Musiker und Blogger haben das gleiche Problem: Die Bezahlung

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Money makes the world go around…

Zugegeben, dieses Thema ist nicht neu und wurde bereits unzählige Male kundgegeben. Doch es bleibt aktuell – vor allem, da es nach wie vor umstritten ist. Ich, einerseits selbst eine Bloggerin, andererseits von (jungen, noch unbekannten) Musikern umgeben, bin damit jedoch täglich konfrontiert und muss immer wieder neu entscheiden, ob ich einen Deal fair finde oder nicht. Daher möchte ich meine Gedanken teilen.

Kürzlich habe ich einen Bericht gelesen, der aus Unternehmerseite geschrieben war. Für die Musiker wäre das quasi der Konzert- oder Festivalveranstalter. Oder Hochzeitsparty oder so, denn auch auf privaten Feiern sind kleinere Musiker heiß begehrt. Jedenfalls sprach die Dame den Bloggern ins Gewissen, dass sie nicht immer nur gegen die bösen, knauserigen Firmen hetzen sollen, die ihnen für ihre Berichterstattungen über Produkte kein Geld geben wollen, sondern eben nur das Produkt und dann auch Forderungen stellen. Sie fordert Verständnis dafür, dass die Unternehmen ihre Werbeausgaben durch Verkäufe wieder einspielen müssen und dass das nicht gelingt, wenn die Blogger schlampig arbeiten oder keine nennenswerte Reichweite haben.
Nun, das ist an sich erst mal richtig. Werbekosten werden meist in Tausendkontaktpreisen in Rechnung gestellt (wie viele tausend Mal die Anzeige von jemandem gesehen wird), bei klassischen Anzeigen in Magazinen und Co. geht es also rein um Auflagenstärke und Zielgruppenrelevanz.

Es gibt da nur zwei wichtige Unterschiede: Blogger fügen die Anzeige in der Regel nicht einfach irgendwo ein. Sie sind viel eher selbst die Werbeagentur, die die „Anzeige“ überhaupt erst entwirft… mit Foto, Text, Format und allem. Zweitens haben Blogger in der Regel keine andere Einnahmequelle als Kooperationen mit Unternehmen. Denn nicht jeder von ihnen bietet Kurse und Bücher an, viele wollen keine nervenden Banner auf ihrer Seite einbauen und die Abonnenten und Leser zahlen natürlich auch nichts dafür, dass sie die Artikel lesen dürfen.
Fakt ist also: die Blogger stellen selbst etwas mit eigenem Hirnschmalz, Zeit und eventuell Geld her und haben keine Redaktion hinter sich sitzen, die sie für ihre Texte so oder so bezahlt. Ergo sind sie in der Regel auf eine Vergütung durch Kooperationspartner angewiesen, wenn sie Geld verdienen möchten.
Es sollte natürlich auf jedem Blog nach wie vor redaktionelle Inhalte geben, die nicht bezahlt wurden, sondern aus reinem Interesse am Thema entstehen. Aber was in Auftrag gegeben wird, ist ein Auftrag!

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Kommen wir zu den Musikern. Die machen eher selten Werbung für andere Unternehmen, wenn sie noch nicht so bekannt sind und somit als Testimonial herhalten können. Außer vielleicht für Instrumente. Doch auch hier kann man sagen: Vielleicht hat die Band nicht den größten Fankreis, kann keine Kartenverkäufe (Reichweite) garantieren und mag nicht jedermanns Geschmack sein. Doch die Arbeit ist geleistet! Die Ausgaben für Equipment, Transport und so weiter wurden gemacht und wiederum wurden Gedanken, Zeit und eigenes Budget investiert. Nur weil am Ende kein ‚Ausverkauft‘ generieren oder das Schützenfest im Dort zum Besten des Bundeslandes machen, heißt es nicht, dass die Musiker nicht gearbeitet und eigentlich etwas verdient hätten.
„Macht doch Spaß und ihr könnt euch präsentieren“?! Mal ehrlich, wie viele Talentscouts erwartet ihr im Gasthaus ‚Zur grünen Linde‘ wirklich? Wie viele begeisterte Rockfans, die danach die Platte kaufen…falls es eine gibt und die Studiokosten nicht zu hoch waren, weil schon alles für die Proberaummiete weg ist?
Oder weg vom Dorffest, hin zum Festivalszenario: Wie viele Leute werden mittags um 14 Uhr vor der Bühne stehen und die Band danach so sehr lieben, dass sie automatisch Rockstars werden?
Kann passieren, muss aber nicht.

„Wir sind ein Start-Up, wir können leider…“

Allzu oft hört man folgenden Satz: „Wir sind ein Start-Up / Künstler, wir haben nicht viel Geld.“ Mag sein. Auch, dass ihr noch wachst und sich eine längere Kooperation ergibt. Aber wenn ihr euer Start-Up gründet, fragt ihr dann auch bei Apple, ob ihr den Mac umsonst haben könnt? Oder den leckeren Kaffee bei Starbucks, der euch wachhält? Die würden euch ziemlich blöd angucken.
Angenommen, ein Blogger – der in der Regel selbst Fotos macht und diese bearbeitet – würde sich Produktfotograf nennen. Meint ihr, irgendeine Firma käme auf die Idee, von ihm Bilder umsonst zu verlangen?? Dabei bekommen sie bei ihm keinerlei Fans und Reichweite inklusive, nur die Bilder…. also eigentlich weniger!

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Die Erklärung für das Gesamtproblem wurde schon hundert Mal gegeben: Am Anfang wurde das Internet unterschätzt. Alles, was dort produziert wurde und immateriell war, wurde kostenlos rausgegeben, als Promotion. Doof nur, dass es heute unser Leben beherrscht und zum größten Handelsplatz der Welt wurde. Doch Musik und Blogbeiträge sind noch immer nicht greifbar und so denken weiterhin alle, dass sie es geschenkt bekommen. WTF?
Jetzt das Gegenargument und die schwierigste Streitfrage: Es gibt immer Hobbyklampfer und -Schreiberlinge. Die verbreiten ihren Singsang und ihre Zeilen nach Feierabend. Sie haben ein sicheres Einkommen und brauchen nur etwas Abwechslung, wollen mal kurz auf der Bühne stehen und ein Bier umsonst bekommen und schon sind sie glücklich. Was sie machen, ist nicht verboten. Doch immer wieder kommen die Ausrufe: „Hört auf damit, ihr zerstört den eigenen Marktwert! Wenn einer es gratis macht, erwartet jede Firma, dass es uns alle umsonst gibt!!“

Das ist der Punkt, an dem ich ratlos bin. Es wird so bleiben, dass auch gute Bands und gute Blogger für Veranstaltungen oder Firmen, die sie wirklich mögen, umsonst arbeiten. Weil sie sich darüber freuen oder das Produkt eh gekauft hätten. Oder weil der Barbetreiber ihr bester Kumpel ist, je nachdem. Das darf nicht verboten oder beschimpft werden.

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Blogger-Dreamteam ❤

„Es macht dir doch aber Spaß!“ – „Gut, dann lebe ich von meinem Lächeln, okay?“

Dennoch denke ich, dass es nicht genug solcher Texte wie diese hier geben kann, damit endlich jeder mal versteht: Auch kreative Arbeit, die Spaß macht, ist Arbeit. Punkt.

Ich hoffe, ich finde nach meinem Studium einen Beruf, der nicht komplett auf Barter Deals basiert. So was macht Spaß und ich werde es hin und wieder bestimmt weiter machen. Aber wenn es immer so läuft, dass du doch froh sein sollst, dass du irgendwas sehen und erfahren durftest, kommst du dir nach einer Zeit veräppelt vor. Ausgenutzt, irgendwie.
Zu gegebener Zeit kommt ein Artikel mit der tollen Überschrift „Foxxy war auf der dunklen Seite der Macht“. Das muss aber noch etwas warten. Da hört ihr was über meine Erfahrungen aus Unternehmenssicht.

Ach und ja… eine Sache noch. Musiker sollten eine Gage bekommen, auch wenn es nur ihre Kosten deckt und sie keinen Gewinn machen. So viel steht fest. Das reicht im Zweifel schon, auch um sich gewürdigt zu fühlen.
Aber liebe Musiker, ihr benehmt euch manchmal auch wie die Start-Ups. Nur weil ihr noch nicht reich werdet von euren Songs, heißt das nicht, dass ihr alle Dienste und Leistungen, die man euch bietet, umsonst bekommt. Sprich Fotos, Promotexte, Studiozeit,… all so was. Das kommt zwar nicht ganz so oft vor, aber auch da hab ich  schon ein paar zu Unrecht beleidigte Leberwürste getroffen. Das ist aber genauso unfair. Und @alle: kauft CDs oder Schallplatten oder Tickets. Dann haben die Labels und Veranstalter auch die Kohle, ihre Künstler zu bezahlen.

Zum Abschluss noch ein besonders wichtiger Satz: Die Qualität muss immer gegeben sein, wenn man Forderungen stellt.
Also alle Seiten, die hier erwähnt wurden, sollten, wenn sie bezahlt werden möchten, sich wenigstens Mühe geben und ansprechend für das mögliche Publikum sein. Sonst funktioniert das System natürlich nicht. Danke für Ihr Verständnis.

PS: Foxxy bleibt für die Musiker und Veranstalter natürlich weiter kostenlos 🙂 wollte mich nur mal für die Sache allgemein einsetzen und bin von der Gesamtsituation frustriert ^^

 

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