Die (schwarze) Magie des Fangirling

interview_ganze_band

So, jetzt drehen wir mal den Spieß um, liebe Männer. Auch wenn das Phänomen des „ausgeprägten Fanseins“ auf männliche Wesen zutreffen kann, wird im folgenden Artikel immer das Wort „Fangirling“ benutzt werden, und nicht Fanboy & -girling. Ätschibätschi!

Es soll um den Zauber gehen, der von diesem Zustand ausgeht. Die Tatsache, dass er schon das eine oder andere Leben gerettet hat – aber leider auch zerstört.

Auf Facebook habe ich in die Runde gefragt, was die besten Fangirl-Momente von anderen Leuten waren. Manche davon sind so gut, ihr müsst sie unbedingt gelesen haben 😀 Bitte hier klicken

Ein paar Beispiele:
Mein bester Fan-Girl Moment war am 07.07.2007 (tolles Datum ) als ich die erste Headliner-Show von Black Label Society hier in DE in der ersten Reihe genießen und feiern konnte und als Zakk nach der letzten Zugabe in den Graben gesprungen ist und jeden der in der ersten Reihe stand umarmte….. das ist absolut unerreicht… meine Freundin, die damals dabei war, hat sich sogar 07.07.07 als Tattoo stechen lassen deshalb…. (Susanne)

Nach der Show stand meine damalige Lieblingsband im Foyer des Clubs und gab Autogramme. Für mich war es das ca. 5. Konzert binnen kurzer Zeit, deshalb stand ich eher am Rand und hielt mich ein bisschen zurück und wartete auf eine Freundin, die ein Foto mit dem Sänger machen wollte. Nach dem Foto grinste er zu mir rüber und meinte: „Du bist ja schon wieder da. Schreib mir mal deinen Namen auf, ich pack dich beim nächsten Mal plus so viel du willst auf die Gästeliste.“ (Katharina)

Wenn der Soundtechniker deiner Lieblingsband dich fragt ob du und deine Freunde noch mit zur Aftershowparty wollt und du einfach mal durch den ganzen club schreist und deine beste Freundin „fragst“ ob wir mitkönnen 🤣 (Misha)

Dieses Fansein, jemand anderen bewundern, ihn persönlich kennen lernen wollen, alles über ihn sammeln und wissen, sich über jede Kleinigkeit freuen, das ist schon ein interessantes Phänomen, über das sich ganze Psychologiebücher füllen lassen könnten. Muss irgendwie evolutionär bedingt sein, würde ich wetten. Ein weiser Mensch sagte einmal:

Es gibt eigentlich nur 3 Gründe, aus denen man die Person auf der Bühne bewundert.
1. Der da oben ist genau so wie du.
2. Der da oben ist genau so, wie du gerne wärst.
3. Mit dem da oben würdest du gerne ins Bett.

Ihr könnt euch jetzt selbst aussuchen, welche dieser drei Thesen jeweils auf euch zutrifft. Ich persönlich finde, es gibt kaum eine Bindung die stärker ist, als die zwischen zwei Mädchen / Frauen, die Fans vom gleichen Typen sind oder von zwei Kerlen aus einer sozialen Gruppe. Bei so einer Situation werden wahrhaft telepathische sowie detektivische Kräfte freigesetzt, die jeden Mentalisten und CSI Agenten in den Schatten stellen. Und zu genau diesem Zustand habe ich vor allem zwei wichtige Geschichten zu erzählen.

fangirl_jizzy.jpg
Jizzy während Reckless Love spielen ^^

Die erste ist die eher Traurige. Mit einer Schulfreundin war ich früher viel auf Konzerten unterwegs. Sie war es sogar, die mich dazu gebracht hat, die Musik nicht nur zuhause für mich zu hören, sondern auch auf Festivals und Co. zu gehen. Wir waren viel am „Fangirlen“ und das war eine ziemlich lustige, chaotische Zeit mit sehr verrückten Erfolgserlebnissen und Details, die ich hier nicht posten werde. Doch irgendwann hab ich mich entschieden, professionell in die ganze Musik- und Showbranche einzusteigen. Spätestens dann musst du zwar noch immer begeisterter Fan sein, aber du darfst den Musikern und Veranstaltern auch nicht mehr zur Last werden. Du musst lernen, mit den Künstlern mehr wie mit jedem anderen Menschen / Geschäftspartner auch umzugehen, zumindest in den Momenten, wo es gefordert ist. Außerdem musst du bedacht damit umgehen, bei wem du „Werbung“ für den jeweiligen Act machst und bei wem von vorne rein klar ist, dass es verschwendete, eher störende, Liebesmüh ist. Und so kam es, dass wir nicht mehr zusammen auf die Konzerte gegangen sind.

pizap.com10.79845041409134861384102549918

Eine etwas andere Wendung nahm etwa 2 Jahre vorher diese Geschichte:
Ich war in den USA als Austauschschülerin für genau ein Schuljahr. Ich werde hier nicht genau erklären, was, wieso, warum, aber lasst euch gesagt sein, dass mich das Leben im Haus meiner „Gastfamilie“ irgendwann ziemlich runtergezogen hat. Vor Ort, als noch kleine unwissende Sarah, dachte ich, ich sei im Unrecht. Ich dürfte es mir mit ihnen nicht verscherzen, denn dann würde ich in den Flieger nach Hause gesetzt. Ein riesiger Haufen Geld, den meine Eltern gezahlt hatten sowie ein Schuljahr einfach für die Katz, zum Fenster herausgeworfen, und den Spott der anderen „Exchangees“ noch dazu. (Anmerkung: an die Organisatorin wenden hätte nichts gebracht, sie war noch strenger und unerträglicher als meine Gasteltern und hätte mich ziemlich zurecht gewiesen^^). Also macht klein Foxxy das Beste draus und verbringt viel Zeit in der Schule, mit den dort typischen Vereinen / Freizeitaktivitäten und dem Nachbarsmädchen.

Wir haben uns nicht auf normalem Wege angefreundet, sondern wurden es quasi von außen, dadurch dass ihre Mutter und meine Gastmutter eine nachbarschaftliche Freundschaft pflegten (die später übrigens zerbrach). Wir verstanden uns ganz gut, doch sie hatte mit schwierigen Depressionen zu kämpfen und es gab Tage, da war sie so lustlos, müde und unansprechbar, dass wir keine so wirkliche Verbindung aufbauen konnten. Ich wusste nicht recht, damit umzugehen. Eines Tages zeigte sie mir aus dem Nichts heraus das Video zweier alberner YouTuber. Wir lachten uns kaputt, schauten noch weitere und stellte fest, dass wir ein Duo gefunden hatten, von dem wir gemeinsam Fan sein konnten. Yippie! Und wir waren uns auch noch einig, was die Aufteilung anging! Für diejenigen, die sie kennen: Es geht um Dan und Phil. Sie stand auf Phil, ich fand Dan toller.

Und dann ging es los.

Das Nachahmen. Die Zitate, die wir in jeder Situation raushauten und immer ein bisschen veränderten, bis die absurdesten Insider entstanden. Das zusammen bäuchlings auf dem Bett liegen, die Videos schauen und über die Jungs lachen. Shirts kaufen. Gesten nachmachen. Manchmal nur die wissenden Blicke quer durch den Raum, wenn irgendein Stichwort fiel.
Ich schwöre euch, jedes Teenagermädel hat das schon mal erlebt.
Von dem Moment an waren wir ein Herz und eine Seele, die sich wirklich zu kennen und zu vertrauen schienen. Mein Austauschjahr war gerettet.

april 012

Mit diesen Worten schicke ich euch jetzt ins wohlverdiente Wochenende.
Bleibt fangirly 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s