Heute habe ich Lust, etwas über die brandneue Netflix-Serie Biohackers zu erzählen. Die deutsche Produktion hat erst eine Staffel mit 6 Folgen, die jeweils 42 Minuten lang sind, man ist also recht schnell durch.
Ich hatte in den Trailer rein geschaut und dachte: Die Aufmachung gefällt mir, aber ich glaube, das ist eher was für Teens.. wegen der starken Betonung auf das ach so wundervolle Studentenleben.
Nach dem Ende der Staffel dachte ich dann: Das ist auch für Erwachsene unterhaltsam. Vielleicht gerade wegen der glorifizierten Studiwelt, die das Alltagsgrau verblassen lässt. Doch die Serien hat ihre Schwächen. Sie wird nicht jeden überzeugen. Ob diese Welt, in der alles heller strahlt als es sollte, dir gefällt oder nicht, kannst du vielleicht beim Lesen herausfinden.

Achtung: Um ein paar Spoiler werde ich nicht herum kommen.
Doch ich bemühe mich, nicht zu viel vorweg zu nehmen, sodass es sich auch noch nach dem Lesen des Artikels lohnt, die Serie anzuschauen.

Fangen wir mit der bereits erwähnten Darstellung des Studentenalltags an. Mia, die Protagonistin von Biohackers, zieht (aus Schweden? da bin ich mir nicht mehr ganz sicher) nach Freiburg, um dort ihr Medizinstudium zu beginnen. Sie klingelt an der WG-Tür und wird von ihrer zukünftigen Mitbewohnerin gleich mal oben ohne begrüßt. Die hatte, wie es aussieht, schon ganz vergessen, dass heute jemand Neues einzieht. Trotzdem sind sie nach kürzester Zeit gute Freunde.

Screenshot von netflix.com

Wir treten in Mias Welt ein. Ihr neues Zimmer ist simple, die Tapete ist von der Wand gerissen. Lehrbücher nehmen den meisten Platz ein. Die Studentin fährt mit dem Fahrrad durch die wunderschön dargestellte, sonnige Stadt im Süden des Landes. Ihre 4er-WG ist genau so verrückt wie genial und liebenswert. Diskussionen oder Gleichgültigkeit sieht man zwischen ihnen nie. Mia und ihre Freunde haben eine ambitionierte Professorin und High Tech Ausrüstung zur Verfügung. Der Hörsaal ist voll besetzt. Nach der Uni finden abgefahrene Partys statt – unter anderem mit leuchtenden Hanfpflanzen und bekannten Wissenschafts-Influencern. Nach wenigen Tagen hat die hochintelligente Protagonistin zahlreiche Freunde gefunden, zwei davon leben in einer Art Aussteigerhütte ganz alternativ am Badesee. Es ist wie ein Imagefilm fürs Studieren im 21. Jahrhundert.

Womit mich die Serie sofort überzeugen konnte, ist das Thema. Für mich sind Biohacking und die dazugehörige Szene neu, aber ich finde es super spannend. Was in der Serie an „Hacks“ gezeigt wird, tanzt auf dem Hochseil, das zwischen Realität und Fiktion gespannt ist. Manches ist sicher möglich, manches nur theoretisch und anderes würde in der echten Welt kolossal schief gehen. Oder man kommt dafür hinter Gitter.

Ebenso gefällt mir die Produktion. „Biohackers“ hat nicht diese typisch deutsche Machart von Filmen oder Serien… Kennt ihr französische Komödien, die man sofort an ihrer Atmosphäre, an den Dialogen, der Synchro, dem Humor erkennt? Viele klassisch deutsche Produktionen haben ebenfalls ihren eigenen Stil der Regie / Texte / Aufnahmen. Die Serie „Dark“ soll zum Beispiel inhaltlich stärker sein als „Biohackers“, hat aber eher diesen Stil, weswegen ich mich schwerer tue, sie anzuschauen.
Wer eine Beschreibung für das findet, was ich meine, der hat was gut bei mir! Die Macher von „Biohackers“ scheinen jedenfalls eine amerikanische Schule besucht zu haben oder sich mindestens an ihre zu orientieren. Bilder und Darstellung der Schauspieler sind auf einem hohen, international vergleichbaren Niveau.

Die dritte Stärke der Serie aus meiner Sicht: Die Cliffhanger am Ende jeder Folge.
Selbst, wenn man sich eigentlich denken kann, wie es weiter geht, will man unbedingt sofort weiter schauen, um zu erfahren, ob es wirklich so kommt. Oder anders. Außerdem beginnt die Serie mit einer Szene, die erst später in der Handlung stattfindet. Erst vor wenigen Tagen habe ich über diese Methode des Spannungsaufbaus gesprochen: Man weiß, dass etwas passiert. Es ist unausweichlich. Doch wie und wo, das weiß man nicht. Also wartet man gespannt in jedem Moment.

Die größte Schwäche von Biohackers ist die Ausgestaltung der Story.
Was hier auf Serienlänge gezogen wird, könnte auch ein längerer Film sein. Dafür würde sich die Handlung sogar sehr gut eignen, denn sie hat den Verlauf eines Films.
Jedoch ist vieles darin sehr vorhersehbar. Die Rollen sind leicht überzogen, zu archetypbelastet. Es gibt gezwungen viele Wendungen und Rettungen in letzter Not. Außerdem geschieht die Handlung viel zu schnell.

Man kann in Filmen, Serien und Büchern durchaus Zeitspannen zusammenfassen oder überspringen. Die Story hätte sich zum Beispiel vom Studienbeginn im Spätsommer bis in den Winter ziehen können, mit etwas normalem Alltag dazwischen. Dann hätte auch das Studentenleben realistischer gewirkt.
Aber Pustekuchen. Innerhalb von zwei Wochen beginnt Mia zwei Affären, rettet das Leben von beiden, verschafft sich einen neuen Job durch herausragende Leistung in der Uni und Überredungskunst, geht auf mindestens drei Partys, freundet sich mit der gesamten WG und weiteren Leuten an, bekämpft ihre Erzrivalin, fährt nach Basel um einem großen Forschungsprojekt auf die Spur zu kommen und wollte eigentlich noch nach Berlin, verhindert jedoch stattdessen den Tod von 25 Menschen. Das ist ’ne ganze Menge und ich frage mich beim Zuschauen: Wann gehen diese Leute in den Supermarkt um ihr Klopapier und Shampoo zu kaufen?! Oder haben sie sich so biogehackt, dass sie das nicht mehr brauchen?? Bei einem Charakter könnte man sich das vorstellen.

Trotz aller Schwächen, der Effekthaschereien und Übertreibungen der Serie möchte ich mir die zweite Staffel ansehen. Alleine schon wegen des – was auch sonst – Cliffhangers am Ende. Und wegen der irren Experimente und Mitglieder der Biohacker Szene!

Zum Schluss sei noch gesagt, dass die Story eine interessante ethische Fragen thematisiert. Sie gibt also Denkanstöße und ist trotz der Grenze zur Fantasy lehrreich. Diejenigen, die mehr Frauen in MINT-Fächern sehen, werden den Serienmachern dankbar um den Hals fallen. Denn jede*r, der gerade in Richtung Abitur geht und den Biohackern bei der Arbeit zusieht, wird von ihnen begeistert sein.

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