Interview mit Tim Jaspert, Head of Rausgegangen 

Ich wohne nun seit knapp einem Jahr in Köln, hatte aber noch nie Probleme damit gehabt, Events zu finden. Ganz im Gegenteil, eher wurde ich auf zu viele Angebote in der Stadt und Umgebung aufmerksam, oft über Facebook oder Freunde, die mich eingeladen haben und auch Geheimtipps kannten. Doch wenn man in der Stadt wohnt und auf der Suche nach Abwechslung ist, oder nach Leuten mit gleichen Interessen, dann ist das Konzept von Rausgegangen genau das Richtige! 

Doch um diese Kölner Eventplattform, die im Interview noch genauer erklärt wird, soll es heute gar nicht primär gehen. Heute soll es um die brandneue Schwesterplattform Dringeblieben gehen, die in kürzester Zeit vom ​Rausgegangen-Team auf die Beine gestellt wurde. 

Dringeblieben ist für Musiker und andere Kreative – sowie für all diejenigen, die das kulturelle Programm in der Stadt vermissen – eine kleine Schatzkiste. Denn auch wenn inzwischen jeder weiß, dass Künstler ihre Programme online streamen, muss man von den einzelnen Angeboten ja irgendwie erfahren, ohne das ganze Internet durchsuchen zu müssen. Auf Dringeblieben kann man wunderbar stöbern und etwas Neues entdecken. Und als Künstler hat man die Möglichkeit, im Rahmen dieser Plattform leichter gefunden zu werden. 

Tim Jaspert

Im Interview erzählt euch Tim Jaspert, Head of Rausgeganen, selbst mehr von diesem schönen Projekt, das in Zeiten der Corona-Krise dabei helfen soll, die Kultur aufrecht zu halten: 

Foxxy: Hallo Tim, ihr bietet auf der Plattform verschiedene kulturelle Livestreams an. Kannst du ein paar Beispiele nennen, was man so alles finden kann? 

Tim: Klar! Im Prinzip deckt es die gleiche Bandbreite ab, die wir vorher bei Rausgegangen hatten. Wir wollen jegliche Form der Kultur darstellen: Von Konzerten, über Comedy und Poetry Slam, oder auch mal Yoga und Sport Events, bis hin ​zu DJ Sets haben wir jegliche Form von Streams dabei. Wir hatten sogar schon einige Veranstalter, die ihre Festivals über uns online gestreamt haben, zumindest in abgespeckter Form. 

Als Beispiel hatten wir schon mehrere Konzerte mit Mine und ​bald steht ein Konzert von Fortuna Ehrenfeld mit eingebauter Theaterperformance der FreakAdemy an. [Interview fand vor dem Konzert statt] Ansonsten haben wir einige Hip Hop Streams, Comedy hat Lukas Wandke schon über uns gezeigt … das ist so die Bandbreite der Plattform. 

Ah, Mine kenne ich auch! Die Antwort hat meine zweite Frage schon ein bisschen abgedeckt. Aber wenn ich jetzt ein Künstler bin oder Kreativer: Wer kann sich alles bei euch melden? Sucht ihr nach bestimmten Programminhalten? Und wie geht das? 

Im Grunde kann jeder mitmachen. Wir freuen uns über den vielen spannenden, kulturell wertvollen Input! Auf der Website haben wir ein Formular, mit dem man sich als Künstler ganz einfach anmelden kann. Wir bekommen recht viele Anfragen, deswegen schaffen wir es natürlich nicht, immer sofort zu antworten. Aber wir versuchen, die Anfrage schnell zu bearbeiten und ​allen Bewerbern einen Stream zu ermöglichen. 

Gerade ​sind wir außerdem dabei, die Plattform zu expandieren. Dann sollen nicht mehr nur Events aus Köln & Berlin zu sehen sein, sondern wirklich aus ganz Deutschland und über Deutschland hinaus. ​Derzeit haben wir bereits weitere Streamingpartner in Wuppertal, Düsseldorf, Aachen, Dortmund und Hamburg. Also egal von wo, wir freuen uns, wenn Leute über uns streamen wollen. Deswegen gibt es auch keine Vorgabe, was wir besonders suchen und was nicht. Jede kulturell wertvolle Form findet bei uns Platz. 

Künstlerin im Stream, Foto: Vankey’s Pictures

Gerade ist eh alles ortsunabhängig. Bei Streaming ist es ja egal, ob es von Köln oder von sonst wo her kommt. 

Klar, wir freuen uns auch, wenn wir ​an möglichst vielen verschiedenen Orten gestreamt werden. Viele Künstler haben ja besonders viele Fans in ihrer direkten Umgebung und die schauen dann von dort zu. ​Es ist schön zu sehen, dass das Projekt auf diese Weise in ganz Deutschland Anklang findet. Wir hatten sogar schon Streams aus Melbourne und Südafrika, darüber haben wir uns besonders gefreut. 

Gibt es dabei denn ein Monetarisierungskonzept? Ist es möglich, dass sowohl die Künstler als auch ihr durch diese Streams etwas einnehmt? 

Wir haben ein Ticketingsystem. Das heißt, die Streamer können von den Nutzern oder Viewern mit virtuellen Supportertickets unterstützt werden. Das wird auch ganz gut genutzt, wir konnten inzwischen schon über​ 221.000 Euro für Kulturschaffende einsammeln, was für sie natürlich super ist. So können auch Künstler ihre Darstellungen etwas monetarisieren. 

Für uns selbst testen wir gerade verschiedene Wege, ​vor allem im Bereich von Sponsorings und Markenkooperationen, ​damit sich die Plattform auch in Zukunft tragen kann. ​Derzeit denken wir auch über eine Gebührenfinanzierung, eine ​Art Subscriber-System oder andere Kooperationen nach, die man eingehen kann. ​Das sind aber erst einmal alles nur Überlegungen, noch steht nichts fest. 

Das Team von Rausgegangen

War es denn schwierig für euch, regelrecht über Nacht etwas Neues aus dem Boden zu stampfen und euer komplettes Konzept zu ändern. Wie viel Zeit verging konkret von der Idee bis zur Umsetzung? 

Das war natürlich super anspruchsvoll, weil fast jeder Mitarbeiter plötzlich eine ganz andere Aufgabe hatte. Wir haben allerdings den großen Vorteil, dass wir inhouse eine Tech-Abteilung haben ​und somit alles alleine bauen konnten. 

Das mit der Idee ging super schnell. Wir haben uns am Sonntag den 15.3. im Geschäftsführerkreis zusammengesetzt und beschlossen: Okay, wir machen eine Livestreamplattform. Der CTO hat sich dann direkt die Domain dringeblieben.de gesichert.​ Am Sonntag wurde also der Beschluss gefasst, und nur zwei Tage später sind wir mit der Plattform online gegangen. 

Das heißt, wir haben alles innerhalb von 48 Stunden irgendwie aufgebaut.​ Die Plattform hätte anfangs sicherlich keinen Schönheitspreis gewonnen, das muss man ehrlich sagen. Aber das war uns egal. Uns war wichtig, erst mal ein Zeichen zu setzen; ein positives Zeichen, dass die Kulturszene jetzt zusammenhalten sollte. Wir wollten ​Kunst & Kultur irgendwie zu den Leuten ins Wohnzimmer bringen, damit es mit der Kulturszene weitergehen kann. Deswegen haben wir auch versucht, alles so schnell wie möglich ​umzusetzen. 

Klar war es für alle ​etwas Neues und auch sehr anspruchsvoll, denn eine Streamingplattform ist eine ganz andere Nummer als eine Veranstaltungsplattform. Wir sind aber sehr dankbar, dass uns ​direkt so viel Unterstützung zugesagt wurde​. Viele haben uns mit Tipps und Tricks und helfenden Händen geholfen. Es war sehr schön zu sehen, wie man ​in solchen Situationen zusammenhält und was daraus entstanden ist. 

Es stecken eben alle mit drin und deswegen denke ich, dass es trotz der vielen Nachteile viel Zusammenhalt gibt. Euer Design ist aber relativ schnell aufgebessert worden, oder? Denn als ich zum ersten Mal auf der Seite war, das war etwa zwei Wochen nach dem Start, da sah es nicht mehr nach brandneu oder Entwurf aus. 

Genau, wir haben relativ schnell am Design gearbeitet, damit es ein bisschen schöner aussieht, das stimmt. 

Für die, die es noch gar nicht gekannt haben, was ist denn das eigentliche Konzept hinter dem Original “Rausgegangen”?

Rausgegangen ist im Grunde eine Eventempfehlungsplattform. Wir versuchen, über unsere Website, Instagram, Facebook, App und Newsletter jedem da draußen die besten Veranstaltungen sowie Tipps und Tricks für die Stadt zu empfehlen. Das heißt, den Horizont der Leute zu erweitern und ihnen tolle Veranstaltungen zu empfehlen, damit sie möglichst viel rausgehen. ​Denn wir sind davon überzeugt, dass je mehr Menschen raus gehen, desto mehr neue Freunde lernen sie kennen. Man kommt in Kontakt zueinander und begegnet neuen Menschen und Kulturen. Wir sind überzeugt davon, dass das ein erster Schritt ist, die Gesellschaft ein Stückchen besser zu machen. 

Wir haben also jeden Tag Veranstaltungstipps gegeben, ​für die komplette anstehende Woche. So konntest du dich einfach über das kulturelle Stadtleben informieren. Neben den Veranstaltungsempfehlungen geben wir zudem auch andere Tipps für die Stadt, bspw. Restaurant- oder Barempfehlungen. Unser Herzstück sind aber die Veranstaltungstipps in der Rausgegangen App und auf der Webseite. 

Das war aber nur für Köln? 

Ja, Rausgegangen ist in Köln gestartet, mittlerweile sind wir mit unserer Plattform aber auch in München unterwegs, weitere Städte sollen folgen. Zudem sind wir mit Ask Helmut, das ist unser Pendant in Berlin, bereits in Berlin und Hamburg tätig. 

Vielen Dank für deine Zeit und die Infos! Hier geht’s zu den Streams: https://dringeblieben.de/

Künstlerin während Auftritt, Foto: Vankey’s Pictures

Ein paar Programmpunkte für das kommende Wochenende:

Furcht und Normalität in Zeiten der AfD: https://dringeblieben.de/videos/furcht-und-normalitat-in-zeiten-der-afd

Neon Paradise: https://dringeblieben.de/videos/neon-paradise-live-stream

Bandpool präsentiert: Releasekonzert: BLINKER – „Blitz“ EP https://dringeblieben.de/videos/bandpool-prasentiert-releasekonzert-blinker-blitz-ep

Lagerfeuer Deluxe präsentiert Stud & Dan O´Clock (Live Stream): https://dringeblieben.de/videos/lagerfeuer-deluxe-prasentiert-stud-live-stream

Ehrenfeld Streamgarten mit Giirl: https://dringeblieben.de/videos/ehrenfeld-streamgarten-mit-giirl

Cocktaikurs on Air: https://dringeblieben.de/videos/cocktailkurs-on-air-americano-gimlet-penicillin

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