best_concert_ever

Konzerte und Festivals sind eigentlich ein wichtiger Teil dieses Blogs. Plötzlich fallen sie weg… 😦 Doch noch bevor die News die Runde gemacht haben, dass ein Gesundheitsexperte aus den USA bis Herbst 2021 keine größeren Shows für möglich hält, ist mir aufgefallen, dass mir das Ganze weniger ausmacht, als man vielleicht vermuten könnte. Das hat mich selbst überrascht.

Natürlich ist es schade, da man sich ja auf so viele schöne Erlebnisse gefreut hatte. Vor allem das Sleaze Fest hätte eines der Jahreshighlights werden sollen. Einen Tag vor dem angesetzten Datum musste es verschoben werden. Aber irgendwie tun mir die Locations und Veranstalter um einiges mehr leid als ich mir selbst …

rock hard rainbow

Mir geht es gut. Noch finde ich es sogar recht entspannend, auch am Wochenende mal einen halbwegs normalen Schlafrhythmus zu haben. 😀 Auch der Aufwand fällt weg, den man trotz aller legendärer Erinnerungen hat, wenn man als Gruppe kreuz und quer durchs (Bundes)land reisen will. Und Geld sparen werde ich eindeutig auch; vor allem dann, wenn die großen Events im Sommer weg fallen.

Ja, es fehlt irgendwas.

Aber ich finde: Es ist weitaus schlimmer, wenn das Konzert stattfindet, man selbst aber – gefühlt als einziger – nicht hin gehen kann!

Dass man nicht dabei ist, kann ganz verschiedene Gründe haben. Vielleicht ist die Veranstaltung örtlich zu weit weg. Oder man hat an dem Tag einen anderen wichtigen Termin. Der Eintritt ist womöglich zu teuer. Oder du liegst einfach krank im Bett und musst ganz spontan deine Pläne absagen.
Derweil feiern deine Freunde in der ersten Reihe, posten fleißig Selfies und erzählen danach die lustigsten Geschichten.
Das ist so viiiel ätzender als gar keine Konzerte. Oder etwa nicht?
Aber warum eigentlich?

rock hard festival bühne

Der offizielle Begriff dafür heißt Fomo: Fear of missing out.

Wikipedia sagt dazu: „Das Phänomen beschreibt die zwanghafte Sorge, eine soziale Interaktion, eine ungewöhnliche Erfahrung oder ein anderes befriedigendes Ereignis zu verpassen und nicht mehr auf dem Laufenden zu bleiben.
Dabei kann es von modernen Technologien ausgelöst werden, existiert aber seit Anbeginn der Menschheit auch unabhängig davon.

Diese Fear of missing out ist also scheinbar härter für uns, als wenn gar nichts stattfindet und man somit auch nichts Besonderes, Unwiederholbares verpassen kann.

Warum es uns mit den kompletten Ausfällen im tiefsten Inneren wenigstens etwas besser ergeht:

Weil es alle betrifft und wir da zusammen durch müssen. Niemand hat dir etwas voraus.
Und weil wir wissen, dass es irgendwann eben doch wieder möglich sein wird oder möglich gemacht werden muss. Uns wird also nichts weg genommen, nur aufgeschoben. Vielleicht wäre es ja viel schlimmer, wenn die Festivals doch stattfinden würden und du kannst dir wegen aktueller Verdienstausfälle das Ticket nicht leisten. Wäre das nicht eine noch viel größere 💩?!

Durch Social Media sieht man mehr optische Eindrücke dessen, was man verpasst, von überall auf der Welt. Doch schon vor 40 Jahren war es wohl das Ende der Welt für jeden Teenager, wenn dieser nicht zur Party der Schulkameraden gehen konnte, „zu der sonst wirklich jeder gehen darf!!“ Auch von diesen Feiern gab es am nächsten Tag Schnappschüsse und Erzählungen über ach so lustige Schnapsideen.
Es galt wohl auch schon immer als cool, bei einmaligen Events dabei gewesen zu sein. Zitat so ziemlich jeder Metalhead: „Die Band habe ich schon 1992 gesehen, als die noch keiner kannte! Da haben die mit ihrem Originalsänger, der viel besser war, noch in diesem kleinen Club gespielt und ich hab [insert Aktivität mit der Band here].“

EarlyGermanMetal

Fomo betrifft uns jedoch nicht immer. Manchmal ist es doch der Ausfall der Veranstaltung selbst, der weh tut. Das dürfte vor allem dann der Fall sein, wenn einem der Künstler auf der Bühne viel wichtiger ist als die Menschen, mit denen man hingehen oder mit denen man später darüber reden könnte.
Doch da heute fast jede Musik in Studioqualität sowie als Livemitschnitt im Internet zu sehen ist, können wir uns hierbei leichter aushelfen. Die Musiker mal live zu sehen, ist unbezahlbar? Das ist wahr … aber wir können derzeit immerhin auf niemanden neidisch sein, der es im Gegensatz zu uns kann. Die Musiker warten genau so ungeduldig darauf, dass sie uns endlich wieder sehen können. Auch sie können gerade keine Show aufführen, die in die Geschichte des Rock ’n Roll eingehen wird. Bei der aber nur wir wegen des blöden Jobs nicht dabei sein konnten!!1!

Und genau dies ist auch oft ein Grund, warum Fomo so viel mehr weh tut als eine Konzertabsage:

Der Grund, aus dem man nicht hingehen kann, ist auch an sich oft etwas Unangenehmes.

Wenn du statt des Konzertes eine super schöne Zeit wo anders verbringst, wird es dir weniger ausmachen, als wenn du wegen deines Arbeitsplans nicht hingehen kannst oder eben aus so Gründen wie räumliche Entfernung, Krankheit oder Kosten.
Die Ursache an sich ist schon unangenehm – zusammen mit dem Verpassen cooler Momente löst sie Ohnmacht, Wut und Frust aus. Die gefühlt nur wir selbst fühlen müssen.

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Wir sind soziale Wesen und wir brauchen die Interaktion mit Gleichgesinnten. Diese finden wir häufig auf Konzerten unserer Lieblingsmusik. Zu anderen Gelegenheiten sehen wir sie seltener und deswegen sind die Besuche der Shows, zusätzlich zur Musik, so wichtig.

Doch genau in Zeiten wie dieser sieht man, mit wem einen mehr verbindet als nur das begeisterte Schreien vor der Bühne. Man merkt, mit wem man sich wirklich etwas zu erzählen hat und wen man wirklich vermisst. Mit diesen Menschen kannst du auch unabhängig von Massenevents in Verbindung bleiben.
Ergo: Es sollte heißen „physical distancing“, nicht „social distancing“. 

❤ eure Foxxy

 

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