Warum manche Bands einen Split überleben – und andere nicht

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Vorweg sei mal wieder gesagt: Ausnahmen bestätigen die Regel!
Es wird immer Fälle geben, die – mal aus guten Gründen, mal aus purem Zufall – nicht der statistischen Norm entsprechen. In den meisten Fällen ist es aber so:

Vielleicht ist es euch schon einmal aufgefallen: Manche Gruppen können nach Lust und Laune Musiker austauschen. Ihrer Popularität tut dies keinen Abbruch. Die Fans bleiben die gleichen. Die Verkaufszahlen bleiben die gleichen. Über die Jahre hinweg wird fast das gesamte Line Up ausgetauscht, am Ende bleiben vielleicht noch zwei Mitglieder der Ursprungsbesetzung. Alles kein Ding.
Bei anderen geht sofort der größte Shitstorm los. Empörung. Fans, die die Fangemeinschaft verlassen. Ein Zerriss des nächsten Albums. Totale Umorientierung. Vielleicht sogar ein Wechsel des Namens oder eine Auflösung.
Diese Unterschiede haben selten mit dem rein technischen Können eines Musikers zu tun. Woher kommen sie dann?

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Foto: Stroppel

Die Lösung: Es kommt auf die „Marke“ an.
Bleibt sie bestehen oder wird sie zerstört?

Mir ist dies an einem etwas seltsamen Beispiel aufgefallen. Ich spreche heute hauptsächlich über Bands aus dem Rockbereich oder der weiter gefassten populären Musik. Dennoch sieht es bei unserem kleinen Musicalchor auf dem idyllischen Land ähnlich aus:
Den Musicaltrupp gibt es seit über 25 Jahren! Seitdem haben sich die Mitglieder komplett verändert. Die erste Generation hat längst eigene Kinder, ist verheiratet. Die jüngeren strömen nach. Dennoch ist es immer noch dieselbe Gruppe, mit demselben Spirit und der selben Beliebtheit.
Das liegt zum einen daran, dass die Leitung konstant von den gleichen Personen übernommen wurde. Es liegt aber auch an der Marke, also dem, was die Gruppe verkörpern soll. Welches Mindset sie hat. Das Image. All solche Sachen.

Wenn bei einer Rockband jemand aussteigt, der nicht zu dieser Außenwirkung beigetragen hat, beispielsweise der Keyboarder einer Band, die eigentlich nur für ihren Sänger und die provokanten Texte bekannt ist, bemerkt das kaum jemand. Steigt der Gitarrist derselben Gruppe aus, der mit seinen knallgrünen Haaren immer das Bühnenbild geprägt hat, ist dies schon ein härterer Schlag für die Gruppe. Wirft der Sänger das Handtuch, der die Band gegründet hat und der für die provokanten Lyrics verantwortlich ist, kann der Rest auch einpacken. Da kann der Nachfolger noch so gut  ausgebildet sein, noch so viele Preise im Laufe seines Lebens gewonnen haben und selbst ein noch so spannendes Image haben. Es ist nicht mehr das gleiche. Der Name des Acts wird plötzlich mit etwas anderem in Verbindung gebracht. Langzeitfans, Redakteure, Veranstalter, alle sind verwirrt.

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Was heißt das für euch, wenn ihr euch vor eurem Karriereaus schützen wollt?
Wenn ihr als Band bestehen bleiben wollt, auch wenn jemand sich entscheidet, der Familie oder dem Job mehr Zeit zu widmen und aussteigt, solltet ihr von Anfang an ein Image kreieren, dass die Betonung auf die Gruppe als ganzes legt. Auf euren Stil. Eure Herkunft. Was auch immer. Legt den Promotion-Fokus nicht auf einen exzentrischen Frontmann oder eine kreative Frontfrau.

Das heißt aber auch gleichzeitig, es ist schwieriger, diese Marke am Anfang zu etablieren. Denn markante Personen bleiben nun mal im Gedächtnis hängen. Sie sind beliebte Interviewgäste, werden gerne auf Plakate gedruckt etc.

Bei Sängern ist das Phänomen besonders stark, da ihre Stimmfarbe meist einzigartiger ist als ein bestimmter Stil am Instrument. Auch sind sie in der Regel die Leader der Band. Das ist nicht immer so. Generell geht es dann am schnellsten bergab, wenn der Gründer / Mastermind hinter einem Projekt aussteigt.
Natürlich kann ein Act auch wie ein Phönix aus der Asche aufsteigen. Meist geht damit aber auch ein Imagewechsel einher. Die Marke ändert sich, nur der Name bleibt vielleicht. Oft werden in solchen Momenten das Logo, die Outfits und mehr geändert. Den Name möchte man nur behalten, weil er bereits bekannt ist.

Für euch in der Praxis ergibt sich aus dem Phänomen hauptsächlich eine Entscheidung:
Seid ihr als Projekt eine Marke, bei der alle Einzelspieler ausgetauscht werden können? So ist es zum Beispiel bei Sportmannschaften. Oder stützt ihr eure Strategie auf die einzelnen Personen eurer Gruppe?

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