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Einen schönen guten Morgen. Heute an diesem sonnigen Mittwoch möchte ich euch noch einmal eine Truppe näherbringen, die ich im Rahmen des The Golden Fox – der etwas andere Bandcontest! kennenlernen durfte.

Spoiler: Es ist keine Metal, was sie machen. Aber das Kerntrio und ihre Freunde sind super kreativ und beweisen mit ihren Aktionen, dass Genie und Wahnsinn wie so oft nah beieinander liegen. Furchtlos, sarkastisch, gut gelaunt, abwechslungsreich und bis zur Schmerzgrenze unlogisch – das sind Traumfresser aus Erfurt und Weimar.

Ende November haben sie das Album „Wir sind die Guten“ herausgebracht. Das möchte ich euch heute kurz vorstellen.

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Die Traumfresserchen selbst nennen ihren Stil Cabaret-Indie-Pop. Ich finde ihre Attitüde recht punkig, ihre Texte sehr studentisch und ihre Sounds bringen alles unter: Von fast gerappten Parts über rockige Gitarren im Stil von Santana bis hin zu James-Bond-Filmscores und Retro-Jazzband-Einspielungen ist echt alles drin. Das Thema Genre lassen wir also einfach mal vor der Tür stehen. Das brauchen wir hier nicht.

Was wir brauchen, sind die übersprudelnden, teilweise auch verwirrenden Ideen der Band. So nennen sie einen ihrer Songs zum Beispiel „Die Katze bellt“ und auch nach mehrmaligen Zuhören will sich mir nicht ganz erschließen, worum es darin geht. Um die zerbrochene Beziehung zu (s)einer Freundin? Um ein Mädel, das selbst einfach ziemlich kaputt ist? Um den Suff und den reudigen Morgen danach? Oder um unfähige Biolehrer, weil irgendwer denkt, Katzen würden bellen? Who knows….

TF+Titelbild

Etwas eindeutiger sind Aussagen anderer Songs. Bei „Alessio“ zum Beispiel geht es ironisch darum, was den Menschen wichtig ist und wie sie diverse A bis Z-Promis verehren. In eine ähnliche Richtung schlägt „Dein Spiegel ist kaputt, Marie“ aus, bei der der Schönheitswahn und das Influencerdasein auf die Schippe genommen werden. Und „Chai Latte“ ist ein Einblick in den Alltag der Hipster. Einer meiner Favoriten (inhaltlich): „K&L“. Zwar weiß ich nicht, wofür die Buchstaben stehen, doch hier wird die Liebe mit dem Essen verglichen. Von Anfang bis zum bitteren Ende. Und „James Bond“ macht die Cookies in unserem Browser und all ihre Spionagefreunde zu edlen Geheimagenten.

Man merkt, das Album ist so am Puls der Zeit, dass man eine gewisse popkulturelle Bildung braucht, um es überhaupt zu verstehen. „Zeitgeist“ wäre fast ein passender Titel gewesen. Oder „Gutmensch“, wenn es schon „Wir sind die Guten“ heißt. Auch der Track „Asoziales Jahr“ geht in diese Richtung, indem er die Pläne der jungen Erwachsenen nach dem Abi bissig aufs Korn nimmt.

Dass Traumfresser all diese Sachen wirklich so schlecht finden, glaube ich dabei nicht. Sie schmunzeln eher darüber und halten den Leuten den (kaputten) Spiegel vor. Das machen sie mit einem abwechslungsreichen Gemisch verschiedener Soundstilrichtungen. Zwischendrin immer wieder gesprochene Passagen, um die Storys zu betonen. Das Paradebeispiel dafür ist der Intro-Track des Albums. Schade, dass es im deutschen keine Übersetzung für das Wort „random“ gibt. Denn anders kann man diese Sprachnachricht eines Spongebob-Imitators nicht beschreiben. Ich vermute, Traumfresser kannten einfach jemanden, der den gelben Schwamm imitieren kann und entschieden sich, das irgendwie zu verwursten. (Vegan verwursten natürlich…)

Schwächeln tut das Album in der Produktion. Die ohnehin schon so vielschichtigen wie wichtigen Texte sind nicht leicht zu verstehen, der Gesamtsound etwas blechern. Das sollte aber etwas sein, das sich mit größerem Budget beheben lässt, denn Mehrstimmigkeiten und andere Faktoren belegen, dass Traumfresser durchaus musikalisch sind und Songwriting beherrschen.

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Fazit: Ich glaube, eine Jam Session und ein paar gesellschaftliche Diskussionen mit diesem Trupp sind eine unterhaltsame Idee.

Mitglieder der Band

Izzy aka. Bürgermeister-Lippenstift – Erzähler / Tänzer
Ryk „Red Face“- Guitarra / Gesang
Spike „Silver Star“- Schlagwerk / Buchhaltung
Mr. Psych Aluhut – Bass / Empfangsbolzen zum Aldebaran
Laik – Blowing Job

Website: Traumfresser.com

Facebook: Traumfresser

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