Die Fame-Illusion

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Quelle: Pixabay

Warum schaffen es alle anderen, einen so tollen Aufstieg hinzulegen? Nur man selbst sitzt immer noch in seinem schimmeligen Proberaum oder zuhause während alle anderen munter auf Tournee gehen.
Der Typ, der erst letztes Jahr gesagt hat, dass er jetzt eine Band gründen wollte, spielt bereits beim Hurricane! Und die Nachbarin, die nur so aus Spaß ein paar Selfies von sich hochlädt, die nicht mal ein spezielles Talent hat, erhält ohne jede Mühe Werbedeals?? Währenddessen sitzt du immernoch da und feilst an der perfekten Ansprache für dein Idol, mit dem du endlich gemeinsame Sache machen möchtest. Doch du traust dich nicht, weil du eh abgelehnt wirst.

Kommt dir das bekannt vor?
Hast du das Gefühl, dass alle in deinem Umfeld ohne viel Aufwand Fans und Follower gewinnen, Musik und Shirts verkaufen oder auf Tour durchs ganze Land reisen? Das alles während du dir den A***h aufreißt, ohne, dass je etwas Nennenswertes passiert. Wirkt das nicht irgendwie… unlogisch? Ja gar… unfair!?

Nein. Denn es ist eine optische Täuschung.

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Quelle: Pixabay

Kurz gefasst lässt es sich so erklären:

  1. Du siehst immer nur, das, was erfolgreich wird bzw. „viral geht“. Alles andere entzieht sich deiner Aufmerksamkeit. Oder du siehst es, aber denkst nicht weiter darüber nach, belächelst es gar. Doch die wenigen Menschen, die mit ihrem Vorhaben schnell groß werden, DIE fallen auf. Die sind dir wortwörtlich ein Dorn im Auge.
  2. Ab einem gewissen Punkt stehen Profis hinter jedem künstlerischen Projekt – und deren Aufgabe ist es unter anderem, den Erfolg wie etwas absolut Natürliches aussehen zu lassen. Etwas, das sich einzig und allein aus dem Talent des Künstlers ergeben hat. Die Wahrheit zu zeigen, würde die romantische Illusion zerstören.

In Wahrheit sind die Gründe für Erfolg meistens eine Kombination aus diesen drei Faktoren: Ein großes (Werbe)Budget, das deinem Projekt zur Verfügung steht und durch das alles etwas beschleunigt werden kann (oft der Fall bei den Kindern und späten Projekten bereits erfolgreicher Personen); oder du hast riesiges Glück und findest jemanden, der eine enorme Reichweite und viele Möglichkeiten hat, der dich unter seine Fittische nimmt; oder du investierst 140% deiner Zeit und Energie in deine Idee. Das bedeutet auch, gewisse Risiken und Opfer dafür einzugehen.
Die wenigen glücklichen Fälle, die sich diesem Schema entziehen, fallen uns umso mehr auf. „Stars“, die scheinbar aus dem Nichts kommen, erhalten eine solche mediale Aufmerksamkeit, dass es uns Normalbürgern regelrecht unter die Nase gerieben wird: „ihr seid unfähig“.
Aber das ist Bullshit.

Die Sei-du-selbst-Lüge

Ebenso Bullshit ist die Aussage vieler „auf dem Boden gebliebener“ Sternchen, die bei jedem Interview wiederholen: ‚Der Schlüssel zum Erfolg sei, man selbst zu bleiben. Verbiege dich nicht, die Menschen merken das. Dann bist du nicht authentisch.‘

Solche Aussagen kennen wir doch alle, oder?

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Quelle: Pixabay

Das ist aber völliger Käse. Spätestens jetzt, bei meiner Recherche zum Thema Markenaufbau (weil ich darüber meine Abschlussarbeit schreibe) stoße ich immer wieder auf den Rat: Um als Marke (also auch als Band, Sänger, Produzent, YouTuber…) bekannt zu werden, muss man sich auf wenige Charaktereigenschaften konzentrieren und darf nichts tun, was dieser Klarheit wiederspricht.

Heißt: Man muss als Künstler jeglicher Art viel plakativer sein, als man das als Mensch eigentlich wäre. Man darf nichts tun, was dem Image widerspricht. Ich zum Beispiel erfülle diese Ansprüche – mit Absicht – nicht. Denn entweder hieße das, ich müsste jedem Nachwuchskünstler helfen können und mit vollem Einsatz persönlich unter die Arme greifen. Oder ich dürfte den ganzen Tag nichts anderes als Rock und Heavy Metal hören, müsste immer Schwarz, Glitzer und Animalprints tragen – ohne Ausnahme – und am besten mir noch das Hirn weg koksen. Das wäre der wahre Sleaze Rock Lifestyle 😛
Ich liebe Animalprints, alles was Glitzert, die Musik und Partys. Das ist die Wahrheit. Ich lüge nicht. Aber was ist mit der Sarah, die in Jeans und Pulli bei ihrer Tante im Garten sitzt und über vegetarische Rezepte redet. Nebenbei dudelt das Mainstremradio und ich kann alle Texte mitsingen. Die Sarah gibt es auch und ich werde einen Teufel tun, diese zu verheimlichen.
Persönlich finde ich Leute, die sagen, sie würden nie etwas anderes als echten Metal hören, sogar etwas anstrengend. Wenn ich die Macht hätte, würde ich eine Stiftung gründen, die sich für mehr Stil-, Hobby- und Szenenakzeptanz untereinander einsetzt. Das wäre Gift für einen klaren Markenaufbau, aber ein ehrliches Anliegen.
Im Herzen bin ich ein Hippie – aber ich mag keinen Psychedelischen Rock. Dumm gelaufen… xD

Soll heißen: Wer bei einer Zielgruppe richtig und 100% durchstarten will, muss sich in ihrer Mitte profilieren. Durch Social Media und solche Geschichten wurde das Showgeschäft zwar vermeintlich ehrlicher, doch wenn man genau nachdenkt, kann man durch seine täglichen Storys noch viel mehr Realität vorgaukeln als nur auf der Bühne und in den Medien. Wo ja jeder davon ausgeht, dass ein bisschen Inszenierung dabei ist. Gezieltes „ich bin genauso wie ihr, deswegen müsst ihr euch noch schlechter fühlen, weil ihr nicht so erfolgreich seid wie ich“ existiert überall.

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Band: Sextrow. Aufnahme aus ihrem Studio.

Noch so eine Floskel: Don’t give up

Dieser Artikel soll die Kreativen dieser Welt und ihre Taktiken nicht schlecht machen. Sie funktionieren ja scheinbar und sie geben uns eine Welt der Träume und Motivation. Wenn euer Erfolg nach außen leicht aussieht, habt ihr alles richtig gemacht.

Es soll nur ein kleiner Mutmacher sein für alle, die an sich und an der Langsamkeit ihres Fortschritts verzweifeln. Für all die hoffnungsvollen Rockbands da draußen, die endlich auf die großen Bühnen wollen. Für all die Blogger, von denen ich ständig lese, dass sie sich endlich faire, interessante Kooperationen wünschen. Für all die Schauspieler, Maler, Cosplayer, Models, Comedians, die sich wundern, warum alle anderen so viel mehr Besucher, Kunden, Follower haben, obwohl man sich doch auch so viel Mühe gibt.

Truth is: Es wirkt nur so, als wärt ihr die einzigen! Ihr seht die anderen nur nicht. Oder seid froh, dass ihr „wenigstens“ die jetzt hinter euch gelassen habt. Das ist alles, was hinter dieser Illusion steckt.

Ich kann euch leider nichts anderes raten außer einer dieser Floskeln. Dass man nicht gleich den Kopf in den Sand stecken darf. Entweder, man überlegt sich eine Strategie und riskiert etwas, um den Durchbruch zu schaffen. Oder man chillt einfach und denkt sich: Hey, so ist das viel entspannter 😀 Ich werde wenigstens nicht ständig auf der Straße angequatscht und kann trotzdem meine Leidenschaft ausleben!
Das hat auch seine Vorteile…

Zum Abschluss hätte ich noch eine Bitte an die Welt: Hört auf, Anfänger einer jeweiligen Kunst wegen ihres Anfängerstatus‘ zu haten.
Jeder fängt klein an, ohne Erfahrung, ohne gewinnbringende Kontakte, ohne Equipment und Auszeichnungen! Wenn ihr sie dafür fertig macht, erstickt ihr ihr Hobby und vielleicht einen großen Durchbruch im Keim. Das ist sehr schade.

Seid nett zueinander und helft euch lieber, als euch gegenseitig überbieten zu wollen.
Am Ende geht es so vermutlich sogar schneller, mit dem erhofften Erfolg ❤
Ich wünsche euch dabei ganz viel Glück und Durchhaltevermögen. Eure Foxxy.


 

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