Ein Erfahrungsbericht

Letzten Freitag war ich auf meinem ersten Konzert mit Maske und Abstandsregelung: Auf der Trallafitti Open Air-Bühne vor der Weststadthalle in Essen sollten sich Night Laser und Formosa die Ehre geben. Nun sind das ja beides Bands, die ich schon oft gesehen habe und über die hier auch schon Vieles veröffentlicht wurde – aber ich war so dankbar für diese Möglichkeit, dass ich heute über das Erlebnis des „Corona-Konzert“ an sich erzählen möchte, anstatt im Detail auf die Show auf der Bühne einzugehen.

Danke im Voraus an Pictures by Nola für die Konzertfotos!

Reinkommen ist nicht so leicht

Das kleine Konzert fand unter offenem Himmel statt und die Karten gab’s für umme. Also erst mal ein klassisches „Umsonst und Draußen“-Event. Allerdings waren die Regeln für den Ticketkauf plus Besuch um einiges strenger:
Dass jeder Besucher Name und Adresse angeben sollte, ist klar. Damit hätte ich gerechnet und das ist gerade einfach ein Muss. Aber warum gab es die Anweisung, dass jeder sein Ticket einzeln bestellen musste, obwohl mehrere Namen bei einer Bestellung eingetragen werden konnten? Warum musste es auf Papier ausgedruckt werden?
Obwohl jeder getrennt seine Karte beantragen sollte, musste man zudem gemeinsam erscheinen, um beieinander sitzen/stehen zu dürfen. Und dann sollten wir noch zwanzig Minuten vor Beginn, also um zwanzig vor Sieben, vor Ort sein. Das ist freitags gar keine leichte Sache, immerhin hat nicht jede Branche oder Firma die Regelung, dass man freitags früher gehen kann und die Bahnen haben gerade zur Feierabendzeit häufig Verspätungen. Auf den Straßen herrscht Stau. Doch wer zu spät war, dessen Ticket wurde ungültig.

Das wurde meines dann übrigens auch. Weil wir uns als Gruppe vor dem Eingang getroffen haben und erst gewartet haben, bis alle da waren. Es war aber nicht weiter schlimm, denn es gab noch genug Plätze an der „Abendkasse“ (ich setze das in Anführungszeichen, denn es gab ja keine Kasse zum Bezahlen). All diese Regeln haben die Vorbereitung plus Anreise allerdings ziemlich stressig gemacht. Geschüttet hatte es zu der Zeit auch noch kurz. Super Start in den Abend.

Anm: auf der Maske steht „Meow“ und auf der anderen Seite sind Schnurrhaare

Doch die Karten waren ja eh gratis. Das heißt, wenn man nicht mehr rein gekommen wäre, hätte man wenigstens kein Geld verschenkt. Frust gab es beim Einlass trotzdem. Denn erst dort wurde unserer Chaotentruppe aus elf Menschen gesagt, dass nur maximal acht Leute in eine der Parzellen durften, die auf dem Boden aufgemalt waren. Die sahen aus wie Begrenzungen auf Sportfeldern. Zitat keine Ahnung mehr wer: „Ich fühle mich hier wie beim Tennis.“
Also musste am Eingang so schnell wie möglich entschieden werden, wer jetzt mit wem in einen Bereich geht, was auf sozialer Ebene gar nicht mal so leicht ist.

Wir konnten uns dann zwei Bereiche direkt nebeneinander ergattern und somit doch irgendwie gemeinsam das Konzert genießen. Dennoch war es merkwürdig, nicht nach vorne vor die Bühne gehen zu können, sondern hinten bleiben zu müssen. Denn vorne waren natürlich schon alle Blöcke vergeben. Es war interessant zu sehen, wie in manchen der Kästen ganze Gruppen ausgelassen feierten, während in anderen nur wenige Menschen auf den improvisierten Sitzmöglichkeiten saßen. Die Stimmung war wie bei einer größeren Gartenparty, bei der sich einzelne Grüppchen gebildet hatte und da jemand aus dem Freundeskreis eine Band hatte, wurde für diese eben eine Bühne aufgebaut.

Die Auftritte von Night Laser und Formosa

Viele Details von der Show haben wir nicht gesehen, doch die Jungs da vorne machten das Beste aus der Situation. Alle waren unfassbar froh, wieder vor Livepublikum spielen zu können und überhaupt so etwas wie Reaktionen, Mitsingen oder Applaus zu erhalten. Ohne wackelige Internetverbindung dazwischen! Zu Anfang des Auftritts von Night Laser zierte noch ein Regenbogen den Himmel hinter der Weststadthalle. Es ging nach langem Regen eben endlich mal wieder die Sonne auf.

Auf seine eigene Art war das Konzert auch super angenehm. Kein Gedrängel und Geschubse. Man musste nie seine Leute suchen. Anderen bekannten Gesichtern konnte man aus der Ferne zulächeln oder winken ohne sich entscheiden zu müssen, ob man da jetzt hingeht oder auf seinem hart erkämpften Platz stehen bleibt.
Night Laser spielten derweil ein paar ihrer neuen Songs vom Album „Power to Power“, das dieses Wochenende das Licht der Welt erblickt. Wie es sich für Night Laser gehört, waren am Ende alle halb nackig auf der Bühne. Davor musste aber unbedingt noch die weiße Fransenjacke herausgeholt werden. Das gemeinsame Singen von „I’m a Laserhead“ hat so semigut geklappt. Der Schall verfliegt bei einem so offenen Platz. Doch es hat Spaß gemacht.

Die Auftritte von Formosa habe ich selten näher beschrieben, denn in Sachen Show und Entertainment kommen sie ihren Vorgängern nicht hinterher. Ihre Musik hat aber eindeutig besser zur Gesamtatmosphäre gepasst – denn sie ist eben auch nicht auf überkochende Stimmung angewiesen, um ihre Wirkung zu verbreiten.
Sie spielen einen vergleichsweise geerdeten, unaufgeregten Hard Rock, der gut zum dunkler werdenden Abend und den entspannten Unterhaltungen passte, die überall zwischen Zuhörern stattfanden. Eben ein bisschen Gartenparty-mit-Freunden-Feeling und durch Formosa eine passende musikalische Begleitung des Abends, der gerne noch länger so gehen durfte.

Aftershowparty

Das tat er auch. Denn nachdem der Veranstalter raus aus der Verantwortung war, konnten wir alle zusammen noch ein bisschen Zeit vor der Wiese auf dem Parkplatz verbringen. Mit einem großen Kasten lauwarmen Bier, der von Night Laser gesponsert wurde, auf dem ebenso warmen Steinboden sitzend, zum Pinkeln hinter die Büsche rennend (weil die Halle geschlossen wurde), in der Nähe einen Kiosk, unter den Bäumen und Sternen sitzend und über Musik und den Rest der Welt redend kam uns die Erkenntnis: Mehr wie ein Festival wird es dieses Jahr nicht. ❤

Wenn die Fangirls in Rudeln kommen..

Da es immer noch recht früh war, war noch genug Zeit für eine Wanderung zum Viehofer Platz, dem Hotspot der letzten Wochen. Dort ist eben viel Platz zum draußen sitzen, man sieht auch spontan mal bekannte Leute, es gibt leckeres Essen und eine große Auswahl an Getränken.
Hier hat es sich wieder in kleine Gruppen verlaufen und alles ist langsam ausgefranst. Ich war auch selbst ziemlich müde von dem Tag, hatte ich mich auf der Arbeit doch extra beeilt, um noch irgendwie rechtzeitig anzukommen. Dann dem Zug nachgelaufen, nass geworden, mit vielen Menschen geredet, in Ansätzen getanzt … spätestens um zwei Uhr war vorbei. Da bin ich beim Warten auf den RE1 zurück zum ersten Mal im Leben auf einem Holztisch von einem geschlossenen Restaurant draußen kurz eingenickt. Es gibt eben für alles ein erstes Mal.

Fazit des Abends: Es ist schön, trotz Einschränkungen solche Erlebnisse mit Freunden und Bekannten teilen zu können und die „Action“ zu haben.
Aber es ist auch gar nicht so leicht, den Anforderungen gerecht zu werden, die solche ein Konzert derzeit mit sich bringt. Für alle Beteiligten, also sowohl Veranstalter als auch Künstler und die Gäste.

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