Tipps für Musiker: Umgang mit den Fans

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Es ist ein unterschätztes Thema im Musik-Journalismus, in dem es meist nur um die geht, die auf der Bühne stehen: das Verhältnis zwischen den Musikern (oder Künstlern generell) und ihren Fans.
Welche typischen Situationen ergeben sich? Wo sind die Grenzen dessen, was in Ordnung oder erlaubt ist – von beiden Seiten? Und welche Chancen ergeben sich daraus, wenn man Fans hat oder ihnen begegnet?

Aus meiner eigenen Erfahrung und der von Künstlern habe ich heute ein paar mögliche Vorgehensweisen gesammelt, die beide Fraktionen glücklich machen können:

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  • Oft gesagt aber einfach wahr: Denkt immer daran, dass ihr ohne eure Fans nichts seid – vorausgesetzt, ihr wollt als Künstler Anerkennung, auf großen Bühnen spielen und vielleicht auch etwas Geld mit eurem Talent verdienen. Diese Ziele könnt ihr ohne Menschen, die eure Musik abfeiern, nicht erreichen. Macht euch das im Zweifel immer wieder bewusst.
    Wenn ihr aber zu denen gehört, die nur Musik machen möchten, weil es ihnen gut tut… die einfach eine schöne Jamsession mit guten Freunden abhalten wollen – dann seid ihr auch ohne Fans alles, was ihr sein wollt.

 

  • Vor allem zu Beginn eurer Karriere sollten ihr mit möglichst vielen, die eure Songs gut finden, echte Freundschaften aufbauen. Zum einen, weil ihr sie noch nicht wirklich als „Fans“ sehen solltet. Damit hebt ihr euch automatisch ein bisschen über sie. Zum anderen, weil ihr dann immer Leute haben werdet, die euch bei Projekten unter die Arme greifen können – und die vielleicht irgendwann sogar stolz darauf sein werden, euch schon gekannt zu haben, bevor ihr cool ward 😉

 

  • Gebt allen, die daran Interesse haben die Möglichkeit, jederzeit über alles informiert zu sein, was ihr tut. Wie heißen eure bisherigen Alben? Wie kann man euch für eine Party, ein Konzert, ein größeres Event buchen? Auf welchen spielt ihr demnächst? Welche Musikvideos gibt es? Wie heißt ihr?
    Betreibt am besten eine eigene Website und haltet Social Media Präsenzen aktuell. Ihr wisst nicht, wie groß der Frust auf der anderen Seite sein kann, wenn Infos nicht zu finden sind.

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  • Wenn ihr jemanden als Fan gewonnen habt und behalten möchtet, ladet ihn gratis zu einer Show ein. Plus 1 versteht sich, denn so gewinnt ihr noch einen Fan. Wichtig dabei ist: Nicht immer dieselben Personen bevorzugen und wenn jemand offensiv nach einem Platz auf der Gästeliste fragt, besser vorsichtig sein. Auch wenn es gute Freunde sind, denn sie sollten euch unterstützen wollen.

 

  • Macht diese Fans und andere zu euren Promotern. Ob ihr sie mit Stickern ausstattet, Plakaten oder Merch… auch eine Flagge fürs Festivalcamp ist gut geeignet. Es kauft zwar niemand etwas, nur weil er eine Werbung gesehen hat – aber euer Name wird präsenter und kann einer Stilrichtung zugeordnet werden. Das Streetteam-Konzept ist nicht tot. Es muss nur modern überdacht werden.

 

  • Ab einer gewissen Größe sollet ihr feste Autogrammstunden oder Meet & Greets einplanen. So könnt ihr die „Gefahr“ eindämmen, ständig mitten auf dem Weg angesprochen zu werden. Verweist im Zweifelsfall auf den Termin. In diesem Moment könnt ihr euch dann auch voll auf die Fans einlassen und habt nicht eigentlich was anderes vor.

 

  • Wenn doch jemand überraschend nach einem Foto fragt: Versucht zuerst mal, darauf einzugehen und nicht abzulehnen. Wenn euch wirklich nicht nach Fotos ist, weil ihr zum Beispiel einen Bad Hair Day habt, bleibt trotzdem freundlich und haltet zumindest kurz Smalltalk oder sagt ihnen, wo sie euch später finden können. Letztlich wird den Fans das persönliche Kennenlernen mehr wert sein als ein „Hi!“ – *Foto mach* – „Tschüss.“
    PS: Wenn es mit den Fragen nach Fotos oder Autogrammen zu krass wird… werdet ihr vermutlich nicht diesen Beitrag lesen, sondern längst mit Profis arbeiten und nicht mehr ohne Sonnenbrille oder Security aus dem Haus gehen 😛

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  • Wird jemand zu aufdringlich, gibt es einen Trick: Entkoppelt die Situation. Stellt euch vor, ihr seid in dem Moment kein Musiker/Künstler und der andere ist kein Fan. Geht die Aktion des „Fans“ über die Rechte von Privatsphäre, Intimbereich, Kriminalität etc. hinaus, geht mit ihm so um, wie ihr es „normalerweise“ in einem solchen Fall tun würdet. Warum ich das so formuliere: Weil ihr weder Starallüren raushängen lassen sollt noch euch dazu verpflichtet fühlen solltet, auf jeden Wunsch und jedes Drängen einzugehen.

 

  • Haltet ihr Treue nicht für selbstverständlich. Jeder Fan ist ein freier Mensch und kann sowohl seinen Geschmack als auch seine Meinung ändern. Also nicht auf Lorbeeren ausruhen.

 

  • Wenn die allgemeine Kritik hart und unhöflich wird, setzt euch als Gruppe zusammen und überlegt, was euch wichtiger ist: Eure Linie durchzuziehen im Namen der Kunst – oder Fans zu halten, um coole Auftritte und Co. zu haben. Gegenüber der Öffentlichkeit könnt ihr eure Werke erklären. Aber holt niemals zum Gegenschlag aus und nennt sie alle „Kunstbanausen“. Bei jedem Stilwechsel werdet ihr außerdem plötzlich neuen Leuten zusagen.

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  • Wenn Fans Interviews mit euch oder Reviews über euch machen wollen, nehmt sie auf jeden Fall an. Sie sind viel besser über euch informiert, stellen wirklich neue, interessante Fragen, werden vermutlich etwas Positives schreiben / erzählen und damit auch noch hausieren gehen.

 

  • Sofern sie nichts dagegen haben: Verlinkt Freunde und Fans auf Social Media. Sie werden sich freuen und es erwidern. Die typischen Fotos von der Bühne runter zum Selbstverlinken sind gar keine dumme Idee – wäre da nicht die lästige DSGVO: Bitte generell damit beschäftigen, bevor ihr an die Öffentlichkeit wollt.

 

  • Wenn ihr etwas verkauft oder verteilt (Alben, Poster, DVDs,…), versucht möglichst viele mit Unterschrift und Widmung und / oder kleinen Extras zu verkaufen. Das steigert den Abverkauf und stärkt tatsächlich die Bindung zwischen Act und Fan.

 

  • Zum Abschluss tut mir einen Gefallen: Schlaft nicht mit jedem dahergelaufenen Fan, vor allem nicht, wenn daheim jemand sitzt, der das gar nicht cool findet 😉

Viel Spaß auf den Bühnen der Welt!
Eure Foxxy

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