Was ältere Musiker von den jüngeren lernen können (#TILmylife)

TIL_musikvideo
Quelle: til-official.com (Pressefoto)

An alle Vollblutmusiker und Sternchen von morgen, ich erlaube euch erneut einen Einblick in mein Musikbusiness-Studium und zeige euch anhand einer Band, die ich dabei kennen lernen durfte, wie man heutzutage seinen Erfolg pushen kann. Wie es aussieht, fehlen da die Ideen.
Denn als ich fragte, welche Möglichkeiten eure Bands so nutzen, um sich selbst zu promoten, kam nichts weiter als „Hm, vielleicht ein paar Magazine anschreiben?“ Sonst nix. Gut, das ist zwar nicht falsch – aber auch bei weitem nicht das einzige, was ihr selbst unternehmen könnt!

Vorbei ist die Zeit, als ein Video in der MTV-Heavy Rotation eine Single noch in die Charts gebracht hat. Als Wildplakatierung und Flyer verteilen noch für so viel Aufmerksamkeit gesorgt haben, dass ihr die Clubs damit füllen konntet. Printmedien wurden ins Netz verlegt, weil es schneller ist, mit Bild und Ton hinterlegt werden und sich (theoretisch) wie ein Lauffeuer verbreiten kann. Jeder A&R, der nach neuen Acts für die Zusammenarbeit mit seiner Firma sucht, checkt zu aller erst, was für Videos, Artikel und Profile er von euch mithilfe von Google finden kann. Und trotzdem darf die Offlinewelt nicht vernachlässigt werden.
Das ist viel zu Beachten und ein Umdenken muss stattfinden. Dabei ist es egal, ob ihr die ganz große Karriere machen wollt oder nur innerhalb eurer Szene einen gewissen Status erreichen wollt. Die Grundregeln sind die gleichen.

Ich hatte das Glück, durch ein Projekt eine super nette Band kennenlernen zu dürfen. Sie sind jung, motiviert, durchgeknallt und laut – und sie lassen sich nicht von der Strömung „alles muss elektronisch sein“ beeindrucken.
TIL sind drei junge Musiker aus dem Sauerland. Sie sind selbst hingebungsvolle Rockfans mit Idolen wie Blink-182 und Twenty One Pilots und gleichzeitig die Personifizierung der Boy Band von heute. Sie beherrschen die E-Gitarre UND Snapchat! Wow! 😀

Da ich mich in den letzten Monaten viel mit TIL beschäftigt habe, erhaltet ihr ihre Karriere als kleinen Anstoß für eure eigenen Pläne.

Reißt euch den Arsch auf!

Bezahlte Gigs und Komfort danach sind geil. Keine Frage! Aber wisst ihr was? Die Jungs von TIL touren seit fast zwei Jahren jede Woche in einem Bulli durch ganz Deutschland, um dann in Schulen zu spielen, also morgens, und fast immer ohne Gage. Sie bauen selbst ab und auf und treten meist in einer Aula oder auf dem Schulhof auf. Wenn sie im Anschluss nicht wieder heim fahren, pennen sie auf dem Sofa bei Bekannten, in Airbnb Unterkünften oder auch mal auf der selbst mitgebrachten Klappmatratze. Um den Spaß zu finanzieren, jobben sie in den Ferien irgendwo als Aushilfskräfte.
Ihr wollt bestimmt nicht unbedingt in Schulen auftreten, allein schon, weil es nicht die richtige Zielgruppe ist. Aber bei TIL wurde es zum Erfolgskonzept und inzwischen kennt sie in jeder Schule des Landes irgendwer, sie treten im Fernsehen auf und haben ihre eigenen Poster in den Zeitschriften.

Warum das ältere Bands von jüngeren lernen sollten, liegt daran, dass man in anderen Jahrzehnten als Künstler viel schneller von einem Label gesignet werden konnte. Heute suchen sie (in der Regel, nicht immer!) nach Acts, die sich schon selbst einen Fankreis aufgebaut haben. Darüber könnt ihr euch jetzt gerne aufregen wenn ihr wollt, aber ihr könnt auch ins Studio gehen und versuchen, den nächsten geilen Song aufzunehmen. Wenn es sein muss nachts. Liegt an euch.

Unnahbar war mal

Der unnahbare Künstler, an den keiner ran kommt, der sich von Bodyguards abschirmen lässt und seine Kanäle nur von Profis bespielen beziehungsweise seine Aussagen von ihnen schreiben lässt? Das hat noch funktioniert, als Stars hauptsächlich in Print, Radio und Fernsehen bekannt gemacht wurden. Da gab es von vorne rein eine Distanz zum Medium und man war als Künstler schon ein sehr wichtiger Mensch, wenn man es da rein geschafft hat. So konnten viele Stars der 70er, 80er und 90er ihren Ikonenstatus noch stärken.
Bei bestimmten Images funktioniert das noch heute. In der Regel ist man aber erfolgreicher, wenn man seine Fans so viel wie möglich einbindet und mit ihnen direkt spricht. Es wird inzwischen mehr erwartet, dass man als die Fan die Möglichkeit hat, ein Autogramm von seinem Idol zu bekommen, Fotos zu machen, vielleicht auch mal privat zu quatschen. Wer immer weg ist, wird als arrogant eingestuft.
Was machen TIL? Plaudern vor und nach ihren Konzerten mit irgendwelchen Schülern, geben immer Autogrammkarten, machen Live Streams im Netz, veröffentlichen einen Tour-Vlog… und so weiter und so fort.
Dieser Punkt geht unmittelbar über in…

Veröffentlicht Privates

Was und wie viel genau könnt ihr immer noch selbst steuern, doch ihr werdet euch wundern: Wenn ihr nicht immer nur von eurer Musik und euren Videos redet und postet, sondern auch einfach mal eure Familie erwähnt, euer Haustier vorstellt, private Anekdoten, unentdeckte Talente und auch Schwächen preisgebt – jeder Fan und potentielle Fan wird sich dafür noch mehr interessieren als für die Songs.
„Neiiin, so ein Quatsch, wir lieben die ‚echten‘ Rockstars wegen ihrer Musik.“
„Ach ja? Denkt ihr bei Ozzy nicht an Fledermäuse und Ameisen? Bei Freddie niemals an sein tragisches Schicksal? Bei den Beatles und Gunners nicht ein Mal daran, wie sie als Band zerbrochen sind? Oder daran, wie Tommy und Pamela plötzlich geleaket sind? Nein, never.“

Sorry, but boulevard is king.

Warum genau, da müsste ich jetzt eine Psychoanalyse schreiben 😉 Menschen lieben Charaktere. Menschen lieben Identifikationsfiguren. Und Menschen lieben Storys. Punkt.

Macht Merch für eure Zielgruppe

Der Punkt ist ganz schnell erklärt: T-Shirts, Hoodie, Sticker, schön und gut. Euch fällt aber bestimmt was Besseres sein. Überlegt euch gut: Was kann eure Hauptzielgruppe super in ihren Alltag integrieren?
Da TIL vor allem bei Schülern bekannt sind, haben sie College Blöcke, Sportbeutel und Armbänder im Sortiment.

Die Anbieter haben sich daran angepasst und lassen euch inzwischen fast alles nach Wahl bedrucken und designen. Meiner Meinung nach kann es nicht ausgefallen genug sein.

Provoziert!

Dieser Punkt ist der schwierigste, weil man sich, um richtig aufzufallen, auch wirklich was trauen muss. Aber was mich überhaupt zu diesem Artikel inspiriert hat, ist eine Parodie, die TIL ins Netz gestellt haben.
Viele Fans von Mike Singer, der hier liebevoll durch den Kakao gezogen wird, haben sich darüber so aufgeregt, dass das Video gesperrt wurde. Doch die Band hat vortrefflich gehandelt, denn umso mehr Gegenstimmen haben sich für sie ausgesprochen und ein regelrechter #DejaWü-Trend wurde losgetreten.

(Oh… ich merke gerade, es ist schon wieder weg xD)

Mit genau solchen Storys wird übrigens auch die Presse auf euch aufmerksam.
Also: ihr könnt jahrelang im sicheren Gewässer fahren und versuchen, möglichst keinen gegen euch aufzubringen. Oder ihr könnt ins kalte Wasser springen und mal gucken, was bei raus kommt. Bei Manson und Co. hat es auch geklappt 😉

Und zu guter Letzt:

Nutzt alles, was da ist!

Das soll jetzt nicht nur auf irgendwelche neuen Medien und ähnlichen Kram bezogen sein, der natürlich auch seine Schattenseiten hat. Es geht nur allgemein darum, dass Menschen irgendwann einfach alles verteufeln, was neu ist.
Ich werde dazu nichts weiter erklären, sondern schlicht dieses Bild hier zeigen.
Den Rest sollt ihr bitte selbst weiter denken.

tonfilm2

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>^.^<


Noch eine Band, die ich euch zeigen möchte:

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