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Nein, es geht hier nicht darum, wie oberflächlich Instagram oder YouTube ist. Das kann ich echt nicht mehr hören… 😀

Heute geht es darum, wie wichtig es ist, sich auf Selbstpräsentations-Plattformen auszukennen und bekannt zu sein, um überhaupt eine Chance als Musiker zu haben. Oder, wenn du das Wesen des Internets prinzipiell nicht magst, wie wichtig es ist, als Live-Act bekannt zu sein.

Gerade erst ist es mir schon wieder passiert: Ich wurde gefragt, bei welchem Label oder Promoter man als ehrgeiziger junger Musiker denn mal seine CD in den Briefkasten werfen könnte.

Oh. Mein. Gott. Leute. Tut das nicht! Oder denkt nicht, dass es irgendwie hilft.

CDs im Briefkasten…

Wisst ihr, wie viele Künstler es da draußen gibt, die einen Plattenvertrag oder einen Booker haben wollen? Wenn jeder von ihnen CDs an Labels schickt, wird Greta weinen. Diese Plastikverschwendung. Denn da ihnen der Platz für so etwas schnell ausgeht, werden die Entscheider ungern in Hüllen verpackte CDs annehmen. Die Regale würden überquillen und niemand findet irgendwas.
Auch wenn es traurig ist, weil ja das ach so schöne Haptische verloren geht, seid ihr mit einem Streaming-Link besser bedient. Der verschwendet keinen Platz, bei dem kann man jederzeit auch nur einzelne Songs anspielen, der lässt sich per Suchfunktion immer wieder finden im Bürochaos.

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Labels, die auf haptische Datenträger stehen – am liebsten vielleicht sogar Schallplatten – sind klein, nischig, undergroundig. Hier ist es am hilfreichsten, wenn ihr sie und die Künstler, mit denen sie zusammen arbeiten schon kennt. Konzerte, Partys und Branchenevents wie Messen und Co. sind hilfreich, um Kontakte zu knüpfen. Diese Menschen mitten aus der Szene lieben euch und eure Musik schon eher, sie sind sehr dankbar, wenn sie gefunden und umworben werden. Doch ihr Nachteil ist: Sie haben weniger Manpower, weniger Macht, weniger Budget. Sie sind für euch eine Unterstützung, um die Aufnahme besser zu machen und in dem ein oder anderen Laden zu landen, ein professionelles Cover zu gestalten oder auf Platte gepresst zu werden. Doch sie können euch nicht die große Welt-Tournee an Land ziehen.

Als Musiker also einfach den Kopf in den Sand stecken und die Hoffnung aufgeben?

Nein. Ihr müsst heute, wo alles auf Selfmade-Basis möglich ist, leider mit diesen Regeln zurechtkommen – und selbst selfmade werden.

Professionelle Partner mit Erfahrung, Kontakten und dem nötigen Kleingeld in der Tasche erwarten von euch, dass ihr theoretisch auch selbst da draußen mit euren Werken bekannt werden könnt. Sie wollen, dass ihr die Grundregeln des Showbiz beherrscht. Eine Fangemeinde finden und halten könnt. Ideen habt und bereit seid, in eure Karriere zu investieren. Denn leider, leider genießen sie den Luxus, dass sie es sich aussuchen können. Es gibt einfach so viele schon halb bekannte Acts, deren Milch die Labels und Co. nur noch Melken und weiter füttern müssen, dass sie es gar nicht nötig haben, einen Straßenmusiker von Null auf zu finanzieren. Wenn doch, dann seid ihr ein wahres Ausnahmetalent und dürftet so oder so keine Probleme haben, Mund zu Mund-Propaganda zu generieren.

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Wenn ihr also bereit dazu seid, werdet im Web präsent. Mit gut produzierten Aufnahmen, filmisch erzählten Videos, engem Kontakt zu euren Fans usw. Und spielt auf alle Fälle viel live auf allen möglichen Bühnen. Verschenkt euch nicht zu sehr und zu oft, aber lasst euch auch ab und zu auf vermeintlich miese Deals ein. Denn Willenskraft und Überzeugung bringen euch weiter als zwanzig blumig geschriebene Selbstbeschreibungen in Briefumschläge gesteckt.

Das ist alles nicht fair?

Aus Sicht eures Karmas vielleicht nicht.
Aber das Musikgeschäft ist ein Teil der freien Marktwirtschaft und somit dessen (ungeschriebenen) Gesetzen unterworfen. Angebot und Nachfrage. Zu viele Leute, die laut „hier!“ schreien, weil sie denken, sie seien das nächste große Ding. Die Entscheider mit Einfluss, Wissen, Können und Geld werden immer wählerischer je mehr Leute sich im Pool tummeln. Sie gehen außerdem seltener finanzielle Risiken ein. Denn auch sie stehen schnell auf der Kippe.

Daher: Durch viel eigenen Einsatz und gute Freunde erst eine Basis schaffen. Von anderen gutes Feedback erhalten. Sich gegenseitig helfen. Mit kleinen Brötchen beginnen. Und dann irgendwann den großen Kuchen absahnen.

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Und hierzu noch eine ehrliche und wichtige Anmerkung: Obwohl ich das Fach studiert habe und mich in der Theorie recht gut auskenne, habe ich keinen Freifahrschein zu allen Personen, die was zu sagen haben und euch berühmt machen können.
Gerade weil und wenn man selbst in dem Feld arbeitet, hat man (zumindest ich) extreme Scheu davor, jemanden nur anzuschreiben oder anzusprechen, wenn man was von ihm will. Weil ich weiß, wie oft von wie vielen hoffnungsvollen Menschen danach gefragt wird. Weil ich weiß, wie dankbar die Businessprofis über uneigennützige Freundschaften sind. Weil es sich besser anfühlt, selbst gefragt zu werden. Das wollte ich nur mal dazu sagen.
Fragt mich nach Ratschlägen – nicht nach Kontakten, die über die Subkultur des (Hair) Metals hinaus gehen 😉

Ich kann leider nichts dagegen tun, ich sage euch nur, wie es ist.
Hoffe, es hilft euch weiter.

Liebe Grüße
Eure Foxxy

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