Künstlerentwicklung: Kommt als Musiker auf die nächste Stufe

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Eine Klausur über das Thema Künstlerentwicklung („Artist Development“) steht vor der Tür… und es sagt doch immer jeder, man lernt etwas am besten, wenn man es sich selbst oder jemand anderem erklärt.
Gut, dann machen wir das jetzt genau so. Ihr profitiert davon, dass ich mir irgendwelche Modelle, Abläufe, Fakten etc. einprägen muss. Ich habe nur direkt umsetzbare und von den Musikern selbst steuerbare Wege gewählt, mit der eigenen Band oder Künstlerfigur voran zu kommen. Mit dem restlichen Kram sollt ihr euch nicht herumquälen müssen.

Lange durchhalten!

Das klingt wie ein Klischee, doch wir haben es anhand einiger plastischer Beispiele durchgekaut und es stimmt einfach. Wenn ein Musiker nicht gerade durch eine Castingshow seine 15 Minuten Fame erhalten hat, ist es ein langer Weg, bevor die große Öffentlichkeit ihn als DEN neuen Star wahrnimmt. Sogar die allgegenwärtige Helene Fischer hatte einen langwierigen Weg vor sich 😀 Ihr müsst sie nicht als Vorbild nehmen, aber allgemein sind die meisten Musiker erst „Legenden“ wenn sie schon etwas älter sind. Vorher kämpfen alle in irgendeiner Nische, mit Couchsurfing und kaputten Kleintransportern. Nur weil ihr nach 2 oder gar 6 Jahren noch nicht berühmt seid, heißt das nicht, dass ihr schlecht seid. Viel wahrscheinlicher ist, dass ihr nicht die Finanzen zur Verfügung habt, die hinter einer großen Produktion stehen.
Ja, die Welt ist unfair. Umso stolzer könnt ihr auf euch sein, wenn ihr schon aus eigener Kraft kleine Erfolge erreicht habt!

Kennt die Branchen-Grundlagen!

Wer nicht übers Ohr gehauen werden will, aktiv etwas bewirken will, die richtigen Leute treffen will und so weiter, der sollte wissen, wie der Hase läuft. Ihr müsst euch nicht im Detail mit Künstlersteuern auskennen und solche Sachen, aber wisst: Wer sind die Bestandteile der Branche (Booker, Manager, Konzert/Tour-Veranstalter, Vertrieb, Verlag, A&R, Produzent,…)? Wer ist für was zuständig? Kennt ihr solche Personen? Solltet ihr euch jemanden für diesen Bereich suchen? Kennt die Zeiträume, Kosten, Möglichkeiten der Eigenwerbung… besucht Bandcamp, Backstage-Pro, Soundcloud, Kickstarter, all das. Es hilft sehr. Tauscht euch hierzu am besten mit anderen Musikern aus.

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Schreibt eure Vision von euch selbst auf!

Das ist eine Übung, die Spaß macht: Setzt euch als Kreativteam zusammen und schreibt eine fiktive Biographie über euch selbst auf. Wo wollt ihr in z.B. 10 Jahren sein? Wo tretet ihr auf? Wie sieht eure Bühnenshow mit Effekten, Outfits und so weiter aus? Mit wem geht ihr auf Tour? In welcher Show / Radiosender / Playliste /… taucht ihr auf? Wer rennt zu euren Gigs?
Seid mutig aber gleichzeitig realistisch. Das soll nicht zu einer Selbstparodie werden, sondern euch einerseits motivieren und andererseits genau die Richtung zeigen, in die ihr geht. In jedem Post auf Facebook und in jedem Song könnt ihr genau darauf hinarbeiten.

Artist DNA und Moodboard

Das ist eine Sache aus den Vorlesungen, die ich besonders schön finde. Eine Artist DNA meint hier, ganz viele Fragen zu stellen mit der Formulierung: „Wenn der Künstler ein … wäre, wäre er …“
Beispiele: „Wenn der Künstler ein Auto wäre, wäre er ein Ferrari.“
„Wenn der Künstler ein Getränk wäre, wäre er ein Vodka Energy.“
„Wenn der Künstler ein Tier wäre, wäre er ein Wolf.“
Solche Listen müsst ihr füllen, gerne auch mit komplett bescheuerten Sachen wie „eine Farbe“, „ein Möbelstück“, „ein Gewürz“,… Diese Begriffe könnt ihr dann graphisch darstellen; das ist dann das Moodboard. Es beschreibt die Atmosphäre, die euch umgibt.
Das tolle an dieser Liste: Jetzt wisst ihr, was in euer Logo, auf euer Merch, auf eure Plattencover, in die Fanboxen, in die Social Media Kanäle etc. kommt. Und wenn ihr einen Werbedeal ausmacht, dann doch am besten mit Red Bull… 😉

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Macht einen Persönlichkeitstest!

Wir haben als Beispiel die Myers-Briggs-Typen genommen (einfach googlen) sowie Persönlichkeitsstörungen und die Theorien von Freud. So kompliziert müsst ihr es euch gar nicht machen. Aber wenn es Probleme im Proberaum oder auf Tour gibt, dann versucht herauszufinden, warum wer wie denkt. Wenn ihr wisst, was für Typen von Menschen ihr in der Band habt, kann man manche Sachen leichter verstehen.
Plus: Künstler funktionieren am besten, wenn sie ganz klar einen Charakter und Werte darstellen. Wenn ihr die herausfindet, könnt ihr sie ins Rampenlicht stellen. Ja, auch oder gerade wenn es vermeintlich eine Schwäche ist!

Habt ihr Verlage auf dem Schirm?

Alle Musiker wissen, was ein Label oder ein Tonstudio sind. Aber wissen auch alle, dass es Musikverlage gibt, die für euch nützlich sein können? Sie bringen eure Songs in Filme, Werbung und Spiele und sie können euch mit erfahrenen Songwritern verbinden. Wer Interesse daran hat, kann sogar versuchen, Songs gemeinsam mit seinen Idolen zu schreiben. Wenn sie beim selben Verlag sind, besteht dazu eine Chance.

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Social Media = Offener Backstagebereich

Es kommt einem immer so vor, als wäre es okay und logisch, über Social Media Kanäle seine Produkte, Auftritte, Videos, Songs zu teilen und dass die Fans an nicht viel anderem interessiert sind. Ihr seid normale Leute, jettet nicht um die Welt, trefft keine Weltberühmtheiten und seid weder Wissenschaftler noch der Leader eines Topkonzerns – was soll es die Welt also interessieren, was ihr über sie denkt?!
Falsch! Gerade wenn euch jemand in den Netzwerken folgt, will er vermutlich alles über euch erfahren – nur von der ständigen Werbung könnte er genervt sein. Wenn sie etwas kaufen wollen, suchen sie vermutlich eh eher bei Amazon oder Eventim ^^ Zeigt lieber, was für nette (oder coole?) Personen ihr seid. Was liebt ihr noch außer Musik? Wie beschäftigt ihr euch vor einem Auftritt? Wohin geht’s in den Urlaub? Würden sie all den persönlichen Kram über euch nicht wissen wollen, würden sie nicht nach privaten Profilen suchen oder sich backstage schleichen wollen 😛

Packt nicht alle Songs auf’s erste Album!

Ein Problem, das viele Musiker haben: Man hat jahrelang Songs geschrieben und gespielt, hatte aber nie die Gelegenheit, sie zu veröffentlichen. Dann kommt der Deal und man haut alle seine Werke auf das erste Album. Dann gibt es eine Fanbase, die schon bald was Neues erwartet – ihr wart noch die ganze Zeit auf Tour und konnten nur zwischendrin auf der Toilette im wahrsten Sinne nur ein paar Sch****songs zusammenbasteln. Die Enttäuschung beim Nachfolger ist groß…
Deswegen: Wenn ihr merkt, das kommende Album wird eine große Sache, dann hebt mindestens zwei Songs schon für das danachfolgende auf. Und verbuddelt Ideen, die ihr vorher verworfen habt nicht sofort. Ihr werdet das Repertoire brauchen um das Level zu halten.

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Playlists!

Musiker aus dem Rocksektor, wo ein Album noch viel bedeutet, hören das vielleicht nicht sooo gerne, doch es ist nunmal so: 2018 läuft extrem viel über Playlists. Auf Spotify, Deezer, YouTube, Onlineradios,… Wenn ihr irgendwie könnt, platziert dort eure Songs. Und wenn es nur die eine Nummer ist, die immer alle am Ende mitgröhlen wollen und die euch inzwischen zu den Ohren heraushängt. Sie wird euch in weiteren Kreisen bekannt machen, und dann könnt ihr euch wieder künstlerisch ausleben und einen auf exklusiv machen.

Bühne frei, viel Erfolg!

 

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