Vom Targeting, Networking und fliegenden Pinguinen – FMC2018

fmc_cosmopop

2015 war ich das erste Mal auf dem Future Music Camp in der Popakademie Baden-Württemberg. Damals noch als Gast von außen, als Praktikantin des Kulturbüros und ziemlich spontan. Ich glaub, das war so ein „Hey, morgen ist da… willst du noch hin? Ich sorg dafür, dass…“ Dann war ich da und war begeistert und wollte erst recht auf diese Schule.
Das ist inzwischen drei Jahre her und die liebe Desiree, die mich damals auf die Idee gebracht hatte, dort hin zu gehen, war auch wieder vor Ort gewesen und plötzlich hat es sich fast wie damals angefühlt.
Kennt ihr das, wenn ihr merkt, wie sehr ihr etwas liebt, sobald es keine Pflicht ist? Ich hab das gemerkt, denn obwohl für unseren Jahrgang der Besuch diesmal freiwillig war, hab ich den Großteil der letzten beiden Tage auf dem Camp verbracht… 😀

Das Future Music Camp, das vor Jahren als kleines Barcamp begonnen hat und inzwischen die Jungbuschhalle anmieten muss, um stattfinden zu können, wurde zu einem jährlichen Branchentreffen, bei dem sich die Musikwelt über neuste Trends und Ideen, Techniken und Gefahren austauscht und danach bei einem kostenlosen Bier oder Red Bull Kooperationen untereinander abschließt.

Organisisert wird das Camp von unserem Digitalexperten Steffen Geldner und einer Hand voll helfenden Studenten. Wer im vierten Semester Musikbusiness studiert, hat außerdem die Aufgabe, selbst eine Session mit Thema und eventuell Gästen zu organisieren. Das Programm besteht bis zum Nachmittag aus Keynotes, bei denen der Redner im Vordergrund steht, obwohl natürlich immer Fragen gestellt werden können. Ab halb Vier können die Besucher die Sessions wählen, die sie selbst am meisten interessieren und dort in kleiner Runde über ein Thema diskutieren. So viel zum Konzept und Ablauf.

Das Rahmenthema war dieses Jahr das Livegeschäft. Ich hab mir die Freiheit genommen, die erste Keynote zu „schwänzen“ und tauchte auf, als das Thema „Monetarisierung und Rechte-Management von Live-Streams und Musik auf YouTube“ hieß. Der Vortrag wurde von Christopher Ludwig von der BMG gehalten und zeigte auf, dass 1.000 Views auf YouTube nicht automatisch einen Euro bedeuten, wie oft angenommen wird. Es kommt stark darauf an, was man bei der Monetarisierung eingestellt hat, über welchen Kanal der eigenen Content veröffentlicht wurde usw. Wie fast alles am FMC bezog es sich hauptsächlich auf Musik, doch auch andere Creator hätten etwas lernen können.
Die Keynote „Targeting im Online-Marketing“ bezog sich zu einem großen Teil auf Facebook und das ist ein Thema, welches wir tatsächlich schon häufiger in Vorlesungen behandelt hatten. Wenn man von außen kommt, sind solche Vorträge aber Gold wert, denn wer denkt bei einer Anzeigenschaltung schon daran, ob er auch die Uhr- und Wochenzeiten einstellt, zu denen seine Werbung verbreitet werden soll?

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socks by Von Jungfeld

Auf ging’s rüber in die Mensa, wo ein komplett veganes Essen auf uns wartete. Mit vollständig kompostierbaren Tellern und Löffeln. Gute Idee und ein Statement vom FMC. Was vielleicht ganz witzig zu erzählen ist: In der Kreativ- und vor allem Musikbranche ist es ja total wichtig, neue Leute kennen zu lernen, die in dem Bereich arbeiten, in den du gerne reinkommen möchtest oder mit dem du dir eine Zusammenarbeit erhoffst. Auf Veranstaltungen wie dem FMC hat man auch seinen Namen und seine Firma / Hochschule auf einem Schild um den Hals hängen… dann kommt es vor, dass man sich verhält, wie abends im Club. Zwei Mädels, die da stehen und sich panisch fragen „Sprech ich ihn an oder nicht?! Ich will was von ihm (Job, kein Sex), aber ich trau mich nicht. Und womit fang ich an? Hab ich ein Smalltalk Thema?? Komm, jetzt! Nein, warte, verdammt! Ich hab ihn aus den Augen verloren. Okay…jetzt! Attacke!!“

Ich verrate aus „Datenschutzgründen“ nicht, wer im Szenario hier wer ist, aber es war sehr lustig und kommt öfters mal vor. Spoileralarm: Es hat noch funktioniert.
War eine gute Bilanz insgesamt. Ich habe zwei neue Popakademie-interne Interviews abmachen können, kenne jetzt Film-Studenten aus Karlsruhe, die gerne mal ein Musikvideo für eine Poppe-Band produzieren würden (meldet euch bei mir, wenn Bedarf besteht!), einen KI-Experten, die Plattform Steemit, die für Blogger und andere Creator super wertvoll sein kann, einen Redakteur der Musikwoche, einen Mitarbeiter der Influencer Agentur Wunderkidz und die Co-Gründerin von Wowdio, einer richtig guten Idee, die ich euch wohl noch in einem Special vorstellen werde.
Das ist das Coole am FMC, dass man nicht nur mit den anderen Studenten in einem Raum sitzt, deren Lebenslauf man irgendwann rückwärts und auf Hebräisch auswendig kennt, sondern auch Alumni und komplett Externe treffen kann 🙂

Die beste Keynote trug den catchy Titel „Fear of Missing Out“ und sprach ein Thema an, das schon deswegen so lustig ist, weil es jeder in unserem Umfeld kennt: Man sitzt zuhause oder ist sogar unterwegs und sieht in Insta Storys und Co., wie alle irgendwo anders sind, wo es scheinbar noch viel cooler ist.
Festivals, Cafés, Hotels, Flohmärkte, normale Konzerte und Partys – sie alle werden inzwischen regelrecht dazu „designt“, Insta-tauglich zu sein. Zum Beispiel mit Schriftzügen an der Wand, vor denen sich jeder fotografiert und anderen coolen Kulissen. Mein Jägermeisterthron in der Matrix ist auch so ein Beispiel. Oder als ich damals in der halle02 an Halloween die Spiegel mit Kunstblut vollgeschmiert habe. Lustigerweise habe ich dafür das größte Lob des ganzen Praktikums bekommen. Als wollte ich schon immer mal Killer spielen, der Botschaften mit Blut an die Wand schreibt… xD
Unter dem Titel „Die Digitalisierung von Musikfestivals“ waren Dinge wie Sanitär-Flatrates (das ganze Wochenende über Dusche und echtes Toiletten benutzen dürfen) oder das bargeldlose Bezahlen ein Thema. Alles interessante Ideen, die aber auch Risiken haben – zum Beispiel, wenn die Bezahltechnik plötzlich nicht mehr funktioniert und keiner mehr Geld dabei hat.

thron
Jägermeister-Branding x Matrix Bochum
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this is the future

Als Donnerstagssession habe ich mir das Thema Direct Messaging als neue Form der „Newsletterkommunikation“ gewählt. Ein Anbieter für Facebook heißt Sendmate und das ist ganz praktisch – denn ein E-Mail Newsletter hat eine Öffnungsrate von 25%, die einer Facebooknachricht liegt bei über 90%. Wowdio ist ein nicht gleiches, aber ähnliches Konzept für WhatsApp. Wie gesagt, da gehe ich noch intensiver drauf ein. Unser eigenes Projekt Groovecat, zu dem es hoffentlich bald ein Video gibt, hat sich auch unterschwellig auf dem FMC eingeschlichen. Überall diese blauen Katzen mit der Sonnenbrille…
Eine zweite Session hab ich donnerstags ausgelassen. Lieber draußen mit Komillitonen die verschiedenen neuen Red Bull Sorten durchprobieren und die Logos sämtlicher Sponsoren auf ihre Ästhetik untersuchen 🙂

Das Get Together im Anschluss ist von Bier und Weinschorle geleitet und irgendwann geht es um die Schönheit von München und dazu im Vergleich Mannheim, ums Pakete zum Yüksel bringen oder um geklaute Wischmops (oder Wischmöpse??) in Jungbusch-Häusern. Ok, let’s zap out here.

Da ich selbst nicht so der Techfreak bin, ließ ich die Keynotes am Freitag Vormittag aus. Erst bei „Instagram Strategien für Live-Events“ war ich zurück und diesmal ging es nicht um Schriftzüge im Bad, sondern wie man zum Beispiel sein eigenes Profil cool und interaktiv gestaltet. Inzwischen gab es übrigens kaum noch was zu trinken in der Halle, denn das bekommt man als Besucher kostenlos. Die Theke in der Popakademie selbst war aber noch gefüllt und so konnten die letzten Diskussionsrunden beginnen. Die erste, in der ich saß, war voll bis zum letzten Platz. Es ging um die neue EU Datenschutz Grundverordnung. Ein super wichtiges Thema, bei dem viele Fragen beantwortet werden mussten. Auch mein Blog muss die kommenden Tage überarbeitet werden, um gesetzeskonform zu sein. Was das noch alles für Auswirkungen hat, wird sich zeigen. Aber ich bin sehr dankbar, dass es diese Session gab, denn wenn nicht, hätte ich in dieser Rückschau darum gebeten bzw. mich beklagt..
Die aller letzte Session drehte sich nochmal um das Hassliebenthema unserer Zeit: die lieben Influencer. Nun sind Wunderkidz aber zum Glück eine Agentur, die nicht irgendwelchen Modelmädchen Coral Waschmittel und Bifis in die Hand drücken, damit sie sich damit ins Bett legen – die kümmern sich hauptsächlich um Musikthemen und kreieren coole Imagevideos und Zusammentreffen von Influencern und Musikern. Ich stell euch mal das Video zum Geburtstag von Star DJ Tiësto rein, dann könnt ihr euch ein Bild von den Dimensionen und der Stimmung machen.

wunderkidz

So, und ich bin jetzt On My Way nach Lichtenfels. Crashdiet Konzert!!!

Ihr wollt noch wissen, was es mit dem fliegenden Pinguin auf sich hat? Der ist das total niedliche Maskottchen des Pengklub. Das ist ein Tool, über das Musiker und andere Businessprojekte der Popakademie ganz unkompliziert Kooperationspartner finden. Manager, Booker, Social Media Hilfe,… Schade nur, dass der kleine Pinguin am Ende der Veranstaltung weg geflogen ist. Wir wünschen ihm eine gute Reise ❤

Sehen wir uns nächstes Jahr auf dem Future Music Camp?
Eure Foxxy >^.^<

fmc_pengklub

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