Nachdem ich zuletzt gefragt hatte, was überhaupt eine Szene ausmacht (hier geht’s zum Beitrag), möchte ich heute die Frage stellen, warum man eine bestimmte Musikrichtung oder auch einen einzelnen Song oder Künstler mag oder warum nicht. Auch dazu will ich von meiner persönlichen Sicht auf die Musik erzählen; aber vor allem will ich wissen, wie es bei euch ist.

In der Uni haben wir als Anhaltspunkt fürs Fanwerden gelernt, dass man immer Künstler mag, die einem entweder ähnlich sind, die unsere Vorbilder sind oder in die man ein wenig verknallt ist. Klingt überraschend einleuchtend. Doch immer, wenn ich damit ankomme, schreien sofort Leute auf, dass sie manche Songs allein wegen der Musik mögen!!1!!!11 Was würde mir denn einfallen, so oberflächlich zu sein?!?!1
Gut, dann weiten wir es darauf aus, dass man nicht unbedingt dem Interpreten ähnlich sein oder ihn geil finden muss. Aber dann überträgt sich das Schema auf den Protagonist oder Inhalt des Songs. Ähneln der Text oder die Person bzw. die Sichtweise des Werks dem eigenen Leben oder sind sie für dich ein Ideal? Die Wahrscheinlichkeit ist hoch – auch weil Lyrics oft daraus ausgelegt sind, auf möglichst viele persönliche Situationen zu passen. Doch genau das mag ich an ihnen, denn so werden sie immer wieder wichtig für dich.
Wenn du ein Musikstück aber wirklich nur wegen der aufeinanderfolgenden Akkorde und der Gesangsstimme magst, ohne im geringsten auf den Künstler, seinem Lifestyle oder den Inhalt zu achten, ist es gut möglich, dass du selbst Musiker bist. Denn dann ist der Urheber/Komponist wieder entweder jemand, dem du ähnlich bist (auf gleichem Level talentiert) oder eines deiner Vorbilder, weil du auch so gut sein möchtest.

Bei wem nichts davon zutrifft, was ist es dann? Was genau spricht dich an dem Song an?

Quelle: Pixabay

Ich bin kein Instrumentalist. Allerdings habe ich mein ganzes Leben lang gesungen. Also erkenne ich Harmonien, schiefe Töne, Rhythmen und auch zum Teil den Schwierigkeitsgrad oder Einfallsreichtum einer Melodie. Aber eben nur bis zu einem gewissen Punkt. Und wenn sich die zweite Geige von rechts kurz verspielt hat, merke ich das vermutlich nicht. Eine gute Stimme ist mir dafür oft wichtig.

Durch meine Sichtweise achte ich also zum Beispiel darauf, wenn ein Song sich zwar geil anhört, aber nicht gut zum Singen geeignet ist. Trifft lustigerweise auf fast sämtliche Sleaze-Tracks zu. Die kann man beim Livekonzert schön mitgrölen – aber nicht melodiös und effektvoll vortragen. Andererseits gibt es Songs, die ich mir selten auf CD oder live anhören würde. Das wäre langweilig. Aber zu singen machen sie unglaublich Spaß. Bei manchen Songs davon ist es am besten, sie alleine, laut und voller Emotion im Auto einem unsichtbaren Publikum zum Besten zu geben, andere sind perfekt für ein Duett auf der echten Bühne.

Wenn du daran gewöhnt bist, einen Song im Chor zu singen, nur mit Klavier oder Gitarre, rückt außerdem oft das Genre, in dem das Original aufgenommen wurde, komplett in den Hintergrund. Manchmal weiß man es gar nicht! Stattdessen wird das Songwriting selbst viel wichtiger; und man merkt erst, wie viele wundervolle Coverversionen der verschiedensten Stile aus diesem einen Werk gemacht werden könnten.

Welche Musikrichtung man mag, hängt manchmal auch mit Konditionierung und Context zusammen. So reagierte ich mit etwa zwölf Jahren wie der Pawlowsche Hund auf …. RnB!
Kein Witz.
Der urbane Musikstil lief immer bei den Fahrgeschäften auf dem größten Jahrmarkt im Dorf. Das war ein jährliches Highlight wie Wacken für uns Kiddies und löste bei mir im Kopf automatisch folgende Gedanken aus: vier Tage Party, du darfst lange aufbleiben, jeden Tag Programm, Autoscooter und Flugsimulator, Crepe mit Nutella und warme Sommernächte mit Freunden. Die Musik die dabei lief, hat den positiven Effekt mit abbekommen.

Welche Musik läuft, wenn du träumst oder glücklich bist?

Es kann auch vorkommen, dass ich einen Song lieber mag, nachdem ich das Musikvideo dazu gesehen habe. Wenn dieses nämlich nicht nur die Band live auf der Bühne zeigt, sondern der Aussage einen neuen, am besten abstrakten oder überraschenden Twist gibt, finde ich den gesamten Song plötzlich viel interessanter. Diese „was hat sich der Künstler dabei gedacht“-Frage wird dann relevant und das Analysieren der Aussagen geht los.

Das Interpretieren von Texten und anderen Werken hab ich schon in der Schule geliebt (#LaberfachQueen), aber ebenso gerne hab ich schon immer getanzt. Ergo kann ein Track bei mir punkten, wenn man gut dazu tanzen kann…

Bei meinen geliebten Musicals mag ich natürlich die großen Balladen. Aber fast noch besser sind die Nummern, die schön theatralisch dargestellt werden können. Wenn Abwechslung darin ist, wenn sie verschiedene Emotionen wiederspiegeln, man damit „spielen“ kann und einfach Lust bekommt, in die Rolle reinzuschlüpfen. Wer dieses Gefühl kennt und weiß, was ich meine, Hand hoch! 😀

Dragqueens kennen dieses Gefühl jedenfalls 😀

Politische oder Gesellschaftliche Botschaften im Song? Ja, gerne. Aber weder bin ich ein sonderlich großer Fan von rotziger 3-Akkord-Punkmusik noch mag ich es, wenn die Aussagen zu unverblümt sind. Fun Fact ist also: Der Hauptgrund, weswegen ich die Musik der Onkelz nicht mag, ist nicht etwa die politische (von mir aus ehemalige) Einstellung der Band – sondern dass ihre Texte zu direkt sagen, was sie meinen. Das langweilt mich bei Kunst unfassbar! Deswegen mag ich bei bildenden Künsten auch nicht den, der am besten den Pinsel schwingen kann, sondern den, der am meisten „WTF?!“ in meinem Hirn auslöst.

Bei Partys ist es schön, wenn man durch die Musik für kurze Zeit komplett die Sau rauslassen kann. Wenn sie einen Lebensstil wie den der alten Rockstars wiederspiegelt, hat man zumindest für diesen Abend das Gefühl, genau so eskalieren zu können. Das macht den Kopf frei vom Alltag mit all seinen Regeln. Oder es ist etwas wie richtig atmosphärische Synthwave, in dem man sich vollkommen verlieren kann. Auch das hebt aus dem Alltag raus und ist mein persönliches Gegenbeispiel zu den Thesen vom Anfang: Ich hab keine Ahnung von den Machern dieser Musik, einen Text oder Handlung haben sie selten, aber ich kann mich allein in den Klängen verlieren. Und dazu braucht es nicht unbedingt vernebelte Bedingungen 😛

Und zu guter Letzt noch eine beliebte These, an der aus meiner Sicht sicherlich etwas dran ist: Von Natur aus ruhige, friedliche Menschen bevorzugen laute, harte Musik um innerlich ausgeglichen zu sein. Während Menschen, die zu Wut und Hektik neigen, sanfte Klänge brauchen, um auf den Boden zu kommen.

Wie sieht es bei dir aus? Bunt gemischte Gründe oder klare Vorstellung von gutem Sound?

Mach deine Musikwelt, wie sie dir gefällt!

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