Wie Santa Cruz und eine leere Dose mich in eine neue Welt führten (#RIP_SC)

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Das macht man doch so, oder? Wenn etwas oder jemand stirbt, dann erzählen alle aus dem näheren und weiteren Umfeld von ihren Erfahrungen mit dem Verstorbenen.
In den letzten Tagen hat es uns eiskalt erwischt: Santa Cruz, die Hoffnungsträger aus dem hohen Norden, haben sich mitten in den USA aufgelöst, indem Johnny, Middy und Tazzy ihren Sänger Archie einfach aus dem Tourbus warfen. Die Reaktion der Fans war überrascht.

Ich nenne sie bewusst Hoffnungsträger, denn auch wenn vielen ihre Entwicklung zum moderneren Metal nicht zusagte, waren Santa Cruz eine der wenigen Gruppen, die wirklich das Potential hatten, den Style aus den eingeschworenen Kreisen hinaus zu bringen und den Nachwuchs auf der ganzen Welt zu begeistern. Sie hätten mit ihrer Art den Mount Rockstar erklimmen und wenigstens ein klein bisschen was vom „alten Spirit“ mitziehen können. Jetzt sind sie sich damit selbst über die Füße gestolpert. Denn von so spektakulären Splits liest man sonst eher in den Memoiren der alten Legenden. Als das Business noch nicht so professionell war und sich viel mehr Künstler mit Alk, Drogen und Affären selbst zerstört haben.

Wie es mit ihnen weiter geht, werden wir über Instagram und Co. verfolgen, denn dort haben sie den Rauswurf selbst verkündet, bevor es irgendein Pressefutzi wusste. SC sind erst mal Geschichte, aber gerade bei Rampensau Archie, der jetzt in seinem Ego geknickt wurde, kann ich mir vorstellen, dass er nach einer kurzen Ruhephase mit einem neuen Projekt loslegen will. Die Fans scheinen ihm die Stange zu halten. (*hust, hust*)

Cutie or a troublemaker??

Ich kannte die Jungs nicht sonderlich gut, deswegen kann ich keinen allzu tiefen Einblick geben. Aber ich möchte euch eine Geschichte erzählen, die ich schon damals lustig fand, als sie passiert ist und die mich, wie man so schön abgedroschen sagt, „dort hingebracht hat, wo ich heute bin“. Daran waren nämlich Santa Cruz, ein T-Shirt und eine Dose Mountain Dew Schuld.

Ich war schon vor meinem ersten Santa Cruz Konzert auf einigen Metalshows, -Festivals und -Partys gewesen. Damals noch mit einer Schulfreundin, die mir mal ganz random Kissin‘ Dynamite gezeigt hatte (sie wiederum kannte Hannes noch von seinen Casting-Show-Zeiten. Die Videos müsst ihr gucken! :D).
Wir hatten ein paar Bands kennen gelernt und waren auch schon öfter Backstage, auf Aftershowpartys, Album-Releases oder gar in Hotellobbys gewesen. Das war schon cool. Aber ich für meinen Teil kam mir immer vor, als ich sei ich den Musikern in dieser Rolle unterlegen. Das kleine, unterwürfige Groupie-Girl. Die Bittstellerin. Als stünde jemand in der Hierarchie über dir, nur weil er mal mit einer Gitarre auf der Bühne gestanden hatte. Jedes gewechselte Wort war eine Sensation! Los, Foto machen! Autogramm!!
Ähm… really?
Vor Künstlern, die etwas erreicht haben, Respekt zu haben, ist für mich eine Selbstverständlichkeit und noch heute kommt ab und zu das kleine Fangirl raus. Ich finde es aber noch viel cooler, Musiker so kennen zu lernen, wie sie wirklich sind und keinen Unterschied zwischen ihnen und mir zu machen. So kam es erstmals durch Santa Cruz.

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Skid Row sollten nach Mannheim kommen. Gemeinsam mit Buckcherry und Support Santa Cruz. Das Konzert war zwei Tage vor einer wichtigen Prüfung bei mir. Ich kaufte mir trotzdem ein Ticket, denn ich wollte sie unbedingt sehen, und ging alleine auf das Konzert. Die Show war gut, für einen unter-der-Woche-Gig in Mannheim gar nicht so schlecht besucht, aber auch nichts, was bis dahin mein Leben verändert hätte.
Weil ich beim Santa Cruz Song „Nothing Compares To You“ gefilmt habe und Archie gerne mal an Bühnengerüsten hochklettert oder durchs Publikum läuft, habe ich diese tolle Nahaufnahme machen können… xD

Nach dem Konzert ging ich an den Merchstand, machte, typisch für uns Fangirls eben, kurz ein Foto mit ihnen, ließ mir ein Tourplakat mit Autogrammen geben und machte mich auf den Weg nach draußen. Skid Row tauchten nicht mehr auf, von Buckcherry war ich nicht sonderlich überzeugt gewesen, also ab nach Hause und schlafen, damit ich morgen noch für den Test lernen könnte.

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Doch das Schicksal meinte es anders…
Wie ihr seht, ich trug das schwarzweiße Dr. Feelgood T-Shirt. Das haben bestimmt eine ganze Menge Leute. So auch ein Mann, der draußen auf dem Parkplatz mit ein paar anderen Leuten an seinem Auto stand. „Cooles Shirt!“, rief er und zeigte auf seins. Ich grinste und fing mit ihm ein kurzes Gespräch über die Crüe an. Er sagte mir, dass seine Freunde hier aus den USA seien. Ich erwähnte, dass ich dort die ganze 11. Klasse verbracht hatte. Dann boten sie mir eine (aus den Staaten mitgebrachte?) Dose Mountain Dew an und das Gespräch wurde länger. Jetzt ging es um die Bands, die aufgetreten waren und was uns bei ihnen gefallen hatte und was nicht. Die Musiker selbst waren schon dabei, den Tourbus zu beladen. Als ich die Dose leer getrunken hatte, wollte ich nochmal schnell auf Toilette drinnen in der Venue – und dann aber wirklich heim!
Ja, denkste! Drinnen fragt mich irgendwer, ich weiß leider nicht mehr wer, ob ich kurz mit anpacken könnte. Technik und Merchandise von SC mussten raus gebracht werden. Da half ich natürlich gerne.
Und dann nahm die Geschichte ihren Lauf.
Ich lernte ein paar eingefleischte Sleazefans aus der Umgebung kennen. Sie fuhren die Band zu ihrem Hotel und wollten dann noch in einer Bar feiern gehen. Sie fragten mich, ob ich mitkommen wollte. Ich sagte ja und fuhr mit ca. zehn fremden Leuten einfach irgendwo hin. Aber es wurde noch ein richtig cooler Abend. Johnny war fast am Tisch eingeschlafen, so müde war er vom Reisen. Middy erzählte von seiner Hochzeit. Am Ende kauften sie dem Barkeeper tütenweise Bier ab, weil es hier in Deutschland so unglaublich günstig war im Vergleich zu Finnland. Um drei Uhr nachts war ich endlich auf dem Heinweg, hatte mündlich ein Interview mit Archie ausgemacht und geplant, mit Janice, einer der neuen Bekanntschaften, nach Stockholm zu fliegen, um dort Confess zu sehen – und auch mit ihnen mehr oder weniger eine Woche privaten Urlaub zu verbringen. Wir trafen uns mittags im Park und abends im Pub Anchor oder dem neu eröffneten Black Carpet Club. Da spazierte die gesamte Stockholmer Sleazeszene herum und keiner machte wegen ihnen einen Aufstand oder fühlte sich „machtlos“. Naja, außer bei dieser einen epischen Szene im Harry B. James… x3 but that’s another story.

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Als ich Santa Cruz das nächste Mal sah, wuselten sie im Rock Café nahe der Hamburger Reeperbahn herum. Sie bauten ihre Instrumente auf während ich mit Olli Herman ein Interview haben sollte. Er war krank, hatte bis eben noch geschlafen und saß jetzt mit zerzausten Haaren, Jogginganzug und ungeschminkt vor mir am Tisch. Ihr dürftet also wissen, warum es davon keine Fotos gibt…
Jetzt isses rum. Vielleicht gibt es ja irgendwann eine Reunion, wenn die Probleme, die sie haben aus der Welt geschafft sind. Sie haben nie offziell gesagt, was los ist und ich kenne nur Gerüchte und Vermutungen. Das ist er eben, der „echte“ Rock’N’Roll Lifestyle. Das sind seine Schattenseiten.

Guys, you will be missed!

Johnnys offizielles Statement

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