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Zwei von der Hinfahrt verschwitze Festivalbesucher begaben sich 2019 anno domini auf die unmögliche Mission, ihre Freunde auf dem Gelände einer verwunschenen Farm zu finden. Denn diese wirkte verblüffend verlassen.
Sie sahen unter Heuballen nach und auf den Wiesen, hinter Bürogebäuden und auf frisch sanierten Wasserklosetts – doch nirgends konnten sie ihre Gefährten finden. Es war hoffnungslos – bis eine wollige Eingebung sie in Richtung Alpakagehege steuerte! Auf dem Weg dorthin wurden sie tatsächlich fündig: Eine kleine Gruppe unbeugsamer Gallier hatte es sich mit Zaubertrank und Trailerpark am Schweinestall gemütlich gemacht. Da saßen sie, erzählten vom heroischen Kriegsmarsch der vergangenen Nacht und waren trotz der Strapazen bereit, in den nächsten Kampf zu ziehen: die zweite Runde des Farmfests.

Ja, so hat es sich tatsächlich zugetragen am vergangenes Samstag, als in Brockhöfe das zweite offizielle Farmfest stattfand. Die kleine Geschichte zeigt, dass viele Gäste gerne lange, anstrengende Wege in Kauf nehmen, auf denen nicht immer alles nach Plan läuft, nur um mal wieder auf der Farm vorbei zu schauen. Die Gruppe der „Gallier“ beispielsweise war aus Leipzig angereist und steckte wegen eines Brands stundenlang auf der Bahnreise fest. Den ersten Tag, an dem eine kleine aber feiner Schar von Musikern ein Akustikprogramm zum Besten gab, hatten sie dadurch leider verpasst.

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An sich eine klasse Idee, das Festival mit einem gemütlichen Abend anklingen zu lassen. Doch wer von weiter weg als Hamburg kommt, hat es schwer, freitags rechtzeitig dort zu sein. Sollte das nächste Jahr wieder so aufgebaut sein, werde ich auf jeden Fall versuchen, Urlaub zu nehmen. Aber so blieb nicht viel anderes übrig, als samstags morgens los zu fahren, denn die Fahrt dauert 4 bis 5 Stunden.

Neu war außerdem, dass „das gemeine Fußvolk“ dieses Mal auf einem Campingplatz außerhalb der Farm campte. Denn den Rahmen des Privaten sprengt das Farmfest schon lange und nur so können alle Gäste ordnungsgemäß untergebracht werden. Doch der Weg bis dahin ist scheinbar recht weit (ich bin nicht mitgelaufen, habe im Auto geschlafen). Deswegen kam irgendwann die heitere Idee auf: Wie wär’s mit einer Kutsche, die als Shuttle dient? In der Gegend haben sicher einige Bauern noch alte Pferdekutschen und ich wette, dafür wären die Farmfestfans auch bereit zu zahlen.

Es gibt so viele Möglichkeiten. Doch widmen wir uns nun der Musik und dem Veranstalter.

#SaufenfürStefan

Der beste Hashtag, der je erfunden wurde!

Stefan Cordes, der das Festival mit Freunden und Eltern auf dem eigenen Grundstück veranstaltet, hat sich bisher nämlich noch dagegen entschieden, Eintritt zu nehmen. Das heißt, die ganze Sache finanziert sich allein über den Verkauf von Essen, Getränken und Spenden.

Leider waren, trotz der größeren Planung, dieses Jahr weniger Besucher da als letztes Mal. Da diese nicht unbegrenzt viel essen und trinken können (oder sollten…), ist es umso wichtiger, dass ihr nächstes Jahr alle dabei seid. Und bringt eure Freunde mit! So eine Atmosphäre findet ihr nicht auf den „üblichen“ Festivals, egal welches Motto sie haben.
Nur hier hast du ein Fachwerkhaus direkt hinter dir, während du vor der Bühne Fotos schießt. Nur hier schläfst du neben riesigen Geräten ein, die aussehen, als könnte man damit Planeten attackieren – die aber eigentlich dafür gedacht sind, um Wasserschläuche aufzurollen. Und nur hier wachst du auf und bestaunst beim morgendlichen Kaffee eine Ziege, die genauso neugierig aus ihrem Häuschen schaut.

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Picture by Marv Sextrow. Einfach mal frech geklaut weil so genial ❤

Saufen für Stefan schön und gut. Aber noch schöner wäre es, wenn 2020 wieder mehr Leute mitfahren. Oder die Drinks müssen halt etwas teurer werden. Im Vergleich zum Graspop und Co. war alles ein Schnäppchen. Nur Aldi is billiger. 😉

Die Running Order:

Freitag
20:40 – 21:40 Leif Astroid
19:20 – 20:20 Edy Edwards
18:00 – 19:00 Jerry K. Reed

Samstag
21:00 – 22:00 Night Laser
19:40 – 20:40 Formosa
18:20 – 19:20 Sassy Society
17:00 – 18:00 Loveshocks
15:40 – 16:40 Sextrow

Da ich freitags auch nicht da war, kann ich darüber nicht viel sagen.
Samstags wollte ich aber extra früh genug los, um Sextrow sehen zu können.

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Sextrow

Die Jungs aus Köln und Umgebung durfte ich schon vor ihrem ersten Release im Studio besuchen. Jetzt konnten sie einige Monate Bühnenerfahrung sammeln und sind als Band miteinander gewachsen. Ihren Neuzugang am Bass werden sie uns hoffentlich bald näher vorstellen… Noch versteckt er sein Gesicht und seine Identität auf der Bandseite. Doch der erste Gig war ein voller Erfolg.
Die Show begann mit einer Konfetti-Kanone und weil sich so früh am Tag noch keiner traute, direkt vor die Bühne zu kommen, lockten Sextrow die Zuhörer mit gratis Sekt nach vorne. Das ist so simpel wie genial.
Später versuchte ich noch, ein spontanes Interview mit den Jungs zu organisieren, nachdem ich spontan meinen Camcorder eingepackt hatte. Bei dem versagte aber nach kurzer Zeit die Speicherkarte und jetzt muss ich schauen, wie viel brauchbares Material zur Verfügung steht… Falls nicht: das holen wir nach!

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Loveshocks

Nach dem recht bunten, glamigen, gesprächigen Auftritt mit fünf Mann auf der Bühne kamen Loveshocks an die Reihe. Fast ganz in Schwarz, nur zu dritt, wortkarg und rau. Sie wirkten punkig im Kontrast und durften den Teil der Veranstaltung einleiten, in dem nicht mehr alle Aufmerksamkeit auf die Show gerichtet war, sich die Halle aber langsam füllte. Kurz: es wurde geselliger. Dazu spielten die Loveshocks ihre Songs und wirkten dabei gleichzeitig wie eine ganz frische Undergroundband und Leute, die solche Shows schon tausend Mal gemacht haben. Wer sie noch nicht kennt, darf gerne hier vorbeischauen.

Es folgte ein Act, der schon im letzten Jahr dabei gewesen war. Wegen stilistischer, örtlicher und freundschaftlicher Nähe würde ich sagen. Es passt einfach:
Sassy Society brachten die Gäste zum gemeinsamen Singen von „Lipstick Love Affair“, dem Titelsong ihres ersten Albums. Im September folgt das zweite. Während „Sassiety“ auftraten, wurde ein Kuchen mit Logos von Bands und dem Farmfest serviert, der Hashtag #SaufenfürStefan wurde in die Runde geworfen und einige Fans hatten es sich (wie es sich für einen Kaffeeklatsch gehört) auf dem Boden in der Frontrow gemütlich gemacht.

Auch diese Band, deren Mitglieder so malerische Namen tragen wie Mr. Six Toe Joe und Sunny Shyboy, ist in den letzten Jahren mit der Erfahrung gewachsen und klingt nicht mehr nach Anfängern. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann hat der Sänger der Truppe erst vor kurzem geheiratet. In diesem Falle: Herzlichen Glückwunsch! Und die unausweichliche Frage: War sie ein Groupie? 😛 Wir wollen die Lovestory hören.

Sassy_laser
Sassy Society + die schönsten Groupies aller Zeiten

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Als nächstes waren Formosa an der Reihe. Für die Gruppe mit dem Leoparden-Kratzspuren-Logo steht bald eine längere  Tour ins Haus. Das Farmfest war für sie nur der Anfang. Für unseren kleinen Trupp war es Zeit, mal eine kurze Pause vom Singen und Feiern zu machen. Mit klein Luis, dem süßesten Metal-Fan der Veranstaltung, ging es auf die frische grüne Wiese. Auch von hier aus hatte man das Treiben der Stage noch in Auge und Ohren. Es wurden die idyllischsten Fotos des Tages geschossen, lecker Grillkäse gegessen und das Wetter genossen, das herrlicher nicht hätte sein können.

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Formosa
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Guardians of the Luis

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Zu guter Letzt waren Night Laser an der Reihe. Huiuiui, die können Party machen…
Mit dunkleren, sleazigeren Outfits als bisher ließen sie Pyrofontänen knallen und die Fangirls aus der ersten Reihe quietschen. Beinahe wäre noch die Bühne abgefackelt. Aber nur beinahe.
Auch Night Laser stellten uns einen neuen Musiker vor. Tönjes ist bereits Mitglied bei Sassy Society, hat an dem Abend also zweimal die Gitarre gespielt. Und damit das alles so klappt, wie es soll, musste er in kürzester Zeit alle Songs von Night Laser zusätzlich zu denen von Sassy Society lernen und hat das kommende Album der Laser-Truppe scheinbar in wenigen Tagen eingespielt. Wenn es herauskommt, werde ich mir die Zeit nehmen, für euch darüber zu berichten.

Night Laser spielten, bis es dunkel wurde. Währenddessen retteten Amara und ich eine Ameise davor, zertrampelt zu werden und sind wahrhaft stolz auf unseren Heldenmut.

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Night Laser

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Nach der Musik

Der Abend ging noch lange weiter und endete wohl irgendwann morgens um 6 mit „Ey Macarena!!“ Davon wach zu werden, wie das Lied mit Metal-Screams gesungen wird ist… nun… ich nenne es mal ein Erlebnis.
Insgesamt war aber alles super entspannt. Nach der Livemusik liefen noch Songs vom Band. Statt einer lauten, wilden Party saß man gemütlich am Lagerfeuer. Hier und da spielten noch die Kids von Familien aus der Gegend. Die beiden Hunde des Hofes liefen herum und waren überfordert davon, wie viele Leute sie streicheln wollten. Der Himmel war sternenklar, man konnte sogar die Milchstraße sehen. Die gruselig-bunten Gestalten der Mad Circus-Plakate schauten auf uns runter und waren sicherlich amüsiert über uns. Und das Rotwild verschwand irgendwann von der Wiese und beobachtete nicht mehr uns verrückte Menschen.

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Das beste an Festivals und dem Farmfest ganz besonders finde ich aber „die Morgende danach“. Wenn alle total zerstört sind, es aber jedem scheißegal ist. Dann sitzt man halt barfuß, mit verschmierter Schminke und Kaffe aus dem Pappbecher auf einem Baumstamm, zieht sich irgendwelche Sticker von den Klamotten, von denen man nicht weiß, wer sie drauf geklebt hat und freut sich tierisch auf eine erfrischende Dusche oder darauf, sich einfach die Haare kämmen zu dürfen. So saß ich mit Benno von Night Laser und einigen anderen noch eine Weile im Hof.
Stefans Eltern stellten sogar noch Bierzeltgarnituren auf und servierten den Veteranen ein frisches Frühstück. Nach und nach mussten Leute zum Auto, zum Bahnhof, zum Flughafen. Das Equipment wurde verstaut. Die Tiere kamen wieder aus den Ställen gekrochen.

Die Heimfahrt war lang und warm und anstrengend. Aber ich würde es wieder machen.
Nächstes Mal hoffentlich mit einem vollen Wagen.

Danke dir Stefan und allen, die geholfen haben, dass ihr so was Tolles auf die Beine stellt! Die Gastfreundschaft im eigenen Haus ist auch nicht selbstverständlich. ❤

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Meet the Fotografin

Ihr wollt wissen, woher die genialen Bandfotos aus diesem Beitrag kommen? Sicherlich nicht von mir und meinen amateurhaften Schnappschüssen…

Die Bilder, die ihr hier seht, sind das Werk von Andrea aka Pictures by Nola, die ich schon auf dem Wildfest getroffen habe.
Damit ihr etwas mehr über sie erfahrt, habe ich sie kurzerhand zu ihrer Sicht auf das Farmfest ausgefragt.

pictures_by_nola

Foxxy:
Wie wurdest du auf das Farm Fest aufmerksam?

Nola:
Auf das Farmfest wurde ich bereits letztes Jahr aufmerksam, da damals schon Night Laser und Sassy auftraten. Letztes Jahr habe ich mit einer Freundin fast alle Night Laser Konzerte mitgenommen, so auch dieses. Es hat mir so gut gefallen, das es für mich auch dieses Jahr auf jeden Fall ein Pflichttermin sein musste, und es hat sich auch gelohnt. Musik war genial, das Wetter stand der Musik in nichts nach und die Leute rund herum waren auch super.

Foxxy:
Welche der Bands kanntest du schon vorher?

Nola:
Night Laser, Formosa und Sassy Society habe ich vorher schon ein paar mal gesehen. Und vom Rest habe ich zumindest schon mal gehört. Mit Glam kann man aber nie was falsch machen finde ich.

Foxxy:
Wie viele Bilder hast du am Abend gemacht?

Nola:
Bilder hab ich am letzten Samstag sehr viele gemacht. Sobald mich etwas fasziniert kann ich meine Augen, bzw die Kamera nicht mehr davon lassen. Ich schätze mal, das im Endeffekt zwischen 100 und 200 Bilder pro band bleiben, die mir gefallen.

Foxxy:
Welchen Bandvorschlag hättest du für nächstes Jahr?

Nola:
Bandvorschläge fürs nächste Jahr wären definitiv Gun Called Britney, die haben mein Herz im Sturm erobert. Wenn ich mir eine Band wünschen könnte wär es Dirt aus Finnland, ziemlich coole Jungs. Ich habe sie auf der Aftershow Party beim Tuska Open Air in Helsinki gesehen. Axid Rain wären auch ziemlich fett. Ich könnte mir auch sehr gut Dead Memory vorstellen, wenn es ein wenig mehr Richtung Rock gehen darf. Natürlich dürfen auch Night Laser nicht fehlen und Snakebite gehen auch immer. Ich könnte echt noch ein paar aufzählen, aber die wären wohl bisher noch zu groß.


 

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formosa

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