien verbreiten sich die Clips einfacher und klar… man kann dadurch viele neue Fans gewinnen. Virales Marketing… super Sache.

Wo wir dann aber wieder bei den zu vielen Informationen wären, die einfach durchrutschen, weil die Masse das genauso macht. Ist es jetzt also ein Teufelskreis? Kann man da noch gegensteuern oder wird sich das noch verschlimmern? Eine Lösung dafür direkt habe ich nicht. Dafür stecke ich persönlich zuviel in dem Thema mit drin und gehöre auch zu denen, die viel an Input konsumieren, doch auch Output nach draußen abgeben. Gerade jetzt in diese Sekunde… und es ist nicht das Letzte, was veröffentlicht wird. Doch lasse ich mir jetzt Zeit mit dem nächsten Text und warte etwas ab oder bin ich gezwungen, um aktuell zu bleiben, mehr zu liefern? Fragen über Fragen… wie seht ihr solch Themen? [Anmerkung zwei: also was auch immer noch aus deinem Hirn fließt, schick rüber! Man braucht ja mal verschiedene Ansichten und Denkanstöße.]

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Kalle ist im Übrigen auch ein toller Fotograf, den ihr gerne buchen könnt!

Vielen lieben Dank für deine Hirnausströmungen 🙂
Viele auf Seiten der Musiker, Festivalveranstalter und Merchverkäufer haben ihre Gegenargumente in Form knallharter Kalkulationen und vielen kleinen zerstückelten Teilen vom Kuchen (20% sind ein Traum! ^^). Ihr habt ein Recht auf das, was euch zusteht.

Aber ja, wir werden überflutet. Für drei Bands kann ich mein Geld mit beiden Händen ausgeben. Aber für 103?! Dann wird es mit dem Strom eng… Die einzige Lösung wäre also, manchen Bands zu verbieten, zu existieren xDD Wer stimmt dafür? #sarcasmOff

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