Herzlich Willkommen zur zweiten Ausgabe von Pro & Contra.

Es war einmal eine Füchsin, die wollte aus ihrer Not eine Tugend machen.
Denn es war eine ihrer größten Stärken, und zugleich auch Schwächen, dass sie bei vielen Themen, die die Nationen spalteten, keine unverrückbare Meinung hatte.
Wie Füchse das nun mal tun, beobachtete sie lieber von außen und wägte die verschiedenen Seiten ab. Das half, um einen kühlen Kopf zu bewahren. Aber wie sollte sie so über Phänomene aus ihrer Szene schreiben können?!

Also kam sie auf die Idee, all die Streitfragen aus der Welt der Musik und der Kreativen mit sich selbst zu debattieren. Sie wünscht viel Spaß und viele Einsichten mit der Rubrik!


#ContraFuchs

Ist es denn etwas ach so Besonderes?!

Mein innerer Dialog befasst sich heute mit der (bestmöglichen) Reaktion von Medien und Marken zur Black Lives Matter – Bewegung. Mich beschäftigte nämlich diese Frage: Sollte ich noch einmal mein Interview mit Dominick von Wildstreet teilen, um aktiv die Bewegung mit meinem Blog zu unterstützen? Oder sollte ich es besser sein lassen?

Als Contra-Fuchs sage ich: Lieber nicht.

Warum? Es wurde inzwischen schon von mehreren Personen gesagt, dass es nicht mehr reicht, selbst kein Rassist zu sein, sondern man sollte ein Antirassist sein und das Wort ergreifen, damit sich etwas tut.
Das klingt erst mal sinnvoll. Aber hilft es wirklich, wenn ich als Weiße jetzt damit hausieren gehe, dass ich ja auch Musik von Schwarzen höre, ja sogar persönlich kenne oder mag? Soll ich alle nicht-Weißen Künstler auflisten, deren Songs ich toll finde?
Das wirkt ein bisschen wie diese Standardentschuldigungen von Sonstwasophoben. So was wie: „Ich habe nichts gegen Schwule. Ich hab sogar einen Freund, der ist schwul!“
Ein paar Minuten später dann: „Aber ich finde, er sollte nicht immer … xxx [hier bitte einfügen, was besagter Freund besser nicht mehr tun sollte].“ Oder auch: „Wir haben total nette türkische Nachbarn. Mit denen verstehe ich mich bisher richtig gut, die machen gar keinen Ärger. Vielleicht können sie mir mal beibringen, selbst Döner zu machen.“

Ich gebe zu, ich habe gerade etwas Schwierigkeit damit, eine gute solche Beispielaussage zu finden. 😀 Aber ihr wisst hoffentlich, was ich meine. Diese Leute, die sich als Helden sehen, weil sie mit Vertretern einer gesellschaftlichen Gruppe kein Problem haben, aber trotzdem sofort danach mit Klischeedenken und Einschränkungen ihrer Akzeptanz um sich hauen.

Besser ist es also, nicht mit dem blinkenden Neonschild darauf hinzuweisen, dass ich schon mal einen der wenigen schwarzen Rockmusiker interviewt habe. Man sollte den Unterschied ja auch nicht noch stärker hervorheben. Stattdessen sollten die Beiträge mit, von und über People of Color ganz natürlich zwischen den anderen Artikeln auftauchen. Ihre Hautfarbe bzw. Ethnie sollte nicht extra betont werden. Es sollte verdammt nochmal selbstverständlich sein!! Und auch der Künstler selbst sollte doch für sein Schaffen anerkannt werden, und nicht dafür Likes oder Applaus einsammeln, dass er zufällig dunkle Haut hat. Das erreicht man eher, wenn man so wenig Aufmerksamkeit wie möglich darauf lenkt.

Fällt die Entscheidung also darauf, dem Thema nach diesem Beitrag keine weitere Beachtung mehr zu schenken und mich einfach selbst zu bemühen, nicht rassistisch zu denken?
Ich wage zu behaupten, dass ich es schon jetzt nicht bin – sogar eher allergisch reagiere wenn jemand blöde Sprüche von sich gibt. Aber von unterschwelligen Vorurteilen, die man beim ersten Eindruck hat, kann natürlich auch ich mich nicht freisprechen.
Diese mal positiven, mal negativen Stereotypen, die einem ungewollt in den Kopf schießen. So wie man sich – ohne auf die Eigenheiten der einzelnen Personen zu achten – einen typischen Hipster vorstellt, oder einen Ami, einen Japaner, Banker, Fußballer, Pauschaltourist, … Auch diese pauschalisierenden Bilder möchte ich gerne ablegen. Doch das kann ich auch für mich alleine tun, ohne Publikum.


Bild von Markus Winkler auf Pixabay

#ProFuchs

Wenn wir jetzt laut sind, kann Diversität zur Norm werden

Das Problem ist vielleicht, dass viele von uns gar nicht nachvollziehen können, welche absurden Überzeugungen viele Menschen noch immer haben. Wie verbreitet offener und latenter Rassismus immer noch sind. Um großflächig ein Umdenken zu erreichen, muss man also laut sein!

Wir alle müssen zusammen für wirkliche, gelebte Gleichberechtigung einstehen. Das heißt, man muss immer wieder von den großen Vergehen sowie Einzelschicksalen erzählen, bis es im allerletzten Hirn angekommen ist. Vor allem aber muss man Betroffene selbst zu Wort kommen lassen. Manchmal heißt das eben, dass ich jemand anderem, der Diskriminierung erfährt, meine Plattform zur Verfügung stellen muss. Es ist keine Zurschaustellung oder Selbstbeweihräucherung, sondern die Erhöhung der Gesamtreichweite für wichtige Botschaften.

Mag sein, vielleicht verwenden viele Marken und Magazine in diesen Tagen nur alibimäßig warme Wort und dazu Models jeder Hautfarbe. Aber das ist immer noch besser, als die Bewegung nicht zu unterstützen. Und irgendwann gewöhnt man sich als Konsument daran und die Diversität in den Medien wird zur Normalität. Dann fühlen sich endlich alle Menschen besser repräsentiert und es gibt vielleicht mal mehr als nur den einen „Quotenneger“ pro TV Show. Oder in meinem Falle Festival Line-Up.

Die Realität sollte in den Medien (und somit auch Musikblogs) widergespiegelt werden. Wir brauchen dort also so viele Menschen verschiedener Herkunft, Religion, Sexualität und so weiter wie in der Wirklichkeit. Dass das als zu viel wahrgenommen wird, ist ehrlich gesagt erschreckend … und ich merke, dass ich mich selbst noch mehr bemühen muss, das so umzusetzen.

Der Pro-Fuchs sagt: Wir sollten jetzt Krawall machen. Auch wenn es längst nicht mehr nötig sein sollte.
Daher die Frage: Welche nicht-Weißen Künstler könnt ihr empfehlen? Gebt ihnen ein Gehör und rockt zu ihren Songs!


Was ist eure Meinung zu dem Thema? Wie würdet ihr in der Situation handeln oder was habt ihr bisher schon gemacht?

Nach all den politischen Themen kommt bald auch wieder leichte Unterhaltung, ich verspreche es. Doch auch toughe Rocker sollten sich mit ernsten Themen auseinandersetzen können. 😉 Daher ein Danke an alle, die diesen Beitrag und die letzten, zum Beispiel den über Alltagssexismus, gelesen haben.

Eure Foxxy

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