„3 Songs, No Flash!“ // Aus dem Leben eines Konzertfotografen

Destruction

Heute stelle ich euch eine neue Tätigkeit aus dem großen Bereich der Musikbranche vor: die Konzertfotografie. Interviewpartner war der „RocknRoll Reporter“ Doc Rock alias Thorsten Seiffert. Alle Konzertbilder, die ihr hier seht, stammen von ihm, die Fotografin der Portraits ist Kathrin Popanda. Alle Links zu seinen Arbeiten findet ihr unten.
Viel Spaß, lernt was und rock on! 😉

Du bist also Konzertfotograf. Fotografierst du für mehrere Magazine? Wenn ja, welche?

In erster Linie bin ich schreibender Redakteur bei einer Lokalzeitung. Die Konzertfotografie kam vor vielen Jahren dazu. Vorher hab ich mit Kameras eigentlich überhaupt keine Berührungspunkte gehabt. Ausschließlich von der Konzertfotografie leben, können mittlerweile nur wenige Fotografen. Zu deiner Frage: Ich fotografiere für mehrere Magazine. Neben dem „Rock Hard“, wo ich quasi in jeder Ausgabe zu finden bin und auch deren Fotograf für ihr eigenes Festival bin, wird meine Arbeit weniger regelmäßig auch in Magazinen wie „Eclipsed“, „Rocks“, „Hardline“ veröffentlicht. Auch im Ausland habe ich schon einige Bilder untergebracht: Etwa im holländischen „Aardshok“ oder dem japanischen „Burrn“. Auf meinen eigenen Webmag www.rocknroll-reporter.de gibt es darüber hinaus auch etliche Fotos, Texte und viel mehr aus meiner Feder. Dazu kommen dann immer mal wieder Veröfftlichungen in Büchern oder CDs und LPs. Kürzlich hat Dan Swanö für das Live-Album seiner Band „Nightingale“ ein Foto von mir für das Gatefold der Platte benutzt. Sieht geil aus und auf sowas ist man dann auch stolz, keine Frage.

Thorsten_seiffert

Für alle, die da noch nicht drin gesteckt haben: Was kommt in der Praxis häufiger vor: Exklusiv für ein Medium oder für mehrere aktiv zu sein?

Exklusiv für ein Medium gibt es immer weniger, weil kaum noch Fotografen im Printbereich fest angestellt werden. Selbst Tageszeitungen setzen mittlerweile auf Pools von Fotografen.

Warum darf man eigentlich immer nur die ersten drei Songs fotografieren?

Das war nicht immer so und es gibt mehrere Versionen, wie es dazu kam. Eine fußt darauf, dass Bruce Springsteen immer genervter von den Fotografen und deren Blitzlichtern bei seinen Shows war. Darauf hat er angeblich die Regel „3 songs, no flash“ eingeführt und sie wurde quasi eine Grundregel. Im Prinzip finde ich die Regel auch völlig in Ordnung. Blitzen ergibt ohnehin kaum Sinn, das Geile an Konzertfotos ist es ja, dass man quasi die Zeit anhält und einfängt, wie die Show war – auch die Lightshow. Wenn man da blitzt, sieht man davon nicht viel. Drei Songs reichen auch für tolle Fotos. Das einzige Problem, was es mittlerweile gibt, ist, dass jeder Depp ein Handy dabei hat und die Fans dann zum Beispiel einen außergewöhnlichen Moment der Show fotografieren dürfen (etwa als Bono sich in Gelsenkirchen damals das Schalke-Trikot spät in der Show angezogen hat – da waren die Profifotografen schon längst in den Redaktionen), während uns als Pros das nicht erlaubt ist.

Angus_young

Wann und wie hast du dir deine erste professionelle Kamera besorgt? Sind ja ganz schön teuer für Jugendliche, die Dinger…

Angefangen habe ich mit einer ollen arg gebrauchten Canon 30D und einem Standardobjektiv. Das habe ich halt zusammengespart. Ich bin hier übrigens anderer Meinung: Noch nie war es so günstig, eine brauchbare Einsteiger DSRL zu bekommen. Will man dann natürlich einen gewissen Qualitätsstandard erreichen, wird es wirklich teurer. Ein Objektiv kostet da schon mal 2.000 Euro. Klar werden dadurch manche technische Dinge einfacher. Etwa bekommt man „mehr“ Licht, wenn eigentlich gar keins da ist, weil die Profi-Kameras auf so etwas eher spezialisiert sind, als die Einsteiger-Dinger. Was man aber auch mit teurem Equipment nicht hinbekommt, wenn man dafür kein Händchen hat, ist das, was ein außergewöhnliches Konzertfoto von einem OKen unterscheidet: das Gefühl für den richtigen Moment, das Know-How in Sachen spannendem Bildaufbau. Sprich: Auch mit einer schlechten Kamera kann man gute Fotos machen – in allen Bereichen der Fotografie. Bei Konzerten hat man nur eine Menge Unwägbarkeiten wie eben Nebel, Licht, Musiker, die sich nicht bewegen (oder Musiker, die sich zu viel bewegen) und so weiter. Du siehst: Konzertfotografen jammern gern und viel über alles 😀

Gibt es für den Beruf Workshops, Lehrbücher etc. oder muss man sich alles selbst beibringen?

Workshops gibt es mittlerweile ne ganze Menge, ich halte da aber nicht viel von. Auf die Live-Situation kann dich kein Workshop vorbereiten, jedes Konzert ist anders, jede Halle, jede Lichtshow. Was natürlich dennoch hilfreich ist, ist sich anzueignen, wie eine Kamera funktioniert, damit man in bestimmten Momenten weiß, was man tun muss, um auf eine Situation (etwa sich megaschnell bewegende Musiker, LED-Lampen, Stroboskop-Geballer oder tiefe Dunkelheit) zu reagieren. Ich habe mir das meiste selbst beigebracht, habe viele Freunde ausgequetscht, die echte Meister sind und so kam eins zum anderen. Am Ende ist es aber auch keine Raketenwissenschaft.

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Hattest du schon mal Ärger mit einem Musiker?

Ärger mit Musikern… wenig. Eher mit deren Managements, die sich immer neue Knebelverträge ausdenken, mit denen sie sich etwa kostenlos alle Rechte an Bilder sichern wollen oder die statt drei Songs, 30 Sekunden im Nebel erlauben (Manson z.B.). Gibt es solch einen Vertrag (und es werden immer mehr), unterschreibe ich den nicht und verzichte auf die Show. Wenn ein Musiker nicht bereit ist, eventuell für die künstlerische Arbeit eines anderen zu bezahlen, kann ich ihn einfach nicht mehr wert schätzen. Wobei ich schon oft erfahren habe, dass die Musiker von so Verträgen bzw. den genauen Inhalten gar nix wissen.

Oder mit Fotoklau?

Fotoklau kommt immer mal vor, bisher war ich da jedoch relativ unbehelligt von. Die zehn, zwanzig Mal, wo das vorkam, konnte ich das ohne Anwalt klären.

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Ich habe gehört, dass man ab der neuen Datenschutzverordnung keine Menschengruppen mehr fotografieren darf, ohne ihre schriftliche Einverständnis zu erhalten. Denkst du, das wird wirklich fatal für den Beruf an sich?

Die Datenschutzverordnung klingt erst einmal nach riesigem Bullshit, bei denen kein Praktiker seine Finger im Spiel hatte. Ich neige aber auch nicht zu hysterischen Überreaktionen und warte erst einmal ab, was passiert. Auf der Papierform ist das für viele aber das Ende ihrer semi-professionellen Webmag/Blogger-Karriere. Die institutionalisiert Presse (was immer das sein mag, ich denke, sie meinen eben Print-Magazine oder sowas wie die Tagesschau) soll weitestgehend weiter so arbeiten können, wie bisher. Abwarten.

Welchen Musiker hattest du noch nicht vor der Linse, würdest aber gerne mal?

Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich die meisten meiner Helden schon mehrfach fotografieren dürfte. Iron Maiden, Kiss, Steve Vai, Aerosmith, Black Sabbath, Bon Jovi, Eric Clapton. Die Stones habe ich bisher immer verpasst, obwohl die Gelegenheit bestanden hätte. Was (mir) immer noch fehlt – und ich glaube fast, das wird nix mehr – ist VanHalen.

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Bist du auch in anderen Fotografie-Bereichen tätig?

Nachdem ich echt jahrelang die Kamera nur zu Konzerten rausgeholt habe, bin ich jetzt seit einigen Jahren auch anders unterwegs. Ich habe beispielweise einmal ein Einjahresprojekt mit 366 (Schaltjahr) Fotos gemacht. Das Projekt hieß „Groundead“ und es ging um Groun Dead, den kleinsten Fotograf des Planeten, der immer auf der Suche nach dem heißestem Schuss in einer Welt voller Gefahren, in einer Gesellschaft, die ihn meistens nicht einmal wahrnimmt, war. Ich habe dabei jeden Tag ein Bild „grounded“, also vom Boden aus  geschossen. [Für Idioten wie mich, die von dieser Antwort verwirrt sind: Groun Dead ist ein fiktiver Charakter. Nach ihm zu googlen bringt nichts ^^]
Wer will findet das hier: http://groundead2016.blogspot.de/

Peopleshootings mache ich ab und zu auch, aber da muss dann alles stimmen, damit ich darauf Lust habe. Ansonsten viel Landschaft und vor allem Luftfotografie. Bei letzteren wurde schon einen achtseitiger Schottland-Reisebericht in einem Drohnenmagazin veröffentlicht.

Was ist dein Lieblingsfestival?

Mein Lieblingsfestival ist eindeutig das Rock Hard Festival in Gelsenkirchen. Schöner kann man nicht feiern. Die Location ist spitze, es hat genau die richtige Größe (maximal 7.000 Zuschauer). Ich mag aber auch die ganz großen Dinger. Wer einmal durch den Fotograben vor der ganz großen Bühne in Wacken gegangen ist, die 70.000 hinter einem stehen gesehen hat, weiß, was ich meine.

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Und dein Lieblingsurlaubsort?

Lieblingsurlaubsort? Überall, wo es nicht mehr als 20 Grad hat 😀


Instagram: https://www.instagram.com/rnr_reporter/
Webseite: http://www.rocknroll-reporter.de/
Facebook: https://www.facebook.com/rnrreporter/

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