juna Nieves_kind dieser Stadt

Buchrezension – KIND DIESER STADT

Im Interview zum Debütroman – „Kind dieser Stadt“ von Juna Nieves habe ich euch die frisch gebackene Autorin Juna aus Leichlingen bereits persönlich vorgestellt. Heute soll es um ihre einzigartige Geschichte gehen.

Der Roman „Kind dieser Stadt“ ist aus der Sicht von David erzählt, einem Studenten aus Köln, der kurz vor seinem Abschluss steht. Sein Leben wirkt total normal für die Situation in der er sich befindet. Bis zu dem Tag als er im Park vor seinem Balkon eine junge Frau entdeckt, die ihm Fragen aufwirft – in diesem Augenblick tritt Jule in sein Leben – und wirft es heftig durcheinander.

Jule ist Fan von den Trench Dogs (einer schrägen Rockbank im Retrostil), Michel aus Lönneberga und Green Day. David hört auch gerne Green Day, oder auch Guns’N’Roses. Vor allem aber lieben er und seine Jungs einen bestimmten Song der Neuen Deutschen Welle.  Zwei Alternative Seelen also, die sich gefunden haben? Wir werden es erfahren…

Der Protagonist dieser Story rettet erfrischenderweise mal nicht die Welt. Er ist nicht irgendein Auserwählter. Stattdessen schreibt er seine Bachelorarbeit, wählt einen Beruf, geht feiern, verliebt sich und jobbt am Abend.
Gerade weil er so normal ist – und Dank der lebensnahen Schreibweise der Autorin – kann man sich perfekt in seine Gedanken hinein versetzen.
Jeder von uns kennt diese Momente wie den, in dem der arme Kerl akribisch die Zutatenliste einer Packung Käsetortillas studiert, nur weil er nichts Besseres mit sich anzufangen weiß als sein ‚Schwarm‘ ihm im Supermarkt über den Weg läuft. Oh Hilfe, was nun?! Ahh, Panik! David ist 25 und doch wie ein Teenie wenn er diese Situationen inszeniert, in denen er und Jule sich begegnen. Oder wenn er ganz beflügelt davon ist, dass er ihren Namen zum ersten Mal erfahren hat.

juna nieves_spiel

Juna Nieves beweist bei ihren Erzählungen einen Humor, den man nur durch gute Satzformulierungen ausdrücken kann, wenn Gedanken über Situationskomiken ganz unverblümt offen gelegt werden. Es ist schwer zu beschreiben, doch beim Lesen der Worte muss man schmunzeln. Man kennt diese Gedankengänge nur zu gut und fühlt direkt mit den Charakteren mit.
Zum Beispiel liebe ich eine Szene, die abends in einer Jugendherberge spielt. Da darf man tatsächlich mal in die gnadenlos ehrliche Gedankenwelt zwei junger Männer schauen; in einem Setting, das melancholisch macht. Und zwischendurch wird immer wieder eine Ameisenfarm als Metapher auf das eigene Leben verwendet.

In der Rohfassung des Romans, die ich vorab lesen durfte, war mir Jule noch ein Rätsel. Jetzt dürfen wir auch in ihren Kopf gucken, durch die Brille von Tagebucheinträgen. Die Einträge sind hier und da etwas zu erklärend. Manches würde man ohne Leser vielleicht nicht so schreiben. Doch ihre Worte zeigen, wie sie die Obdachlosigkeit erlebt – mit allen schlechten und auch den wenigen guten Sachen. Der Kontrast zu denen, die eigentlich nur ein stinknormales Leben ohne Luxus führen wird klar deutlich. Denn auch ihr werter Verehrer hat nicht viel Geld und muss oftmals tricksen um ihr helfen zu können. Doch er kann es und er tut es.
Eine weitere Veränderung seit der letzten Fassung ist, dass ein paar Logik- und Wahrscheinlichkeitsfehler ausgebügelt wurden. Nur eine Sache bleibt unlogisch: Niemand schreibt so schnell und problemlos seine Bachelorarbeit! xD Schön wärs… abgesehen davon haben wir viele schöne Entwicklungen und mir gefällt es auch, dass der größte Teil der Geschehnisse im Winter passiert. Es passt einfach.

kind diese Stadt_ wohnen

In „Kind dieser Stadt“ entwickelt sich eine ungewöhnliche Liebesgeschichte, die explizit vor der Kulisse Kölns spielt. Es gibt durch bestimmte Worte oder die beschriebene Karnevalszeit eine hübsche Portion Lokalkolorit. Doch es wird wenig genug verraten, dass jeder seine eigene Fantasie spielen lassen kann. Zum Beispiel wird nie klar, um welchen Park es sich eigentlich handelt, den Jule durchstreift.

Doch es geht nicht nur um Jule und David. Auch Davids bester Freund Matthes steht an einem Wendepunkt seines Lebens.
Ich frage mich, wie vielen Lesern wohl auffällt, was ihn bedrückt bevor er es ausspricht. Da ich es schon vor dem Lesen von Juna wusste, werde ich es von mir selbst wohl nie erfahren. Tatsache ist, dass ich so etwas Ähnliches mal in echt erlebt habe und da zu blind und zu blöd war. Aber das ist eine andere, aus dem richtigen Winkel betrachtet recht irrwitzige Story…. ❤ Fazit auch daraus: Alles in diesem Buch ist so verdammt lebensnah!

Letztlich motiviert „Kind dieser Stadt“ einen auch, ein bisschen anders über diejenigen unter uns nachzudenken, die nicht das Glück eines festen Wohnsitzes haben. Das Thema ist zu komplex als dass der Roman eine allgemeingültige Erklärung liefern könnte, wie man in die Obdachlosigkeit hinein gerät und wieder raus kommt. Doch es ist schön, dass Jule als ganzer Mensch betrachtet wird. Nicht nur als Pfandsammlerin.

Einen ernsthaften Kritikpunkt muss ich noch da lassen: Ich mag den Klappentext nicht.
Er wird der Seele des Romans nicht gerecht und ist zu banal und beschreibend. Ich bevorzuge Textauszüge aus spannenden, vielsagenden Szenen.
Beim Lesen des Buch hatte ich aber gleich zwei Mal meinen Spaß. Als ich es zum zweiten Mal durch hatte und zu klappte, fiel es mir plötzlich wie Schuppen von den Augen.
Mir war die ganze Zeit etwas nicht aufgefallen!
Eine Sache, die eigentlich so wichtig ist und so oft vorkommt…. und ich habe es nie gemerkt.
Lest es um zu verstehen, was ich meine 😉
Ich kann schon blöd sein. Doch jetzt verstehe ich auch, warum Juna auch meine Texte gerne liest. Wir beide sehen das Leben glaub ich als musikalisch untermaltes Gesamtkunstwerk.

Wie das Leben der Kölner Clique am Ende des Buches aussieht und welche Songs darin eine Rolle spielen, müsst ihr allerdings selbst herausfinden.

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Du willst dein eigenes Exemplar von „Kind dieser Stadt“?
Dann lasse hier einen Kommentar da und verrate mir, aus welcher Stadt du kommst.
Wenn aus Köln, dann natürlich dein Veedel.

Viel Erfolg!

 

Ein Kommentar zu „Ein Liebesroman über eine Obdachlose in Köln?! (Buchverlosung!)

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