20190413_124118

Wie ist das eigentlich, wenn man sich in dieser Zeit als neuer Musikact zusammen tut und mit einer Karriere beginnen will? Worauf muss man achten? Wie kommt man an einen Proberaum und erste Konzerte? Was kostet der Spaß? Was wünscht man sich so?

Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, möchte ich euch eine Band vorstellen, die sich erst Anfang 2019 gegründet hat und vor Kurzem ihre erste, nach ihnen selbst benannte, EP herausgebracht hat:

RobBee ist eine Konstellation aus dem hohen Norden, genauer gesagt Rostock, die in ihren Songs Einflüsse aus Neue Deutsche Welle, Pop, Rock, Rap und New Wave vereint. Hauptsache 80s. Und irgendwie in Richtung Falco, dem großen Idol von Bandgründer und Sänger Rob.

Das Gespräch habe ich mit Rob geführt. Meine Anmerkungen sind in Blau eingeschoben.

Interview mit Newcomer Act RobBee

robbee_portrait

Wann, wie und warum habt ihr euch gegründet?

RobBee war ein Projekt, das ich (Robert) ins Leben gerufen habe.
RobBee ist nicht nur unser Bandname, sondern auch gleichzeitig mein Künstlername.
Nachdem meine alte Band außeinander gegangen ist, wollte ich etwas eigenes mit meinen Freunden gründen, in dem ich bzw. wir uns musikalisch vollkommen ausleben können und alle ein gemeinsames Ziel verfolgen, nämlich mit unserer Musik voran zu kommen.
Die Gründung verlief ohne Probleme Anfang des Jahres 2019. Ich habe meine Freunde einfach angesprochen ob sie Lust haben mich bei meinem Projekt zu unterstützen. Wir kannten uns zuvor alle schon, deswegen verlief die Kommunikation untereinander problemlos.

Warum betont Rob diese Problemlosigkeit so sehr? Nun, Bands sind eine permanente Gruppenarbeit. Das Konfliktpotential ist hoch. Vor allem, wenn es um eure Leidenschaft geht. Bedenkt dies immer wenn ihr euch zusammenfindet.

Wer von euch war vorher schon als Musiker aktiv und wo?

Ich war vorher in der Rostocker Hair Metal Band „Red Poison“ als Sänger aktiv.
Dorian war ebenfalls in der Rostocker Hair Metal Band „Red Poison“ als Drummer aktiv und ist derzeit auch als Rapper „DeLaurin“ unterwegs. Unter diesem Namen produziert er auch in seinem Studio in Rostock lokal bekannte Rapper.
Thommy war vorher als Gitarrist bei der Rostocker Stoner Rock Band „Black Haze“ dabei.
Malte war bei der Rostocker Hair Metal Band „Red Poison“ der zweite Drummer (Nachfolger von Dorian) und ist derzeit auch in der Rostocker Psychadelic Rock Band „MadRah“ Mitglied.
Christopher war musikalisch vorher nirgendwo aktiv.

Wie läuft euer Songwriting ab?

Jedes Bandmitglied bringt, sobald es eine Idee für einen Song hat, seine Idee ein und arbeitet den Song weitestgehend selbst aus. Danach fügen die jeweilig anderen Mitglieder ihren Part hinzu oder äußern noch Veränderungsvorschläge bei Bedarf. Ich schreibe die Texte und bringe musikalische Ideen mit hinein. Der letzte Feinschliff, was den Sound angeht, fügt Dorian im Studio hinzu.

Wie habt ihr euren Proberaum gefunden?

Unser Proberaum ist in einem bekannten Rostocker Proberaum-Komplex, der mindestens 50 verschiedene Bandräume bietet. Wir haben ihn vor ca. 10 Jahren angemietet (als wir noch bei unserer alten Band gespielt haben) und teilen ihn uns mit anderen befreundeten Musikern.
Unser Studio haben wir gesondert in einem Gewerbegebiet angemeldet, da es zu viel Technik beinhaltet um alles in einem Raum unterzubringen
.

Es lohnt sich tatsächlich, auch in der eigenen Stadt nach solchen Proberaum-Gebäuden zu suchen oder euch mit anderen Bands – denen ihr vertraut – zusammen zu tun. Ihr braucht den Raum ca. 2 Tage die Woche, die anderen auch. Versucht, euch zu einigen und somit Kosten zu sparen. Plus: erste Kontakte gibt es inklusive.

robbee_band
Und wie seid ihr an ein Studio gekommen?

Unser Produzent und Schlagzeuger „DeLaurin“ hat sich über mehrere Jahre ein eigenes Studio aufgebaut, in dem wir und andere Künstler (meist Rapper) recorden. Er hat in seinem Wohnzimmer mit einem kleinen Homestudio angefangen und über die Jahre hat es sich zu einem kleinen Raum in einem Gewerbegebiet entwickelt, den wir extra anmieten – da der Technikzuwachs es nicht mehr ermöglicht, es weiterhin nur zuhause zu betreiben.

Was kostet in etwa die Aufnahme eines Songs?

Durch die glückliche Situation ein eigenes Studio zu haben, sind unsere Kosten nicht wirklich berechenbar. Allerdings ist der Kauf der Technik, der Programme, des Equipments und der Raummiete sehr hoch, sodass wir zwar für den Song an sich nichts mehr zahlen, aber die Anschaffungskosten extrem hoch waren/sind.
In einem guten Tonstudio, in das sich eine Band einmieten kann, kann man pro Tag schon mindestens mit 200 Euro rechnen. Deswegen sollte man gut vorbereitet ins Studio gehen, damit man so viel wie möglich schafft.

Gibt es für Bands mit knapper Kasse die Möglichkeit zu sparen?

Jein, es sei denn ihr habt gute Connections zu Freunden, die ein Studio haben oder sich mit Recording auskennen, dann könnt ihr sicher einen Freundschaftspreis aushandeln.
Viel kann man natürlich auch durch gutes Mastering ausgeben, sodass für die Aufnahme eines Demo Tapes auch erst Mal ein günstiges Studio reicht. Wenn man allerdings extrem professionelle Qualität möchte und den perfekten Sound, gibt es meiner Meinung leider keine Möglichkeit zu sparen.

Habt ihr einen Manager oder glaubt ihr dass ihr einen braucht?

Zurzeit können wir unsere Aufgaben noch gut selbst managen, da wir uns noch im Anfangsstadium befinden.
Ein Manager wäre allerdings manchmal ziemlich hilfreich und begrüßenswert, da dieser dann doch fokussierter arbeiten könnte. Allerdings müsste die Person auch etwas taugen, es gibt viele schwarze Schafe, die von Musik keine Ahnung haben und sich als Manager anbieten. Bevor wir so jemanden haben, machen wir es lieber selbst.

Konntet ihr schon erste Gigs an Land ziehen?

Ja, durch bestehende Kontakte, die wir zu Zeiten der alten Bands knüpfen konnten. Wir sind aber gerade bzw. immer auf der Suche nach Gigs und würden gerne mehrere spielen und neue Leute kennenlernen. Das ist oftmals gar nicht so leicht.

Ohne, dass das in geringster Weise etwas Negatives ist, ist solche eine Konstellation oft der Grund dafür, warum bestimmte Acts aus dem Nichts zu kommen scheinen. Sie fangen nicht als Musiker neu an, sondern nur mit einem neuen Projekt – das dann von vorne rein bessere Karten hat.

Habt ihr sie alleine bekommen oder mit Hilfe?

Bisher haben wir all unsere Gigs alleine organisiert. Das bedeutet anbieten, anschreiben, anrufen und so weiter.

robbee_band2
In welchen Bereichen würdet ihr euch generell Unterstützung für die Band wünschen?

In Bereichen wie Booking oder Vertrieb/Promotion wäre es wünschenswert, Unterstützung zu bekommen. Sozusagen die typischen Dienste, die bei größeren Bands von Labels übernommen werden.
Denn dass frisst unglaublich Zeit und Energie, wenn man sich ernsthaft dahinter klemmt und aus dem Nichts und möglichst großes Netzwerk aufbauen muss. Die Erfolge beim selbst Promoten sind stets klein und erfordern deswegen viel Durchhaltevermögen.

Jemand Interesse? 😉

Was sind eure nächsten Pläne für 2020?

Viele eigene Songs schreiben. Derzeit haben wir 8 eigene Songs geschrieben von unserer Gründung im letzten Jahr bis jetzt. (Ziel ist nochmal mindestens 8 dieses Jahr). Ein erstes, richtiges Musikvideo. Geile Auftritte an Land zu ziehen. Neue Leute kennenzulernen, die einen eventuell weiter bringen.
Außerdem ein noch größeres Reportoire an Cover Songs (derzeit haben wir ca. 15 Cover Songs) für Live Auftritte auf Stadt- und Familienfesten. (Ziel sind ca. 4 Stunden reines Cover Programm mit den besten Hits der 80er Jahre)
Und natürlich ist jedes Jahr das Ziel, an die Masse zu geraten und irgendwie den Durchbruch zu schaffen, nur der ist leider nicht wie die anderen Ziele planbar.

Kleiner Tipp am Rande: Mit Covern eines bekannten Songs in einem komplett anderen (eurem) Stil lässt sich schnell Aufmerksamkeit generieren. Vorausgesetzt die Qualität der Aufnahme stimmt.

Auf welchen Festivals würdet ihr gerne spielen oder von wem wärt ihr gerne Opener?

Auf dem Donauinsel Festival in Wien würde ich gerne spielen, da mein großes Idol Falco dort einen epischen Auftritt hatte und ich jedes Jahr Gast bei diesem Festival bin. Es ist das größte Festival Europas und beherbergt jedes Musik Genre.
Ansonsten hätten wir natürlich auf jedes Festival Bock, auf dem die Stimmung bebt.
Da unser Genre sozusagen alles und nichts ist, passen wir ja auch überall rein (oder auch nicht).

Opener wären wir gerne bei jeder Band, die bekannt für Fans mit guter Stimmung ist. Wir machen gerne Party auf der Bühne, sind gern lustig und unterhalten die Leute. Wir lieben es, sie zum lachen zu bringen und die Sau heraus zu lassen. Dadurch wäre eine Band bei der die Hauptband die Fans auch in eine ähnliche Stimmung versetzt Ideal.
Mein Idol Falco ist leider schon tot, dort können wir keine Vorband mehr sein (Sonst wäre dass meine erste Antwort gewesen). 😀

Habt ihr es schon mal mit J.B.O. oder Mike Ballermann versucht? Humor und Party gibt’s da auf alle Fälle. xD

Könnt ihr jetzt schon Erfahrungen an andere Newcomer weitergeben?

Ja, geht auf jeden Fall euren Weg und lasst euch nicht davon abbringen. Macht die Musik, die euch allen Spaß macht und haltet als Menschen zusammen.
Jede Band, in der musikalische und private Spannungen herrschen, geht früher oder später außeinander. Setzt euch gemeinsame Ziele. Lasst euch nicht den Mut nehmen, der Weg ist in den seltensten Fällen einfach.
Wenn euch die Musik, das Outfit und eure Attitude gefallen, dann ist es das Richtige. Lasst euch dabb nicht von selbsternannten Profis erzählen, was ihr alles anders machen müsst.
Findet zu euch selbst. Wir lieben euch ❤

Wie ist es, wenn man als ganz neuer Act versucht, bekannt zu werden?

Schwierig und aufregend zu gleich. Man hat so viele Ideen im Kopf, die man umsetzen möchte. Es stehen wahnsinnig viele Aufgaben an: Erste Songs, Texte, Logos, Videos, Connections. Das alles erfordert viel Ehrgeiz, Mut und Eigeninitiative. Man weiß noch nicht wo es hin führt, aber es fühlt sich richtig an.
Jeder Moment, in dem man an seiner musikalischen Zukunft arbeitet, kann Erfolg bringen oder eben auch nicht. Der Sprung ins Ungewisse ist der Kick.

Was macht ihr so den ganzen Tag?

Arbeiten gehen und Quatsch machen. Kneipen- und Discobesuche, Proben, Songs schreiben, Kaffee trinken und dummes Zeug erzählen. Spaß am Leben haben und nebenbei immer die Zeit nehmen um fokussiert an seinen Zielen zu arbeiten.

Was wünscht ihr euch?

Glücklich sein und eine gute Zeit auf dieser Erde haben. Musikalisch wäre es natürlich ideal, irgendwann einmal von der Musik leben zu können und nur noch zu touren und durch Musikveröffentlichungen sein Leben zu meistern. Diesen Traum hat glaube ich jeder Musiker, der das ganze ernsthaft verfolgt.

robbee_logo

Listen to the Songs on Spotify here

3 Sätze zu jedem Song der selbstbetitelten Debut EP

Intro
Martialisch und drückend. Wurde für Livekonzerte konzipiert, für den Part wo dann das Licht herunter fährt und wir auf die Bühne kommen. Bei der Explosion „Ladys and Gentlemen, please welcome RobBee“ ergreife ich das Mikrofon und fange an!“

Helicoptersounds machen den Anfang. Setzt den Ton für das, was einen erwartet. Als martialisch hätte ich es aber nicht gesehen, ich finde es sehr melodisch. Und der Stimmverzerrer hat was.

Jumping through the Time
Thematisch direkt nach dem Intro und immer der erste Song. Schiebt mit geballter 80s Energie nach vorne und soll zum Anfang gleich das Gefühl einer Zeitmaschine vermitteln. Drückt deswegen direkt aus, was wir tun und wie es sich anfühlen soll.

80er Feeling stimmt auf alle Fälle. Die Zeitmaschine funktioniert erstaunlich gut. Ich hätte aber noch mehr Druck hinter den Sound gesetzt.

My Life
Etwas melodiöser gehalten. Sehr persönlich, drückt aus, wie ich von den meisten Leuten in meinem Umfeld war genommen werde. Poppige Vibes.

Ich bin erstaunt darüber, wie offen Rob mit seinem Leben und den Meinungen der anderen umgeht. Ein Song, bei dem man auf jeden Fall auf den Text achten sollte und sich vielleicht in der ein oder anderen Passage wiederfindet. Leben und leben lassen.

50 for 30
Grooviger Song im Rap Stil performt, verruchter Text mit einer Priese speziellem Humor, den aber nur Leute verstehen die schon mal in gewissen Lokalen mit Damen des Horizontalen Gewerbes verkehrt haben. Was ist Humor und was ist real?

Haha, okay, das erklärt, warum ich den Titel nicht verstanden habe xD Aber mal eine andere Herangehensweise an ein „Tabuthema“. Muss ich wohl noch ein paar Mal hören, um was zu lernen.

Shot of Life
Eine Ode an das lockere Leben, rockige Vibes und das einzige Mal im Album überwiegt der englische Text dem Deutschen. Inhaltlich handelt es von der inneren Freiheit, die man in sich hineinkommen lassen soll. Kann auch anders interpretiert werden, muss aber nicht.

Gesanglich und vom Songwriting eins meiner Favoriten des Albums. Die Doppeldeutigkeit ist kaum zu überhören. Hier wüsste ich gerne, wie das ganze klingen würde, wenn es aus einem Major Studio käme.

Fighting the Light
Erster eigener Song, Synthie Pop Vibes mit gewohnt tanzbarem Beat. Umschreibt eine gewisse Gefühlshaltung die ich verspürte als ich den Song aufnahm.

WTF 😀 Wo kommt plötzlich dieser klare Sound her, den ich mir bei Shot of Life gewünscht hätte? Einer der authentischsten Zeitsprung-Falco-Songs. Aber das Denglisch ist hier nicht so gelungen wie in anderen Tracks.

Bier
Nicht auf der EP erhalten. Spaß-Song mit tanzbarem Rhythmus und quatschigem Hintergrund. Ich selbst stelle die Frage in den Raum: „Ist das Kunst oder nur Schwachsinn?“ Danach soll der Hörer selbst entscheiden.

Hmm… da ich über Spotify gestreamt habe, konnte ich den Song bislang leider nicht hören. Die Beschreibung macht aber neugierig.

The Machine
Sozialkritischer Song, der sich mit dem Umgang zwischen Medien/Elektronik und Mensch befasst. Wer gewinnt am Ende? Mensch oder Maschine, ein ewiger und immer präsentes Thema, sich nicht in den tiefen der Netzwerke zu verlieren. Lockerer 808 Beat trifft auf Neue Deutsche Welle.

Eine Besonderheit soundtechnisch. Synth und ein paar crazy Experimente ahoi! Aber auch so ziemlich der einzige Song, der nicht aus den 80ern stammen könnte, weil da die sozialen Netzwerke und ihre Player noch nicht existiert haben.

Outro
Ausläufer des Songs „The Machine“. Anabelle singt Background mit ihrer engelsgleichen Stimme, The Machine bricht praktisch auf und befindet sich im Endkampf. Am Ende hört man den Hubschrauber und den Synthie vom Intro Song wieder und das Outro übergeht wie ein Kreis ins Intro zurück.

Wer ist Anabelle? 😀 Kannst du uns mehr über sie erzählen? Aber schön, so einen „Circle of Life“ im Album zu haben. Da sieht man, dass die Jungs schon ein gewisses Konzept im Kopf haben.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s