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Quelle: Pixabay

Juna Nieves lebt in Leichlingen, einer kleinen Stadt nordöstlich von Leverkusen. Die Metropole Köln mit ihren diversen Lebenswelten ist nicht weit entfernt. Zwei dieser Lebensarten haben die junge Autorin in den letzten Monaten besonders beschäftigt: Das Erwachsenwerden eines Studenten und der Alltag einer jungen Obdachlosen.

Die Geschichte über die beiden Hauptcharaktere und ihre Freunde werde ich euch in den kommenden Tagen noch genauer vorstellen. Heute soll es um die Autorin gehen. „Kind dieser Stadt“ ist ihre erste Veröffentlichung. Dementsprechend aufregend waren die letzten Wochen für Juna. Mir hat sie einen Einblick in diesen Prozess des Schreibens und Veröffentlichens gegeben und ich finde, es kann jeder etwas von ihr lernen, der einmal mit einem eigenen Projekt „da raus in die Welt will“.

Was habt ihr noch in eurer Schublade und würdet es gerne mal veröffentlichen? Was hält euch bisher davon ab?

juna Nieves_kind dieser Stadt

Einen schönen guten Tag.  Ich durfte dein Buch Probelesen als es noch im Entwurfsstadium war und sitze nun vor der endgültigen, veröffentlichten Version. Bevor ich rein schaue: Wie viel hat sich denn geändert? Einfach mal als Einblick in den Prozess eines Romans… wie viel ändert man noch ab?

Hey 🙂 Die Idee ist natürlich gleich geblieben, aber hier und da habe ich die Szenen noch etwas ausgeschmückt oder raus genommen, die keinen großen Nutzen erfüllt haben. Die Charaktere habe ich teilweise noch ein wenig lebendiger gestaltet. Mein Buch war ja auch im Lektorat und da kamen natürlich auch Verbesserungsvorschläge. Manchmal nur einzelne Wörter betreffend, aber durchaus auch Szenen betreffend, für die ich als Autor blind geworden bin. Für mich war das alles logisch, für den Leser nicht unbedingt. Außerdem hat eine Testleserin mich auf die Idee gebracht Tagebucheinträge aus einer anderen Perspektive einzubauen. Insgesamt hat die Geschichte, denke ich, durch die Überarbeitung  schon eine gelungenere Dynamik bekommen, aber dir wird nicht alles neu vorkommen.

Kannst du in wenigen Sätzen zusammenfassen, worum sich die Handlung dreht?

Es ist eine Mischung aus Coming-of-Age und Liebesroman. Zum einen befindet sich David in der typischen Krise, die junge Leute in den Zwanzigern heutzutage erleben. Wie geht es weiter? Wieso heiraten alle um mich herum? Bin ich bereit für das Erwachsensein? Bin ICH jetzt der Vernünftige hier? Wie gut es ihm in seiner  Lage geht, versteht er erst als er sich in Jule verliebt, die auf der Straße wohnt. Er inszeniert Situationen, um sie kennenzulernen und taucht dann stückweise in ihre Welt ein.

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Viele träumen ja nur davon, Autor/in zu werden. Du hast es durchgezogen. Was hat dich dazu angetrieben oder wie hast du den Weg organisiert?

Ich habe mir in der Grundschule schon gewünscht, einmal Autorin zu werden. Habe mir das aber etwas rosafarbener ausgemalt. Dass es so viel mehr Arbeit bedeutet, außer eine Geschichte zu schreiben, habe ich erst nach und nach gemerkt. Mir war es dennoch wichtig, diesen Traum zu erfüllen und da habe ich zum Glück sehr viel Unterstützung von meiner Familie und Freunden bekommen. Letztes Jahr habe ich zudem ein Fernstudium bei der Textmanufaktur begonnen und ich habe stundenlang Blogs gelesen und an der Online-Autoren-Messe von Jurenka Jurk teilgenommen. Danach hatte ich eine lange To-Do-Liste abzuarbeiten. Das Schreiben geriet da tatsächlich in den Hintergrund..

Das ist ja schon ähnlich wie die Veröffentlichung eines Albums von einer Band 😀  Wie fühlt es sich denn für dich an?

Zum Glück nicht ganz, denn ich habe ja unter Pseudonym veröffentlicht 😉 Es ist sehr seltsam. Ich freue mich natürlich riesig und bin auch sehr überrascht, dass es wirklich funktioniert hat. So ganz ist das noch nicht angekommen.

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Gehst du auch „auf Tour“? Oder würdest du gerne mal? Was machst du, um dein Buch zu promoten?

Es werden eventuell einzelne Lesungen stattfinden, es gibt ein paar Ideen. Aber das wird sich in den nächsten Wochen entwickeln.

Ich versuche meine Facebook- und Instagramseite gut zu pflegen. Außerdem habe ich Flyer gedruckt und darf mein Buch in einzelnen Geschäften zum Verkauf anbieten. Im Zusammenhang mit der Spendenaktion für die Obdachlosenhilfe Kältegang gab es ein Radiointerview, das lokal gesendet wurde.

In „Kind dieser Stadt“ spielt Köln eine große Rolle. Welche Teile und Aspekte der Stadt lernen wir denn kennen?

Natürlich den Dom und den Rhein. Ansonsten habe ich die Örtlichkeiten sehr offen belassen. Mir kam es vielmehr auf das Lebensgefühl an, das in Köln herrscht. Köln ist für junge Leute ein Rausch an verschiedenen Möglichkeiten aber kann eben auch ein Strudel in die Ziellosigkeit sein. Die Mischung aus Anonymität und herzlichem Zusammenhalt. Ein Zitat aus dem Buch ist: „In Köln gibt es nichts, was es nicht gibt“. Und das ist auch der Grund, wieso es dort spielt. Gerade im Bezug auf Obdachlosigkeit ist Köln ganz anders aufgestellt, als kleine Nachbarstädte, das hätte für die Story nicht funktioniert.  Das trifft sicher auf die meisten Großstädte zu, aber als Rheinländerin verbinde ich natürlich viele Erlebnisse mit Köln 🙂 

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Ganz ehrlich: Ist so eine Freiheit, wie dein weiblicher Hauptcharakter Jule sie lebt, manchmal verlockend für dich oder ist es eine reine romantische Illusion? Wie würdest du ihre innere Welt beschreiben?

Absolut nicht. Das wäre für mich der Horror. Ich mag es mich auch zurückziehen zu können. Die Vorstellung, immer unter Menschen bzw. in der Öffentlichkeit zu sein finde ich ganz schlimm. Und da sind wir noch nicht einmal bei Themen wie Hygiene, Nahrung oder Sicherheit. Jule aus meinem Buch ist ein gebranntes Kind. Sie versucht das Beste draus zu machen und stark zu bleiben, vielleicht einzelne positive Aspekte zu sehen und dankbar für das zu sein, was sie hat. Sie hat sich ein Stück weit aufgegeben, aufgehört nach etwas Besserem zu streben. Tief in ihrem Inneren weiß sie aber, dass sie sich ein anderes Leben wünscht.

Wie kamst du auf dein doch eher ungewöhnliches Thema und Setting?

Ich habe es geträumt. Ich fand die Idee spannend und habe das dann eine Weile sacken lassen. Die Charaktere, der Titel, die Umgebung waren sehr schnell stimmig. Ich finde es wichtig, auf gesellschaftskritische Themen aufmerksam zu machen. Im Roman kann ich das am Rande tun, vielleicht beschäftigen sich mehr Menschen damit als mit trockenen Statistiken oder reißerischen Überschriften aus der Zeitung. Ich habe dann gegoogelt und gemerkt, dass es kaum Bücher zu der Thematik gibt und damit standen mir alle Türen offen.

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Könnte es eine Fortsetzung geben?

Auf jeden Fall. Titel und Cover habe ich schon im Kopf, Plot steht, jetzt heißt es „ran an die Tasten!“

Oder hast du schon neue Ideen im Kopf?

Ich habe auch mehrere andere Ideen, aber Priorität hat David mit seiner Clique 🙂 Eine Fortsetzung, ein Perspektivwechsel oder ein Kurzgeschichtenband zu allen Figuren schweben mir da vor.


Juna Nieves im Web

Interview bei Radio Leverkusen: https://www.radioleverkusen.de/artikel/newcomer-autorin-juna-nieves-502479.html

Facebook: https://www.facebook.com/JunaNievesAutorin/

Instagram: https://www.instagram.com/juna.nieves/

ePubli: https://www.epubli.de/shop/buch/Kind-dieser-Stadt-Juna-Nieves-9783750281042/95267

Amazon: https://www.amazon.in/Kind-dieser-Stadt-German-Nieves-ebook/dp/B084QB2D7V

Blogbeitrag von Fräulein Krög

Ein Kommentar zu „Interview zum Debütroman – „Kind dieser Stadt“ von Juna Nieves

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