JOKER Filmkritik – Foxxy auf Abwegen

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Heute machen wir einen kleinen Ausflug in die Welt der Filmrezensionen. Denn der neue Film „Joker“ hat Foxxy so fasziniert, dass sie sich dafür auf thematische Abwege begibt:

Vor einer Woche, am 10. Oktober, kam die neuste DC Produktion in die deutschen Kinos. Gestern war ich mit einer kleinen Gruppe in der Spätvorstellung am Düsseldorfer Hauptbahnhof. In die Spätvorstellung sind wir eher unfreiwillig hinein geraten, denn die Reservierung für 20:00 Uhr war verfallen – und um nicht ganz vorne sitzen zu müssen, wurde kurzerhand umgeplant und der Abend in einer schicken, kleinen, schummrigen Cocktailbar auf schwarzen Ledersesseln verbracht. Gegenüber ein Strip Lokal. Die perfekte sowohl dekadente als auch chaotische Einstimmung auf den Psychotrip nach Gotham City…

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Da ich mir sicher war, dass ich den Film im Kino sehen wollte, ohne vorher zu viel zu wissen, mied ich in der vergangenen Woche jede Art von Spoilern. Einzig die Schlagzeilen und kurzen Aufmacher laß ich, in denen eindrücklich davor gewarnt wurde, dass es zu Amokläufen im Kino kommen könnte. Amerikanische Hysterie, dachte ich mir, war aber doch gespannt auf die angeblich so brutalen Szenen und diesen Film, „den man nicht sehen sollte, wenn man mit Depressionen kämpft“.
Auch wenn es typische Bild-Schlagzeilen waren, kann ich im Nachhinein die Gedanken und Bedenken zu einem gewissen Grad nachvollziehen.

Vorweg: Joker ist kein Batman Film. Es ist überhaupt kein Superhelden Film. Bruce Wayne spielt lediglich eine Nebenrolle, um die Verbindung zu schaffen.
Es ist ein erschreckend realistischer Blick ins Leben eines psychisch und physisch kranken Mannes, der einfach nur glücklich werden will – bei seinen Versuchen aber in ein immer tieferes Loch fällt. Wenn überhaupt könnte man den Hauptcharakter als Antihelden bezeichnen. Ohne jegliche Superkraft. Vielleicht sogar ohne jegliches Talent.

Ich möchte nicht die gesamte Handlung erzählen. Die dürfte auch weitgehend bekannt sein, und ein paar Details und Plot Twists sollten unverraten bleiben.
Viel lieber möchte ich mir die Sachen heraus suchen, die mir besonders gut gefallen haben oder mich den ganzen Tag schon intensiv beschäftigen.

Das Nolansche Ende
In der Cocktailbar (dem „Ellington“) unterhielten wir uns vor Beginn über unsere Lieblingsfilme. Dabei kristallisierte sich heraus, dass fast alle von den.. ich nenne sie mal Mindfucks von Christopher Nolan fasziniert sind. Dass er der Regisseur der Dark Knight-Reihe war, passt gut. Mit „Joker“ hatte er wenig zu tun. Trotzdem baut der Film genau so eine Andeutung am Ende ein. Man wird nicht so kräftig darauf gestoßen wie bei Nolan. Doch es ist möglich, dass die gesamte Handlung, die wir im Film gesehen haben, nur den Gedanken eines Arkham Insassen entsprungen ist. Die ganze Story könnte der Witz sein, über den der Joker am Ende lacht und er saß die ganze Zeit über in der Anstalt.

Das Vorbild
Noch eine Verbindung, die Filmfans faszinieren dürfte und die mir erst bewusst geworden ist, nachdem ich heute eine andere Kritik gelesen habe: Die Handlung von „Joker“ ist ähnlich der des Films „Taxi Driver“ von Martin Scorsese. In Taxi Driver spielt Robert De Niro die Rolle des einsamen Sonderlings, der zunehmend wahnsinnig wird und seinen Frust über die Gesellschaft in Form von Gewalt auslässt. In Joker spielt Robert De Niro als Talkshowmaster Murray Franklin eine wichtige Rolle. Der Joker, der im Film Arthur Fleck heißt, ist ein großer Fan von Franklin. Er sieht in ihm sogar eine Art Vaterersatz. Jemanden, in dessen Fußstapfen er treten möchte und dessen Aufmerksamkeit er sich wünscht. Für einen winzig kurzen Moment gelingt das dann auch…

Die Gewaltszenen
Wie erwähnt hatte ich vor dem Kinobesuch schon gelesen, dass es schockierende Ausbrüche der Gewalt im Film geben sollte. Bei mir ist das so: Gewaltszenen in klassischen Actionfilmen, wo wie blöd durch die Gegend geballert wird und reihenweise Menschen zu Boden fallen ohne dass es eine Bedeutung hat, langweilen mich. Splatterszenen hingegen ekeln mich an. Da gucke ich lieber weg. Ich kann einfach keine Gedärme und Co. sehen. Dementsprechend gering war meine Vorfreude auf diese Szenen.
Weit gefehlt. Sie sind genial und spuken mir noch immer im Kopf herum. Denn sie sind absolut realistisch. Genau so stelle ich es mir vor, wenn ich sehen müsste, wie jemand durch Kugeln oder Stiche getötet wird. Keine Spannung aufbauende Musik. Kein Wegblenden des schrecklichen Anblicks. Aber auch keine Exaggeration, die nur darauf aus ist, Teenies aufschreien zu lassen, die sich heimlich Horrorstreifen reinziehen. Es ist kalt, es geht schnell vorüber und die Charaktere reagieren kompromisslos realistisch.

Der Amokläufer
In den USA haben sie Angst, dass es in den Vorstellungen Amokläufe geben könnte. Am Höhepunkt des Films, als der Joker seine Rede hält und die Reaktionen seines Publikums genießt, wird mir klar wieso. Logo, der Film alleine schafft keine Gewalttäter. Man muss schon vorher solche Gedanken gehabt haben. Die Worte des Antihelden aber können in den Ohren Betroffener so bestätigend sein, dass der ein oder andere den Film als Umsetzung seiner Pläne nutzen könnte. Derjenige würde dann so ähnlich durch die Medien gepusht wie Arthur und seine Nachahmer im Film. Er würde sich genauso machtvoll fühlen und vielleicht sogar genau so beschwingt durch die Straßen tanzen vor dem großen Finale.

Die Witze
Schade, dass man nie eine wirkliche Vorstellung des Jokers als Stand Up Comedian sieht. Ich hätte so gerne mehr gehört als diese zwei immer gleichen Witze, die viral gegangen sind. Man wünscht sich so sehr, dass die Leute lachen und er endlich die Anerkennung findet, die er sucht. Man weiß, dass es nichts werden kann. Der Film muss in einer Tragödie enden.

Die Mutter
Ein wichtiger Charakter ist die Mutter des Jokers. Auch wenn es Hinweise darauf gibt, dass die Akten aus dem Arkham die Wahrheit erzählen (Schulter und Rücken des Jokers, die Besessenheit der Mutter von Thomas Wayne, die Kopfverletzung, die das unkontrollierte Lachen verursacht), beschäftigt es einen auch im Nachhinein: Ist die Vater-Story wahr oder erfunden? Warum war die Bindung zwischen Arthur und seiner Mutter Penny immer so eng, wenn sie ihm doch so viel Leid angetan hat? Kann man die Erinnerung aus der Kindheit wirklich so sehr verdrängen, dass es nicht mal Flashbacks oder wirre Träume gibt? Wie alt ist der Joker eigentlich? Er wirkt so kaputt und dadurch so viel älter als er vermutlich sein soll. Warum nennt sie ihn Happy? Wer hat die Notiz auf der Rückseite des Fotos geschrieben? Wir werden es wohl nie erfahren.

Das Gotham City Flair
Kennt ihr das, wenn ihr nachts durch die Straßen lauft. Oder wenn es regnet. Nichts als Fabrikgelände, Eisenbahnschienen, Graffiti, U-Bahn-Haltestellen, Dunkelheit. Zerbrochene Bierflaschen auf dem Boden. Die Polizei rauscht vorbei. Man müsste es schrecklich finden, doch irgendwie fühlt es sich geil an. Dieses ganz besondere, kaputte Flair. Die Absurdität des Lebens. Momente, in denen eigentlich alles egal ist. Ich persönlich liebe diese Atmosphäre und ich habe sie noch nie so gut widergespiegelt gesehen, wie wenn der Joker auf dieser Treppe oder in diesem dreckigen Bad seine Tänze aufführt.

Der Kühlschrank
Die Frage, die ich mir seit gestern stelle: Wie ist diese Kühlschrankszene zu verstehen?! 😀 Ist es nur ein Symbol der Isolation und Kälte im Leben von Arthur Fleck? Wie würdet ihr sie interpretieren, falls ihr den Film schon gesehen habt?

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Fazit
Die Essenz des Films ist, dass man Mitgefühl, falsche Hoffnungen und Sympathie für einen brutalen Serienkiller empfindet. Man sieht die Welt aus seinen Augen – inklusive der Wahnvorstellungen. Und das auf die realistischste Form, die man sich ausdenken kann. Wenn der Joker in sein Lachen ausbricht, fühlt man so gut, was er fühlt, was die Leute um ihn herum fühlen und denkt sich selbst nur (Zitat Yasmin): „Das bin ich, wenn ich über mein Leben nachdenke.“
Eindeutig keine leichte Kost, doch es lohnt sich jede Sekunde.

Zum Schluss noch ein Gratistipp: Wer lieber etwas im Stil von Suicide Squad sehen möchte, aber besser gemacht, dem sei „Spring Breakers“ empfohlen 😉

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